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Full text: 56, 1936

Hubert Tüllmann: Die Niederschlagsverhältnisse der Siidsee-Inseln 
17 
«I * 
3. Die Mengenbilder einzelner Südsee-Inseln u ) 
(s. Abb. 2—6) 
Die beigefügten Niederschlagskarten einzelner hoher Inseln zeigen die Abhängigkeit der Mengenverteilung 
von Wind und Relief in ganz verschiedenem Grade. Die äußeren, wendekreisnahen Inseln (Hawaii, Maui, Oahu, 
Kauai und Neukaledonien; Abb. 5 und 6) sind, im ganzen gesehen, trockener als die inneren Inseln in niederer 
Breite (Fidschi, Samoa, Neuguinea; Abb. 2, 3, 4). Wir sehen also, daß die Breitenlage der Inseln für die zonale 
Verteilung der jährlichen Regenmengen von einschneidender Bedeutung ist. Relief, Wind und Breiten 
lage der Südsee-Inseln begründen also die wesentlichsten Unterschiede ihrer räumlichen Nieder- 
schlagsverteilung. 
Wir stoßen auf Besonderheiten, wenn wir die generellen Merkmale einmal genauer ins Auge fassen. 
Nach der Breitenlage und Windlage müßte die äquatomahe Monsuninsel Neuguinea (Abb. 2) die nieder 
schlagsreichste Insel sein und nicht Upolu und Sawaii in der Sam oagruppe (Abb. 3); denn sie 
liegen dem Wendekreis des Steinbocks näher als dem Äquator und werden vom SO-Passat überweht. Durch 
schlagender als Breite und Wind ist hier das Relief. Neuguinea ist eine gliederreiche, hohe Kontinentalinsel. Die 
ein- und vorgelagerten Senken und Ebenen und die das günstige Wolkenniveau (um 1500 m) überragenden Höhen 
beschränken den Regenreichtum auf die nördliche und südliche Gebirgsflanke. Die Samoa-Inseln steigen als ge 
schlossene Vulkanmassive unmittelbar aus dem Wasser und bleiben in ihren höchsten Gipfeln unter dem günstigen 
Wolkenniveau. Die hohen Niederschlagsmengen beginnen darum schon an der Luvküste und schließen die 
Höhen noch mit ein. Sie wachsen sogar beträchtlich über den Luvbereich des normalen SO-Passates hinaus und 
lenken damit unsere Aufmerksamkeit auf den Wind. 
Nicht nur auf den Samoa-Inseln, sondern auch auf den anderen SO-Passatinseln Fidschi (Abb. 4) 
und Neukaledonien (Abb. 5) greifen, relativ gesehen, die Luvmengen noch in die Leeräume, auf 
den NO-Pas satinsein Hawaii, Maui, Oahu und Kauai (Abb. 6) dagegen die Leemengen in die 
Luvräume. Daraus folgt, daß sich der SO-Passat nicht auf seine Normalrichtungen (SO und 0) beschränkt, 
während der NO-Passat die N0- bzw. O-Richtung starr und beharrlich innehält und die seitlichen Lee-Einflüsse 
bis dicht an das Kernluvgebiet herankommen läßt. Auf den Hawaii-Inseln wehen in der Passatrichtung (NO, 0) 
im Jahresdurchschnitt 82% aller Winde, auf den südhemisphärischen Inseln Samoa, Fidschi und Neukaledonien 
nur 52% (SO, 0) (vgl. Tabelle 1, Nr. I, II, V) 44 45 46 . 
Mit der Beharrlichkeit und Gleichmäßigkeit des NO-Passates verschärfen sich auf den Hawaii-Inseln 
(Abb. 6) die Mengengegensätze des Niederschlages und rücken näher zusammen. So sagt Koppen 46 von dem 900 m 
hohen Waimeasattel im Nordzipfel der Insel Hawaii: „Nach Westen zu kommt man in wenigen Kilometern Ab 
stand aus einer Gegend, die von Feuchtigkeit trieft, in eine trockene Wüste, wo der Wind Sanddünen dahertreibt.“ 
Zahlenmäßig drückt sich der schroffe Luv- und Leegegensatz in den extremen Niederschlags 
mengen aus. Der Waialeale-Gipfel auf Kauai, in 1547 m Höhe, hat ein Jahresmittel des Niederschlages von 
11 843 mm. Höher klettern seihst nicht die Rekordmengen von Tscherrapundschi in Assam 47 . Major Dutton 48 
hat beobachtet, daß im Südwesten der hohen Insel Hawaii in einem schmalen Küstenstreifen von wechselnder 
Breite nie Regen fällt. Tiefer geht es nicht. Die Gegensätzlichkeit in der Regenmengenverteilung überspannt so 
auf dem kleinen Raum der Hawaii-Inseln den ganzen, bisher bekannten Mengenbereich der mittleren Jahresnieder 
schläge. — Die Samoa-Inseln, Fidschi-Inseln und Neukaledonien (Abb. 3, 4, 5) haben bei unbeständigem SO- 
Passat nur mäßige Luv- und Leege gensätze. Der Übergang von der Luv- zur Leeseite ist ge 
schwächt. Die höchsten Luvmengen auf den Gipfeln dieser Inseln sind noch nicht gemessen worden. Sie werden 
im Mittel auf den Samoa- und Fidschi-Inseln wahrscheinlich beträchtlich unter 10 000 mm und auf Neukaledonien 
sogar unter 5000 mm liegen. Die kleinsten Leemengen sind auf den Samoa-Inseln 1500 mm, auf den Fidschi-Inseln 
1000 mm und auf Neukaledonien 750 mm. — Auf der M onsuninsel Neuguinea (Abb. 2) sind gar keine 
Luv- und Lee.unterschiede vorhanden; denn die halbjährliche Umschaltung der Monsune hebt 
die räumliche Luv- und Leewirkung auf. 
Die eingeschränkte SO-Passathäufigkeit (SO, O) ergänzen auf den Samoa- und Fidschi-Inseln NO- und N- 
Winde, auf Neukaledonien SW- und W-Winde. Die NO- und N-Winde wehen aus niederen in höhere Breiten, und 
zwar vorwiegend im Südsommer, sind also ausgesprochene Feuchtwinde. Wie kommt es nun, daß diese Wind- 
drehung aufNO, N in den Niederschlagskarten der Samoa- und Fidschi-Inseln 
(Abb. 3, 4) nicht immer eindeutig und klar zu erkennen ist? Auf den Samoa-Inseln be 
44 Bei Beurteilung der Isohyetenführung beachte die Ausführungen auf Seite 10. 
45 Mini. Windhäufigk. f. d. Samoa-Inseln in O. Tetens und F. Linke, Das Klima v. Samoa; a. a. O., S. 103—106. 
46 W. Koppen, Grundriß; a. a. O., S. 296. 
47 C. E. P. Brooks, Abnormal Rainfalls; The Meteorological Magazine, Vol. 61, London 1927, S. 1. — Der Durchschnitts 
wert der vier genannten Jahresmittel von benachbarten Stationen im Khasia Gebirge [Tscherrapundschi (1220 m Höhe) 10 770 mm, 
Welsh Mission House (18 Jahre) 11220 mm, Shadwells House (12 Jahre) 11420 mm und Manoyuram (5 Jahre) 12 660 mm] beträgt 
11520 mm. Die älteren und höheren Daten des vorigen Jahrhunderts zu Tscherrapundschi werden als unverbürgt hingestellt. 
48 A. J. Henry, Hawaiian Rainfall; Monthly Weather Review, U. S. Department of Agriculture, Weather Bureau, Bd. 53, 
Washington 1925, S. 13.
	        
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