accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 56, 1936

22

Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  56.  Band,  Nr.  4

C.  Zusammenfassung.
Es  sollen  nun  zum  Schluß  die  Ergebnisse  der  Untersuchung  kurz  zusammengefaßt  werden.
1.  Die  Richtungssysteme.
Von  den  beiden  sich  rechtwinklig  kreuzenden  Richtungssystemen,  die  Steifen  nennt,  herrscht  die
la-Richtung  vor;  die  großen  meridionalen  Kanalsysteme  bestimmen  den  Charakter  dieses  Fjordgebietes,
wogegen  die  O—Wliche  Querrichtung  (Ib)  im  Gesamtbilde  zurücktritt.  Eine  Ausnahme  bildet  der
äußerste  Süden,  wo  jedoch  das  große  0—W-System  des  Beagle-Kanals  nicht  als  Quer-,  sondern  als  Längsstraße ­
  auftritt.  Stark  ausgeprägt  ist  auch  das  Diagonalsystem  (Ila  und  Ilb)  und  zwar  ist  vielfach  (Campana-Archipel)
  eine  Tendenz  zur  N—Slichen  Hauptrichtung  zu  beobachten.  Damit  hängt  zusammen,  daß
die  Durchkreuzung  der  Tiefenrinnen  oft  nicht  rechtwinklig,  sondern  unter  spitzem  Winkel  erfolgt.  (Das
Schema  der  von  Steffen  angegebenen  Richtungssysteme  reicht  also  nicht  immer  aus,  ist  aber  als  Einteilungsprinzip ­
  und  zum  Vergleich  der  einzelnen  Richtungen  gut  brauchbar.)
Der  Parallelismus  benachbarter  Kanäle  ist  fast  überall  zu  beobachten  und  tritt  in  den  Systemen
der  Zwillingskanäle  sowie  den  regelmäßigen  Nebenfjorden  mancher  Kanäle  (Fallos-Kanal,  Picton-Kanal)
besonders  deutlich  in  Erscheinung.  Hervorzuheben  ist,  daß  diese  parallelen  Nebenfjorde  sehr  oft  auch
ungefähr  gleichen  Abstand  voneinander  haben.
Sehr  kennzeichnend  für  das  Gebiet  ist  die  „Blockzerlegung“,  d.  h.  die  Aufteilung  in  große,  meist
rechteckige  Inselblöcke,  die  dann  durch  ein  Netz  von  verschieden  gerichteten  schmalen  Depressionslinien
weiter  zerlegt  werden.
Worin  liegt  dieses  Richtungssystem  mit  vorherrschend  meridionaler  Talbildung  begründet?
1.  Es  handelt  sich  im  südchilenischen  Gebiet  um  ein  jugendliches  Faltengebirge,  in  dem  auch  die
Talbildung  vorwiegend  parallel  zur  N—Slichen  Streichrichtung  erfolgte.  Einige  dieser  Längstäler  —  die
sich  auch  im  Innern  des  Gebirges,  besonders  in  der  Nähe  des  Ostrandes  („subandines“  Längstal)  vorfinden ­
  —  können  also  primär  angelegte  Synklinal-  oder  Isoklinaltäler  sein.
2.  Bei  späteren  epirogenetischen  Bewegungen  fand  dann  anscheinend  eine  Bruchbildung  statt,  und
zwar  hauptsächlich  parallel  zur  Küste  (wobei  vielleicht  die  primären  Längstäler  verbreitert  und  vertieft
wurden),  aber  auch  in  den  Diagonalrichtungen.
Diesen  Richtungen  folgte  das  präglaziale  Flußsystem,  das  die  Längstäler  sowie  die  vorwiegend
diagonal  verlaufenden  Quertäler  weiter  ausarbeitete,  bis  dann  die  diluvialen  und  postdiluvialen  Vorgänge
aus  den  Flußtälern  die  Fjorde  entstehen  ließen.
2.  Die  Längen-  und  Breitenverhältnisse.
Durch  die  geradlinige  Fortsetzung  einer  Richtung  auf  weite  Strecken  hin  entstehen  Kanalsysteme  von
großer  Länge.  Im  Verhältnis  zu  dieser  Längenausdehnung  bleibt  die  Breite  stets  nur  gering,  auch  in
den  großen  Kanalsystemen,  wo  in  einzelnen  Abschnitten  beträchtliche  Breiten  erreicht  werden  (Moraleda-Kanal,
  Messier-Kanal).  In  den  Nebenfjorden  beträgt  die  Breite  oft  nur  wenige  100  m.  Der  Parallelismus
der  Ufer  ist  in  diesen  engen  „Fjordspalten“  besonders  stark  ausgeprägt,  tritt  aber  auch  in  den  breiteren
Kanälen,  die  auf  weite  Strecken  hin  eine  konstante  Breite  zeigen,  deutlich  zutage.  Im  allgemeinen  läßt  sich
sagen,  daß  die  längeren  Kanal-  und  Fjordsysteme  größere  Breite  besitzen  als  die  kürzeren  Nebenfjorde,
doch  ist  ein  direkter  Zusammenhang  zwischen  Länge  und  Breite  nicht  nachweisbar.
3.  Die  Tiefen  Verhältnisse.
Die  Fjorde  und  Fjordkanäle  besitzen  einen  trogförmigen  Querschnitt  mit  flachem  Boden  und  steilen
untermeerischen  Uferabfällen,  die  stellenweise  Winkel  von  über  45°  erreichen.  Die  Tiefen  sind  meistens
groß,  wechseln  aber  stark,  so  daß  der  Längsschnitt  eine  unregelmäßige  Beckenform  (Becken  II.  Ordnung,
7,  S.  233)  aufweist.  Auch  bei  diesen  Becken  ist  ein  flacher  Boden  und  ein  steileres  Gefälle  an  den  Rändern
zu  beobachten  (vgl.  die  Längsprofile).  Die  Becken,  die  zum  Teil  Tiefen  von  über  1000  m  erreichen,  entsprechen ­
  den  Talseen  in  den  großen  Durchgangstälem  der  inneren  Kordilleren.  Sie  verdanken  ihre  Gestalt ­
  zweifellos  der  Wirkung  der  großen  diluvialen  Gletscher;  ob  dabei  auch  andere  Faktoren  (etwa  tektonische ­
  Bruchbildungen  oder  epirogenetische  Bodenbewegungen)  eine  Rolle  gespielt  haben,  läßt  sich  nicht
mit  Sicherheit  entscheiden  (vgl.  20,  S.  478).
Ein  Zusammenhang  von  Breite  und  Tiefe  in  den  Fjorden  ist  insofern  festzustellen,  als  die  breiten
Kanäle,  wenn  sie  inselfrei  sind,  auch  bedeutende  Tiefen  aufzeigen  (Messier-Kanal,  Magellanstraße  u.  a.).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.