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Full text: 56, 1936

Gerhard Isbary: Das Inselgebiet von Ameland bis Rottumeroog 
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Siedlung gehandelt haben, die unmittelbar am ehemaligen westlichen Innenrand der Binnendüne oder in dem ersten 
breiteren Dünental gelegen haben kann 50 . 
Drei Kilometer im ONO von Hollum liegt das Dorf Ballum, das ursprünglich auch ein Haufendorf ge 
wesen zu sein scheint. Aus einem unregelmäßigen, nördlichen Teil, der an den Verlauf der ehemaligen Binnen 
düne anschließt, zieht sich eine breite, prächtige, von alten Bäumen begleitete Straße nach S, an deren beiden 
Seiten die Häuser aufgereiht liegen. Ihre Anlage ist durch die Lage des Herrensitzes im S des Dorfes bedingt. 
Ein Nebenstück zur Lage Blieckes stellt die Lage des zu einem Teil bäuerlichen, zum größeren Teil aber 
ehemals von Schiffern und Fischern bewohnten Dorfes Nes in duinen dar. Dieser Name scheint bei der Betrach 
tung der gegenwärtigen Verhältnisse unverständlich. Nur bei der Wiederdeutlichmachung des Verlaufes der alten 
ßinnendüne wird es sichtbar, daß Nes in duinen in der Tat am Beginn des Längstales (der Haverpadsdelle) liegt, 
das sich zwischen der alten Binnendüne, die von der Mühle über dieMennonitenkapelle mit dem Scheitelpunkt des 
Kirchturmplatzes nach SO herumgezogen zu sein scheint, und dem kräftig gebildeten Dünenzug erstreckt, der vom 
Wäldchen am Heerenweg einige 100 m nordwestlich dem Haverpad bis zur Kreuzung mit ihm etwa parallel 
läuft. Auf ein derartiges Umbiegen der Binnendüne scheint der Flurname „Hooge Gronden“ zu deuten, der auf 
der Karte A. Hansums von 1841 (XIX) für das Gebiet östlich des Dorfes eingetragen ist. Die Lage des 
Dorfes in dieser großen Delle, die sich bei geeigneter Pflege zum Ackerbau eignet und den Vorteil eines natür 
lichen Schutzes gegen Überflutungen, die die Insel vor der Gesamtbedeichung häufig heimsuchten, und gegen 
Winde besitzt, erklärt auch die ganz unverhältnismäßig geringe Ausdehnung der Miede südlich und südwestlich 
des Dorfes. Die westlichen Sodendeiche der Gesamtmiede sind wahrscheinlich nur ein Abschluß der Delle zum 
Schutz des Dorfes vor Überflutungen von der offenen Seite im S her. Für die Anlage des bäuerlichen Dorfteiles 
nach NO in die Delle hinein spricht weiterhin, daß sich fast alle Bauern- und Kätnerhöfe des Dorfes im N des 
Dorfes befinden, während in der südsüdöstlichen Dorfhälfte die Schiffer- und Fischerhäuser bei weitem über 
wiegen. Die Lage des Dorfes Nes i. d. ist also durchaus mit der Lage des Schiffer- und Fischerdorfes West- 
terschelling zu vergleichen. Aus ihr kann geschlossen werden, daß Nes i. d. nach dem Slenk-Durchbruch an 
gelegt worden sein muß. Wahrscheinlich als Folge des Durchbruches ist der alte Dünenwall auf der Höhe von 
Nes, wo er Wind und Flut besonders ausgesetzt war, nach SO herumgebogen worden. 
Nes in Buren ist wieder ein rein bäuerliches Haufendorf, dicht an der Binnendüne angelegt. Der Name 
weist schon darauf hin, daß es als Ausbausiedlung von Nes in duinen entstand. Nach Houwinck 51 bildeten 
beide Dörfer bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts noch eine Markgenossenschaft. 1609 wurde zuerst die 
Außenweide der Leyen zwischen ihnen geteilt, 1627 auch die Miede (ihren Umfang s. Karte 12, T. 3). Aber noch 
bis 1706 waren beide Teile rechtlich nur zwei gesonderte Abteilungen derselben Mark. 
Swartenwolden (Suartawold), das 1558 noch genannt ist. lag südlich der Fntenkoje im 0 des Nesser Dünen 
komplexes. Über seine Anlage ist nichts bekannt. Noch erinnert der Flurname „Zwartewoude“ (Karte 8, T. 3) an das 
untergegangene Dorf. Wahrscheinlich ist auch die Buuregrie ein Rest des alten Dorfbesitzes, die nach einem 
Bericht von 1730 51 nicht zum gemeinschaftlichen Markbesitz in Buren gehörte, sondern von einzelnen Personen 
genutzt wurde. 1729 waren noch 29 Benutzer des Zwartewoudelandes in Buren. Erst später wurde es ganz mit 
Buren vereinigt. Daraus geht hervor, daß die Einwohner Swartenwoldens in Buren eine Zuflucht gefunden 
hatten und von dort aus den Rest ihrer Ländereien bearbeiteten. Bis ins 19. Jahrhundert hatte in Zwartewoude 
die mennonitische Vlaamsche Gemeente aus Nes i. d. Besitz 52 . Die Mennoniten fanden um 1550 Eingang auf der 
Insel. Es kann demnach das Dorf frühestens in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts untergegangen sein. 
Ein Teil der Einwohner, vermutlich die Protestantischen, nicht zum Klosterbesitz Gehörenden, scheint also auch 
nach Nes gezogen zu sein. Schließlich gab es im O Amelands noch zwei Siedlungen, Oerd (nach anderer Schreib 
weise Noort) und Oldhuys (auch Oosterhuisen). Oerd ist als Dorf zuletzt 1558 genannt. Eine Dorfstelle, 
wahrscheinlich das alte Oerd, ist nach dem Bericht aus dem Leeuwarder Courant 53 von 1835 nach der großen Flut 
des Jahres 1825 unter den von S her zerstörten Dünen des Oerdemer Komplexes zum Vorschein gekommen, wobei 
Reste von Häusern, Brunnen, eine Schmiede und Münzen aus dem 16. Jahrhundert gefunden wurden. Bei Ver 
gleichung der Karten von 1809 (XII) und 1927 (XXVII) kann es sich nur um die in Karte 17, T. 4 eingetragene 
Stelle handeln, wo 1933 in einem breiten Horizont 100—150 m südlich der heutigen HWL rote Klinker und gelbe 
Ziegel, Mauertrümmer und rot und grün glasierte Ziersteine in großer Anzahl lagen. Aus dem gleichen Material 
ist die kleine Hütte aufgebaut worden, das sogenannte „Oedemer huisje“, das im 18. Jahrhundert der Herrschaft als 
Jagdhütte und Robbenfängern, Schiffbrüchigen und Spaziergängern als Unterkunft diente. Es brannte 1768 ab. Prof, 
van B 1 o m grub vor einigen Jahren Fundamente eines kleinen Baues aus, vermutlich Reste der Jagdhütte. 
Daneben lag ein größerer Findling und ein Brunnen. Aus diesen Steinen haben in den letzten Jahren Hirten 
jungen auf dem südlichsten Dünenzug eine kleine Nothütte gebaut. Die Lage des anderen Ortes ist unbekannt. 
50 Vielleicht lassen sich die Namen „Bliecke“ und „Sier“ aus dem Friesischen erklären, was etwa einem englischen bleak— 
öde, kahl, rauh und sear—dürr, trocken entsprechen müßte. Möglich ist für „Bliecke“ auch eine Ableitung entspr. ahd. Bleih, nhd. 
bleich = pallidus. 
61 Nr. 55, S. 230 f. 
52 Proclamatieboek, Register van Koopbrieven z. B. vom 26. Oktober 1809: „het land liggende in de Buuren onder den 
Dorpe Nes in Zwartwoude, hebbende tot Naastleggers ten oosten de Flaamsche Gemeente“. 
63 Nr. 2.
	        
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