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Volltext : 55, 1936

Dr.  Joachim  Blüthgen:  Die  Eisverhältnisse  des  Bottnischen  Meerhusens

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Das  Gesamtbild  der  Vereisung  zeigt,  daß  vielfach  mehrere  Perioden  auftreten,  die  wieder  von  Zeiten  ohne
Eis  abgelöst  werden.  Nur  6  von  den  10  Wintern  zeigen  eine  ununterbrochene  Vereisung,  und  auch  hier  wurde
das  Eis  wiederholt  geschwächt  oder  zum  Treiben  gebracht,  bis  wieder  vor  dem  völligen  Abtreiben  neuer  Frost  einsetzte, ­
  der  die  Kontinuität  der  Vereisung  gewährleistete.  Ein  solcher  Winter  war  z.  B.  der  von  1925/26.  Nur  in
einem  Falle  gliederte  sich  die  Vereisung  in  drei  Perioden,  von  denen  die  späteste  zwar  nicht  die  längste,  aber  die
intensivste  war.  Es  trat  dies  im  Winter  1924/25  ein.  Die  zweite  Periode  beginnt  hier  eigenartigerweise  mit  Treibeis, ­
  das  durch  anhaltende  Föhnwinde  aus  Südwesten  in  Bewegung  gehalten  wurde.  Erst  Mitte  März,  nachdem  die
Gewässer  schon  wieder  eisfrei  waren,  setzt  stärkere  Festeisbildung  ein.  Im  großen  und  ganzen  ist  die  Eisdecke
meist  sehr  leicht  wieder  aufgebrochen  worden  und  folgte  ziemlich  genau  den  atmosphärischen  Veränderungen.  Die
letzten  drei  von  zehn  beobachteten  Wintern  waren  sehr  milde  und  setzten  spät  ein.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  daß  durchschnittlich  erst  Anfang  Januar  mit  einer  Vereisung  zu  rechnen  ist,
etwa  50  Tage  nach  der  ersten  Frostperiode  und  11  Tage  nach  der  ersten  eiswirksamen.  Der  Eisgang  folgt  bald
nach  Abschluß  der  letzten  in  die  Zeit  mit  Eisbedeckung  fallenden  Frostperiode,  nur  in  wenigen  Fällen  ist  dies
noch  nicht  die  absolut  letzte  Frostperiode.
2.  Die  Eisverhältnisse  von  Sandhamn  (Schären  von  Stockholm).
Sandhamn  liegt  auf  einer  Schäre  im  Schärenhof  östlich  von  Stockholm  auf  59°  17'  N.Br.  in  randlicher
Lage,  südöstlich  erstreckt  sich  die  offene  mittlere  Ostsee.  Weitere  Schären  sind  meerwärts  nicht  mehr  vorgelagert.
Diese  maritime  Lage  prägt  sich  in  den  Eisverhältnissen  derart  aus,  daß  eine  Mittelbildung  im  10jährigen  Zeitraum ­
  nicht  möglich  ist.
Die  Vereisung  zeigt  einen  ähnlichen  Charakter  wie  bei  Söderarm,  nur  daß  die  Eisperioden  noch  weit  mehr
reduziert  und  einige  Winter  eisfrei  sind,  die  in  Söderarm  noch  Eis  aufwiesen.  Treibeis  und  zusammengeschobenes
Eis  herrscht  vor.  Verglichen  mit  den  Frostperioden  Stockholms  ergibt  sich  trotz  der  Spärlichkeit  des  Auftretens
von  Eis  immerhin  noch  eine  Parallelität  mit  tiefen  Temperaturen,  die  schon  allein  durch  die  Parallelität  mit  den
Eisverhältnissen  von  Söderarm  gekennzeichnet  wird.  Eis  tritt  meist  erst  Ende  Februar  bis  Anfang  März  auf.  Die
Extreme  sind  der  12.  Januar  als  frühester  (1925/26)  und  der  10.  März  (1930/31)  als  spätester  Termin  des  Eisbeginns. ­
  Während  bei  Söderarm  der  Winter  1927/28  trotz  spärlicher  Eisbildung  im  ganzen  die  früheste  Eisbildung ­
  in  den  zehn  Jahren  aufwies,  fällt  dieser  Winter  bei  Sandhamn  gänzlich  aus.  Eisfrei  war  auch  der  Winter
1924/25.
Starkes  Festeis  fand  sich  nur  in  den  Wintern  1922/23  und  1923/24,  auch  nur  während  kurzer  Zeit  und
nicht  ununterbochen.  Diese  beiden  Winter  zeigen  auch  eine  Hauptvereisung,  wobei  der  Begriff  hier  mit  den
gleichen  Einschränkungen  gebraucht  werden  muß  wie  bei  Söderarm.  Sonst  überwiegt  Treibeis  bzw.  zusammengeschobenes ­
  Eis,  beides  ziemlich  gleichmäßig  verteilt  auf  tretend,  auch  leichtes  Festeis  kommt  vor.
Zum  Schluß  der  Vereisung  treten  dann  mit  bis  zu  26  Tagen  Abstand  gelegentlich  noch  einzelne  Tage  mit
Treibeis  oder  mit  losem  Eis  auf,  das  wohl  auch  auf  Treibeis  zurückzuführen  sein  dürfte.  Die  Extreme  des  Auftretens ­
  des  letzten  Eises  sind  der  9.  März  bzw.  der  10.  April.
3.  Die  Eisverhältnisse  von  Söderarm  (Älandsmeer).
Söderarm  Leuchtfeuer  liegt  nordöstlich  von  Stockholm  in  Richtung  auf  die  Älandsinseln  am  äußersten
Rande  des  Stockholmer  Schärenhofes  auf  dem  59°45'  N.  Br.  Entsprechend  dieser  freien  Lage  in  den  randlichen
Schären  sind  die  Eisverhältnisse  sehr  ungleichmäßige,  trotzdem  gestatten  sie  aber,  gewisse  Regelmäßigkeiten  im
großen  Gange  der  Vereisung  festzustellen,  was  z.  B.  bei  Grundkallen  vollends  unmöglich  war.
Der  Beginn  der  Vereisung  fällt  erst  in  den  Februar,  nur  in  zwei  Fällen  begann  die  Eisbildung  schon  im
Januar.  Entsprechend  dem  sehr  häufigen  Auftreten  von  Treibeis  finden  sich  nur  selten  längere  zusammenhängende
Eisperioden,  vielmehr  setzt  sich  der  Eiswinter  in  der  Regel  aus  mehreren  kleineren  Perioden  zusammen,  1927/28
waren  es  sogar  sieben.  Nur  selten  tritt  Festeis  auf.  Mit  einigen  Ausnahmen  besteht  eine  recht  klare  Abhängigkeit
des  Eisbeginns  von  den  Temperaturverhältnissen,  indem  kältere  Perioden  vor  dem  Januar  noch  nicht  wirksam  zu
werden  vermögen.
Es  ist  zwar  nicht  in  jedem  Winter  eine  besondere  Hauptvereisung  zu  erkennen,  aber  in  6  Wintern  kann  man
eine  solche  Unterscheidung  durchführen,  während  dies  bei  Grundkallen  nicht  der  Fall  war;  diese  Hauptvereisung
schließt  sich  an  die  jeweils  stärkste  Frostperiode  des  Januar  oder  Februar  an.  In  zwei  Wintern  (1926/27  und
1929/30)  wurde  gar  kein  Eis  gebildet,  während  der  an  vielen  nördlicheren  Stationen  dafür  eisfreie  Winter  1924/25
eine  allerdings  nur  drei  Tage  währende  Treibeisperiode  aufwies.  Entsprechend  der  seewärtigen  Lage  kann  diese
kurze  Eisperiode  mit  Treibeis  nicht  als  selbständige  Eisbildung  gewertet  werden,  obschon  sie  mit  einer  Frostzeit
zusammenfiel.  Vielmehr  ist  anzunehmen,  daß  Drifteis  aus  anderen  Gebieten  sich  nach  hier  verlagerte.  In  ähnlicher
Weise  hatte  auch  Grundkallen  in  demselben  Winter  eine  kurze,  aber  etwas  stärkere  „Vereisung“  zu  verzeichnen.
Der  Winter  1926/27,  der  an  den  nördlicheren  Stationen  noch  eine  mindestens  durchschnittliche  Dauer,  im
Alnösund  sogar  die  längste  der  dortigen  Winter  überhaupt,  besaß,  wies  in  Söderarm  keine  Eisbildung  auf.  Die
Ursache  liegt,  abgesehen  von  der  Lage  und  den  hydrographischen  Verhältnissen,  in  der  geringen  Intensität  der
Frostperioden.  Schon  bei  Gävle  ging  dieser  Winter  ohne  starke  Festeisbildung  aus,  wenngleich  er  durchschnittliche ­
  Länge  erreichte.  Stockholm  meldete  in  diesem  Winter  keine  Temperaturen  unter  —10°.
            
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