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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3 
Der Abschluß der Vereisung ist wesentlich geringeren Schwankungen unterworfen. Als mittlere Zeit des 
Eisganges kann Anfang April angenommen werden, die meisten Fälle gruppieren sich um diese Zeit mit nur wenig 
Tagen Schwankung, lediglich zwei sehr milde Winter (1926/27, 1929/30) hatten bereits den Eisgang in der ersten 
Hälfte des März. Für die nördliche und südliche Fahriinne nach Stockholm ergeben sich bisweilen Unterschiede, 
die jedoch lokal bedingt sind und keine feste Regel erkennen lassen. Durchschnittlich liegt der Eisgang 10 Tage 
nach der voraufgegangenen letzten Frostepoche, die jedoch nicht die absolut letzte Frostzeit zu sein braucht. Ver 
schiedene, meist sehr milde Winter (z. B. 1926/27), weisen noch einige Zeit nach Verschwinden des Eises Frost 
epochen auf, die trotz ihrer bis zu 14tägigen Dauer nicht mehr zur einer Eisbildung führten. Sogar bei strengeren 
Wintern kommt es vor, daß noch nach dem Eisgang Frostperioden eintreten, die dann aber nur ganz unbe 
deutend sind. 
Im Falle des milden Winters 1929/30 zeigt sich die auffällige Tatsache, daß der Eisgang bereits vor Schluß 
der letzten Frostepoche eintritt. Dies dürfte seine Ursache in zweierlei haben; einmal waren im Winter nur ver 
schwindend geringe Eismengen gebildet worden, so daß zum Schmelzen nur wenig zur Verfügung stand, — zum 
andern aber ist hier zu berücksichtigen, daß die Einstrahlungswärme am Tage aus den Temperaturkurven nicht 
ersichtlich ist, aber das Wasser bereits genügend erwärmt, um leichten Nachtfrost eisunwirksam zu lassen. 
Der Eisgang erfolgt durchschnittlich 9 Tage nach Aufhören der letzten in die Zeit mit Eisbedeckung fallen 
den Frostperiode und etwa 35 Tage nach der letzten strengen Frostperiode. Es ergibt sich, daß das allgemein be 
obachtete Nachhinken der Vereisung, wie es im Bottnischen Meerbusen so häufig ist, hier schon wesentlich weniger 
ausgesprochen ist. Der Eisgang tritt ebenso früh nach dem letzten Frost ein wie die Vereisung nach der ersten 
Frostperiode. Diese Gleichheit der Spanne zwischen Frcst und Eisgang bzw. Vereisung scheint für Stockholm 
charakteristisch zu sein, da sie sich fast in jedem Winter beobachten läßt. Wo in den Diagrammen scheinbar Aus 
nahmen bestehen, handelt es sich meistens um Treibeis, dessen längeres Auftreten die Spanne vergrößert, jedoch 
ist diese Verlängerung oft nicht eine Folge starker Eismengen des vorangegangenen Winters, sondern die längere 
Dauer hängt dann vielfach von lokalen Ursachen ab, wie Richtung des Windes, Strömungen usw. — So wurde der 
Eisgang im Winter 1923/24 durch starke Südwinde, die auch zum Teil aus Südosten kamen, bis Mitte April hinaus 
geschoben. Erst das Auftreten frischer nordwestlicher Winde am 25. April brachte sofort das Treibeis zum Ver 
schwinden. Wären hier also die Südwinde ausgeblieben, und hätten statt derer Westwinde geweht, so wäre der 
Eisgang sicherlich schon wesentlich eher eingetreten. 
Umgekehrt zeigt der Winter 1927/28 einen sehr späten Eisgang, der nicht solchen lokalen Einflüssen allein 
wie die Richtung der Küste im Verhältnis zur Windrichtung seine Ursache verdankt. Hier läßt sich feststellen, 
daß auch der Schneefall eine Bedeutung für die Vereisung gewinnen kann. Im März 1928 herrschte in Mittel 
schweden meist Hochdruckwetter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und schwacher bis mäßiger Luftbewe 
gung, die Mitte März aus südlichen Richtungen kam. Diese Föhnwetterlage hielt an. Die Temperaturen stiegen 
dabei schließlich etwas über 0°, das Eis wurde schwächer, Ende März wird nur leichtes Festeis gemeldet. Am 
29. März trifft ein schwacher Kaltluftvorstoß aus Nordosten mit Temperaturen von 0° und Schneefällen ein. 
Diese Schneefälle haben sicher dazu beigetragen, daß die Eisdecke sich noch lange halten konnte, und daß auch 
das inzwischen auftretende Treibeis nicht zum endgültigen Eisgang führte. Die Hochdruckwetterlage stellte sich 
rasch in der alten Form wieder her, erst mit Ostwinden bzw. Windstillen, dann mit föhnigen Südwinden. Die 
Temperatur lag meist über dem Nullpunkt, gelegentlich aber auch darunter; dies hat zur Verzögerung des Eis 
ganges geführt, sogar das Treibeis kam wieder fest. 
Die Eisbildung beginnt in der Regel mit leichtem Festeis, das sich an Ort und Stelle gebildet hat, strenge 
Frostperioden führen entsprechend zur Bildung starken Festeises (Winter 1923/24). — Der Eisgang schloß in 7 
von 10 Wintern mit Treibeis von gelegentlich sogar langer Dauer (1925/26 volle 27 Tage!). Nur in drei Fällen 
schwächte sich das Eis allmählich ab bis zur völligen Schmelze. In besonders milden Wintern, die nur zur Bil 
dung leichten Festeises führten, läßt sich das feststellen (z. B. 1926/27 und 1929/30). Die Wetterlage, namentlich 
Windrichtung und -stärke, dürfte jedoch ausschlaggebend sein. Ruhiges Hochdruckwetter mit Temperaturen über 
0° und schwacher Luftbewegung aus südwestlichen Richtungen bedingte in den genannten milden Wintern das 
Abschmelzen des Eises ohne Auftreten von Treibeis. Die lange Zeit des Eistreibens im Winter 1925/26 war da 
durch bedingt, daß noch während der letzten Frostperiode am 15. März durch anhaltend starke nordwestliche, 
also ablandige Winde, die Eisdecke zerbrochen wurde und das Eis zu treiben begann. Jedoch verhinderte die noch 
nicht über Null gestiegene Temperatur zunächst ein Abschmelzen, dies konnte erst Ende März hinzukommen. 
Nordwinde Ende März und Südostwinde Anfang April hielten das Eis zwar in Bewegung, konnten es aber nicht 
wegführen, so daß erst am 12. April, also 27 Tage nach Beginn des Eistreibens, die Fahrwässer frei wurden. 
Der Verlauf der Vereisung zeigt wiederholt den Einfluß besonders unruhiger Wetterlagen, die das Festeis 
in Bewegung bringen konnten und zu Packeis oder Treibeis führten. So bedingte eine Föhnwetterlage Anfang De 
zember 1925/26 die Bildung von Packeis und zusammengeschobenen Eismassen, erst die folgende sehr strenge 
Frostperiode bildete bei ruhigem Wetter Festeis. Südweslwinde am 16. Januar führten vorübergehend zur Bildung 
von Treibeis. Mitte Februar wird Packeis gemeldet, bei wechselnden Winden aus Nord, später Südwest, dann 
Ost. Es zeigt sich in diesem veränderlichen Winter, daß die Eisdecke gegenüber gar nicht einmal starken Winden 
schon nicht sehr widerstandsfähig war und leicht aufbrach.
	        
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