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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
In der vorliegenden Arbeit wurde bei der diagrammatischen Darstellung der Eisverhältnisse der Übersicht
lichkeit halber eine stark vereinfachte Einteilung gewählt: leichtes Festeis oder loses Eis, — starkes Festeis, —
zusammengeschobenes Eis, — Packeis und Eispressung, — Treibeis und Eistreiben. Eine Abstufung der Stärke
nach wurde beim Treibeis nicht vorgenommen, denn dieses rekrutiert sich ja fast ausschließlich aus dem zuvor
gebildeten Fest- oder Packeis, so daß es hier genügt, das Treiben als solches festzustellen. Für die Schwere
eines Eiswinters ausschlaggebender ist die Stärke des Fest- oder Packeises, das nicht in Bewegung geraten ist, des
halb wurde dies stets getrennt verzeichnet:
Der Entstehung und Stärke nach ergeben sich also folgende Begriffsreihen:
I. 1. Eisbrei
oder III. 1. Treibeis
2. loses Eis
2. zusammengeschobenes Eis
3. leichtes
F e s t e i s
3. Packeis
4. starkes
F e s t e i s
4. Eispressungen
oder II. 1. Eisbrei
2. loses Eis
3. (strichweises Treibeis)
4. Treibeis
5. Eistreiben
6. schweres Eistreiben
Reihe III kann sich entweder auf der I. oder II. Reihe aufbauen, kann also mit leichtem Festeis beginnen, oder
mit selbständig gebildetem Treibeis, oder mit Treibeis, das aus Reihe I hervorgegangen ist. Reihe II kann also
ohne selbständige Bildung mit Treibeis sich an Reihe I 3. anschließen und natürlich auch an Reihe III 2.—4.
Nur selten wird Treibeis selbständig unter Überspringen des Eisbreistadiums einsetzen, es ist dies dann nur als
Siggeis möglich, das an der Grenze zweier verschieden temperierter und verschieden salzhaltiger Wasserschichten
entsteht und in Schollen emporsteigt. Für den Bottnischen Meerbusen fehlen jedoch diese Voraussetzungen mei
stens völlig, von einigen Ausnahmen abgesehen.
Bei einer bestimmten Windrichtung und -stärke wird der Verlauf der Küste bzw. des Eisrandes entscheiden,
ob es zur Bildung von Treibeis oder Packeis kommt, während die Lage zum Meere in der Regel zunächst ent
scheidet, ob sich leichtes oder starkes Festeis bildet neben der grundlegenden Frage der Dauer der Frostwirkung.
Packeiswälle entstehen nicht allein an der Küste, auch nicht allein an Inseln, sondern auch über Un
tiefen, die gerade in der nördlichen Ostsee verbreitet sind. In der Hauptsache aber muß der Rand des alljähr
lichen Festeisgürtels längs der finnischen und auch schwedischen Küste als Entstehungsort für Packeiswälle und
Eispressungen betrachtet werden.
Auf den Typus der Eisentstehung und Ausbreitung und die daraus resultierenden Eisarten, wie sie Arnold-
Alabieff (Ann. 1925) aufstellt, sei an anderer Stelle eingegangen.
Im folgenden müssen noch einige Bemerkungen über die zeitlichen Begriffe der Eisverhältnisse gemacht
werden. Hellström (1922—23) unterscheidet zunächst: isläggning = Erscheinen von Eis auf der Wasseroberfläche,
isbildning = Gefriervorgang, islossning = Verschwinden der Eisdecke. „Isläggning“ stimmt mit der „Vereisungs
periode“ von H. Karsten (1911) überein. Da sich bei entsprechenden Temperaturen stets neues Eis bildet und
auch rein mechanisch stets neues Eis erscheinen kann, kann also eine enge zeitliche Begrenzung dieses Begriffes
nicht gegeben werden. In der vorliegenden Arbeit wurde unter Vereisung darum die gesamte Zeit, während der
sich Eis gezeigt hat, verstanden, unter Eisperiode dagegen, entgegen der Definition Hellströms, nur eine konti
nuierliche Eisbedeckung, die ja an sich mehrfach innerhalb eines Winters auftreten und wieder abgebrochen
werden kann. Hellström verstand unter „isperiod“ die Zeit zwischen „isläggningsdagen“ und „islossningsdagen“.
Um nun vorläufige oder nachträgliche Eisperioden von der Hauptvereisung systematisch unterscheiden zu können,
stellte er für den Begriff der „period av vintern med mera betydande ismängd“ die Bezeichnung „reducerade is
period“ auf, die in der vorliegenden Arbeit mit dem Begriff „Hauptvereisung“ identisch ist. Letztere Bezeichnung
findet sich denn auch in deutschen und finnischen Publikationen. Der hier für die gesamte Zeit einschließlich des
Beginns gebrauchte Name „Vereisung“ entspricht dem Wortgebrauch bei Witting (1912).
Das Verschwinden des Eises, bei Hellström „islossning“, wird in der vorliegenden Arbeit als Eisgang be
zeichnet, -was ziemlich einheitlich der Fall ist bei allen Publikationen. Auch dessen Gliederung dürfte kaum
Zweifel hinsichtlich der Begriffsfestlegung aufkommen lassen. Entsprechend der Gliederung Hellströms unter
scheidet man hierbei drei Phasen:
1. Aufbruch = isen kommer i röselse
(dem meist eine Schwächung durch Sonneneinstrahlung vorangeht)
2. Zerfall und Zerkleinerung = isen förminskas avsevärd
3. Verschwinden des Eises = isen försvinner.
Während der thermische Einfluß vielfach schon dem Eisgang voraufgeht und diesen vorbereitet, bringt der mecha
nische Einfluß durch den Aufbruch den augenfälligen Beginn des Eisganges, der in der Folge durch beide Ein-