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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
dann die Temperatur durchschnittlich wieder den Juniwert. Das Minimum liegt im Februar und März und ist
dadurch gekennzeichnet, daß es sich auf einen größeren Zeitraum erstreckt. So wurde im Wasser an der Ober
fläche im Winter 1930/31 vom 12. Februar bis zum 21. April 0° gemessen. Die Erniedrigung auf den Gefrier
punkt oder in dessen Nähe im Frühjahr, und das Anhalten der tiefen Temperatur bis in den Frühsommer ist
ohne Zweifel die Folge mehr oder weniger langer Eisbedeckung. Die Wärme der Sonneneinstrahlung wird auf den
Schmelzprozeß verbraucht, und solange noch Eis schmilzt, wird die Wärme des Wassers niedrig gehalten. Eine
Unterkühlung des Wassers tritt ebenfalls auf. So wurden noch am 21. April 1923 —0,3° festgestellt bei einem
gleichzeitigen Salzgehalt von 2,58%o. Im allgemeinen unterschreitet die Temperatur des Winter-Frühjahrs den Ge
frierpunkt selten und dann höchstens um 0,2°, tiefere Temperaturen als —0,3° sind nie gemessen worden.
Im Sommer ist die Wärmeschwankung zwischen mehreren Tagen an der Oberfläche verhältnismäßig groß,
so daß es gelegentlich zum Auftreten verschiedener Maxima kommt. Im Winter vollzieht sich Ab- und Anstieg
der Temperatur wesentlich gleichmäßiger, nur selten treten sekundäre Minima auf. Dieses Verhalten ist auf die
ausgleichende Wirkung der Eisbildung bzw. Eisschmelze zurückzuführen, eine Unterkühlung in größerem Um
fange ist nicht möglich, dann setzt Eisbildung ein; im Frühjahr ist dann zunächst eine Erwärmung verhin
dert, denn dann setzt Eis schmelze ein. welche die Wassertemperatur niedrig hält (wenige Zehntel Grad über
Null).
Von Anfang Mai an, in eisarmen Wintern schon im April, beginnt der Anstieg der Temperatur, der ziem
lich steil, aber nicht ohne Rückschläge erfolgt. Der Abstieg erfolgt langsamer, wie oben schon angedeutet. Der
Nullpunkt wird in einer Zeit erreicht, die jedes Jahr erheblich vom Vorjahre abweicht, während, wie schon er
wähnt, der Anstieg ziemlich regelmäßig einsetzt.
Nach der Wassertemperatur waren folgende Sommer besonders warm: 1924, 1926 (keine hohe, aber sehr
späte Wärme), auch 1925 war ziemlich warm, während 1923 bereits Mitte August 10° unterschritten wurden. 1928
erreichte die Mittsommerwärme zwar keine sehr hohen Werte, aber durch das Anhalten und langsame Abfallen
wurde das Defizit zu einem Teile wieder ausgeglichen, es besteht eine Parallelität zwischen 1926 und 1928 in
bezug auf den Gang der Sommertemperatur. Auch 1929 war der Sommer an sich nicht sehr warm, aber lang an
haltend, noch im Januar 1930 war der Nullpunkt nicht erreicht.
Wenn auch die Sommertemperatur nicht ausschlaggebend für die Eisverhältnisse des folgenden Winters ist,
so wird sich ihr Einfluß doch bemerkbar machen. Ein Vergleich der Eiswinter und der vorangegangenen Sommer
ergibt, daß auf die als warm bezeichneten Sommer 1924 und 1929 auch kurze Eiswinter folgten, nämlich die all
gemein mild verlaufenen Eiswinter 1924/25 und 1929/30. Im ersteren Falle war es die hohe Wärme im eigent
lichen Sommer, die erst allmählich wieder im Herbst vom Wasser abgegeben wurde, im anderen Falle das An
halten milder Witterung bis in den Winter hinein. Daß die Temperaturen zu Beginn des "Winters 1924/25 durch
aus unter normalen Bedingungen zu einer Eisbildung hätten führen können, geht aus der Kurve der Lufttemperatur
von Haparanda hervor: Ende November — Anfang Dezember 1924 sank das Thermometer erheblich unter Null,
erreichte sogar —26°. Allerdings fehlte die Dauerwirkung des Frostes, da öfters Einbrüche warmfeuchter Luft
massen im Laufe des Winters den Frost unterbrachen.
Die Verhältnisse bei Ulkokalla ähneln denen des soeben besprochenen Marjaniemi. Die Sommertempera
turen erreichen im Durchschnitt ebenso hohe Werte. Als Mittel des Maximums ergab sich 17,3°, das durchschnitt
lich Ende Juli liegt. Der Anstieg beginnt im Mai, und um die Jahreswende wird der Nullpunkt wieder erreicht.
1924 vereinigte sich hohe Wärme zu Beginn mit langer Dauer, es folgte ein eisarmer Winter, dagegen war der
Sommer 1929 ziemlich kühl, die Temperatur erreichte aber den Nullpunkt trotzdem erst sehr spät. Im wesent
lichen also die gleichen Verhältnisse wie bei Marjaniemi. Besonders kühl waren die Sommer 1923 (im August
bereits nur 8° Wärme), 1928 und 1930. Auf den Sommer 1923 folgte der sehr strenge und lange Winter 1923/24
mit ungünstigen Eisverhältnissen. Auch die Winter 1928/29 und 1930/31 zeichneten sich durch ziemliche Strenge
aus, so daß die Annahme berechtigt ist, hier die niedrige Wärme der vorangegangenen Sommer als mitbegün
stigenden Faktor festzustellen.
Auch bei den Temperaturmessungen bei Valsörarna, den westlichsten der finnischen Inseln im Nordkvark,
kommt man zu ähnlichen Resultaten. Die Sommertemperatur erreicht zwar etwas höhere Werte als bei Ulkokalla.
aber im allgemeinen verläuft die Temperaturkurve der von Ulkokalla parallel. Kühl waren die Sommer 1923
(Maximum 13°) und 1928. 1929 war die Wärme nicht hoch, dehnte sich aber bis in den Winter aus, so daß
trotzdem ein eisarmer Winter folgte. Sehr warm war dann wieder der Sommer 1924, der sich auch lange in den
Herbst ausdehnte. Die an sich ebenfalls hohe Wärme des Sommers 1925 fiel zum Herbst hin sehr rasch ab, so daß
der folgende Winter recht streng wurde, da schon im November das Wasser auf 0° abgekühlt wurde. Der Anstieg
der Temperatur, der auch hier fast stets im Mai beginnt, ist steiler als der Abstieg, wie auch bei den anderen
Stationen. Der Nullpunkt wird erst wieder frühestens Ende November erreicht, während das Maximum Ende Juli
bis Anfang August erwartet werden kann. Im Gang der Temperatur zeigt sich somit hier die auch bei den übrigen
Stationen beobachtete Asymmetrie der Kurve, die im wesentlichen dadurch bedingt wird, daß die Eismengen in
folge des Schmelzens die Wassertemperatur besonders lange niedrig halten. Die Kurve der Lufttemperatur zeigt
einen viel symmetrischeren Verlauf, wenngleich der Anstieg auch hier ein wenig steiler verläuft als der Abstieg.
Norrskär zeigt etwas wärmere Temperaturen als Valsörarna, das Maximum überschreitet hier erstmalig in
einzelnen Sommern 20°, erreicht wird es Ende Juli bis Anfang August. Auch hier ist der Anstieg steiler als der