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Full text: 55, 1936

Dr. Joachim Blüthgen: Die Eis Verhältnisse des Bottnischen Meerbusens 
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während das östliche Schärenmeer zwar flach ist, meist um 20 m, aber im Skiftet und Delet einige erheblich ver 
tiefte Rinnen aufweist, so daß im ganzen die Tiefenverhältnisse recht unregelmäßig sind. 
Die Meeresströmungen ergeben nach Willing folgendes Bild: Im Herbst (auch schon im Sommer) 
strömt an der Oberfläche Ostseewasser durch das Schärenmeer und auch an der Westküste von Aland vorbei nach 
Norden, der finnischen Küste folgend. Im Bereich der Bottensee bilden sich zwei Strudelsysteme aus, indem von 
dem nordwärts gehenden Strom sich je auf dem 61. und 63. Breitengrad ein Zweig nach Westen abspaltet und 
dem auswärtsgehenden Strom an der schwedischen Küste beimischt; dieser auswärtsgehende Strom, der das Wasser 
aus dem Norden wegführt, vermischt sich seinerseits im Bereich dieser zwei Strudel, namentlich in dem deut 
licher ausgeprägten nördlichen, mit dem nordwärts gerichteten Strom. Durch den Nordkvark strömt das Wasser 
der Bottensee, das also nicht mehr reines Ostseewasser ist, an der finnischen Seite nach Norden. Im nördlichen 
Becken biegt der Strom, der hier schon recht schwach ist, nach W und SW um, um an der schwedischen Seite als 
ausgehender Strom nach S zu fließen, wiederum durch den Nordkvark und die Bottensee (dazwischen befinden 
sich die Mischgebiete) und schließlich an der schwedischen Küste entlang durch die Älandsrinne. 
Im Frühjahr liegen die Verhältnisse insofern anders, als hier ein nordwärts gehender Oberflächenstrom 
nicht mehr existiert, sondern auf der ganzen Seebreite ein südwärts gehender Wassertransport stattfindet, lediglich 
der Tiefenstrom behält seine Richtung bei, er strömt im ganzen Jahre durch Alands- und Schärenmeer in die 
Bottensee, folgt der östlichen Rinne ins Becken von Härnösand, zweigt hier z. T. auf die südliche 50-m-PIatte ab, 
geht aber größtenteils in die Bottenwiek. Im Bereiche der Bottenwiek ist er aufsteigend, desgleichen im Bereich 
der eben erwähnten 50-m-Platte südlich Härnösand. 
Die Geschwindigkeit der Strömung ist im Sommer und Herbst am größten, namentlich aber verstärkt sie 
sich in den schmalen Meeresdurchlässen, die Bottenwiek, Bottensee und Ostsee verbinden. Im Nordkvark kann 
die Strömungsgeschwindigkeit 7 km in der Stunde erreichen. 
Bei der qualitativen Zusammensetzung des Wassers spielt das Süßwasser eine große Rolle. Witting hat 
berechnet, daß bei einem geschätzten mittleren monatlichen Niederschlag von 250 mm in der Bottenwiek und 
350 mm in der Bottensee unter Berücksichtigung der Verdunstung von 20%, ferner bei einer Zufuhr von 135 ebkm 
Flußwasser, etwa 1 / 40 der gesamten Wassermenge des Bottnischen Meerbusens Süßwasser ist. Bei einer Fläche 
von 36 500 qkm für die Bottenwiek und 66 900 qkm für die Bottensee ergeben sich nach Witting eine Gesamt 
wassermenge von 1800 ebkm, bzw. 5000 ebkm, also zusammen besitzt der Bottnische Meerbusen eine Fläche von 
103 400 qkm mit 6800 ebkm Wasser. Dagegen ist das Einzugsgebiet (vgl. Abb. 2) 448 000 qkm groß; dessen 
Durchschnittsniederschlag wird zu 450 mm angegeben. Auf dem Wege zum Meer geben die Flüsse etwa ein Drittel 
durch Verdunstung wieder ab, so daß der Landniederschlag die oben erwähnte Süßwasserzufuhr von 135 ebkm 
bedingt, dazu kommt die Seeniederschlagszufuhr mit zusammen 26 ebkm. 
Die Süßwasserzufuhr zusammen mit den Strömungsverhältnissen bedingen in großen Zügen auch die Salz- 
f ehaltsverteilung. Der Salzgehalt nimmt von Norden nach Süden, und von Osten nach Westen ab. Südlich der 
landsinseln verläuft die Isohaline von 6%o, die sich am Boden noch bis in die Bottensee erstreckt. An der Ober 
fläche erreicht die 5%o Isohaline den Nordkvark, um an der schwedischen Küste sich stark nach S auszubuchten, 
am meisten im Frühjahr und Sommer. Die Bottenwiek weist auf dem Boden einen durchschnittlichen Salzgehalt 
von 4%o auf, an der Oberfläche im Süden noch 4%o, im Norden jedoch schwankend: im Frühjahr abnehmend bis 
0,15%# an der nördlichen Küste, im Sommer abnehmend bis knapp 3%o und im Herbst bis 3%o in den nördlichen 
Teilen. 
c) Die Wassertemperatur an einigen Stationen des Bottnischen Meerbusens 
Über die Temperaturverhältnisse des Bottnischen Meerbusens existieren finnische Beobachtungen, die an 
finnischen Feuerschiffen und Ganzjahresstationen gemacht wurden, namentlich letztere lassen sich zu Rück 
schlüssen auf den Gang der Vereisung verwenden. Leider waren nur einige Jahrgänge veröffentlicht. In dem in 
Frage kommenden Zeitraum fehlten die Jahrgänge 1921/22 und 1922/23 sowie 1924/25 und 1925/26. Das Material 
ist darum nicht besonders gut geeignet, sichere Beziehungen aufzustellen. Schwedische Beobachtungen waren mir 
nicht zugänglich. 
Von den Stationen, die das ganze Jahr über beobachten und messen, sind die am weitesten meerwärts ge 
legenen vorzuziehen, da bei diesen die Einflüsse des Landes und damit vor allen Dingen der Süßwasserzufuhr 
ziemlich ausgeschaltet sind. Die Lage der Stationen mag durch folgende Ziffern gekennzeichnet sein: Marjaniemi, 
am weitesten nördlich, bei 65°2' NBr 24°34' EL — Ulkokalla, weiter südwärts, bei 64°20' NBr 23°34' EL — Vals- 
örarna, im Ostkvark, bei 63°25' NBr 21°4' EL — Norrskär, südwestlich des Ostkvark in der Bottensee, bei 
63° 14' NBr 20°36' EL — Märket, zwischen Schweden und den Älandsinseln im Südkvark, bei 60°18' NBr 19°8' 
EL. Über die Lage der Stationen gibt ferner noch die Karte Aufschluß. Von den Stationen Ulkokalla und Märket 
liegen auch Beobachtungen aus dem Zeitraum 1914—1918 vor, als infolge des Krieges keine anderen Stationen 
Messungen Vornahmen und als auch derartige Messungen nicht veröffentlicht werden konnten. 
Zunächst seien die Temperaturen von Marjaniemi (vgl. Abb. 3) besprochen. Das Maximum liegt an der 
Meeresoberfläche zwischen Mitte Juli und Mitte August, durchschnittlich beträgt die Wärme hier 17,5°, während 
noch im Juni maximal nur 14°, meist nur 8° Mitte des Monats gemessen wurden. Erst Ende November erreicht
	        
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