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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 55. Bd., Nr. 2
Wählt man statt des Äquators der Seekarte den Meridian als Grundkreis, so nennen
Kartographen und Geographen den Netzentwurf „transversal“. Wählt man einen Haupt*
kreis durch p (d. i. den ersten Scheitelkreis) als Grundkreis, so erhält man einen schief*
achsigen winkeltreuen Zylinderentwurf, der in der Vermessung „querachsige Koordinaten“
genannt wird.
In der Merkatorkarte (Seekarte) werden auch zwei Breitenkreise längentreu abgebildet.
Diese Tatsache tritt dort nicht in Erscheinung, da der zweite Kreis meist nicht in der
Fig. 29.
Karte liegt. Die Fliegerkarten von Europa nach Amerika, die in einem schiefachsigen
Entwurf dargestellt sind, könnte man durch Einführung zweier längentreuer Parallelkreise
maßstabsgetreuer machen. Wählt man einen Meridian als Grundkreis, so kann man die
Polarzone von (p = 80° bis 90° praktisch längentreu darstellen.
Krüger empfiehlt auch für die Gauß*Krügerschen Netze den Maßstab im Meridian zu
verkleinern, also zwei Kreise, parallel zum Meridian, längentreu abzubilden, wodurch bei
Vermessungen die Längenreduktionen auf ein Minimum beschränkt werden; s. Jordan,
Handbuch der Vermessungskunde, 3. Teil, 1923, S. 508. Da diese Vorteile nur von einer
zenitalen Karte geboten werden können, herrscht in der Seekarte im Pol keine Winkel*
treue. Nach Maurer ist aber die Winkel treue nur scheinbar gestört 1 ).
*) H. Maurer zählt die Karten mit zwei längentreuen Parallelkreisen mit besonderer Nummer auf.
Folgerichtig hätte er auch jeder azimutalen Karte mit längentreuem Parallelkreis eine Sondernummer geben
müssen, da sie aus der gewöhnlichen Karte durch Maßstabsänderung gewonnen wird. Ebene Kugelbilder,
Petermanns Mitteilungen, Ergz.sHeft Nr. 221, 1935.