Dr. Erich Goedecke: Der Kalkgehalt im Oberilächenwasser der Unterelbe und Deutschen Bucht
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Meerwassers verursacht. Auf Grund der natürlichen Wasserbewegungen in der Bucht 49 wird dieses Mischwasser
gebiet vom offenen Meer mit Planktonten gespeist. Diese sind zum Teil ihrerseits in dieser Zone dem Untergange
geweiht, so daß auch von dieser Seite lebensnotwendige Baustoffe herangeführt werden, die Wucherungen bestimm
ter Planktonorganismen ermöglichen. Die Erhaltung dieses Mischwassergebietes geschieht also von zwei Seiten. Da
hier eine intensive Durchdringung von biologischen und hydrographisch-chemischen Erscheinungen vor sich geht,
erreichen gewisse Faktoren wie Kalk- oder Phosphatgehalt ihre extremen Werte. Die geographische Verteilung
beider hydrographischen Elemente stimmt sehr gut überein 50 . Mit der Verteilung des AA und des Phosphatgehalts
stimmt wieder diejenige der Planktongemeinschaften (Figur 26) überein. Überall dort, wo sich die Grenzen und
die Gebiete der verschiedenen Planktonarten überschneiden, findet man sowohl eine Erhöhung des Kalkgehaltes im
allgemeinen als auch des AA (u _ f) und des Phosphatgehaltes im besonderen.
Sehr gut ist auf allen drei Karten (vgl. 23, 26 und diejenige über die Phosphatgehaltsverteilung) das Ein
dringen des Wassers der nördlichen Nordsee [4] zu erkennen, welches eine eigene Planktongemeinschaft hat und
sich in hydrographischer Hinsicht dadurch auszeichnet, daß es verhältnismäßig kalk- und phosphatarm ist. Man
kann annehmen, daß dieses nördliche Wasser zum Teil das mit nährstoffarmem Ostseewasser gemischte Bank
wasser aus dem Skagerrak ist. Diese Vermutung wurde schon früher von Z o r e 1 1 auf Grund seiner abgeleiteten
mittleren A/S-Beziehung für das Gebiet der östlichen Nordsee ausgesprochen, weil der Alkalinitätskoeffizient des
35%oigen Wassers dieser Gegend niedriger errechnet wurde als der von Schulz für das gleichsalzige Wasser
der mittleren und südlichen Nordsee (siehe Seite 6).
Bei weiterem Vergleich zwischen Kalkgehalt und Planktonverbreitung sollen einige Angaben des Biologen 51
berücksichtigt werden, die dem ausführlichen Bericht seiner auf der gleichen Fahrt (Deutsche Bucht 1933) ge
wonnenen Ergebnisse über das Oberflächenplankton entnommen sind. Denn für das Verständnis der an den ein
zelnen Untersuchungspunkten gefundenen Kalkwerte wird es in hervorragendem Maße von Bedeutung sein, zu
wissen, welche Organismen im Wasser der Untersuchungsstelle leben, insbesondere, welche von diesen Organismen
einen hohen Kalkgehalt haben, so daß sie durch ihren Zerfall den Kalkgehalt der Wasserprobe zu beeinflussen im
stande sind. Dazu sind noch einige allgemeine Angaben vorauszuschicken.
Es wäre wünschenswert gewesen, für die einzelnen Untersuchungspunkte die Anzahl der in einer bestimm
ten Wassermasse vorhandenen Planktonorganismen zu kennen, um daraus die Masse der lebenden Substanz
schätzen zu können, deren Kalkgehalt nach ihrem Zerfall den Kalkgehalt des Wassers erhöhen kann. Da aber
Zählungen der Organismen nicht ausgeführt wurden, muß auf eine exakte Berechnung verzichtet werden. Das ist
um so bedauerlicher, als wir bisher keine Vorstellung davon haben, in welcher Größenordnung sich der Kalkgehalt
des Gesamtplanktons im Verhältnis zu dem des umgebenden Mediums bewegt. So können hier nur allgemein die
Angaben des Biologen Platz finden, der durch Untersuchung der Oberflächenplanktonproben nur ziemlich rohe
Anhaltspunkte über die Häufigkeit und Art der Planktonorganismen gewonnen hat; ja, diese Angaben müssen um
so eher genügen, als wir überhaupt über die Höhe des Kalkgehaltes einzelner Planktongruppen selbst oder eines
Planktongemisches noch sehr mangelhaft orientiert sind.
Allgemein sei vorausgeschickt, daß auf der Fahrt (Deutsche Bucht, 1933) Organismen, bei denen ein
größerer Kalkgehalt anzunehmen ist, — abgesehen von besonderen, enger umgrenzten Gebieten — selten waren.
Die Aufzählung der in Frage kommenden Formen wird im folgenden wiedergegeben.
Fünf große Formen von tierischem und pflanzlichem Plankton müssen wir unterscheiden, die zweifellos den
Kalkgehalt des Oberflächenwassers wesentlich beeinflussen können:
1. Foraminiferen: Schwebende Formen wie „Globigerina“ kommen in der Deutschen Bucht nicht
vor, sondern nur Bodenformen. Diese Formen trifft man im Plankton freischwebend nur dort, wo sie mit viel
Detritus, sandigen Bodenbestandteilen usw. aufgewirbelt werden, also in erster Linie im Küstenwasser der nord
friesischen Küste, im Bereich des Elbwassers, gelegentlich auch noch dort, wo die Reste des Kanalwassers nach
zuweisen sind, ferner etwa von der Emsmündung westwärts, in Küstennähe.
2. Krebstiere: Copepoden mit ihren Entwicklungsstadien, Larven von Dekapoden und Schizopoden.
Diese Formen können teilweise eine große Häufigkeit erreichen und dadurch, zumal sie verhältnismäßig
groß sind, den Kalkgehalt des Wassers erheblich beeinflussen. Ihre Verbreitung ist sehr unregelmäßig; meist
kommen sie in Schwärmen („Wolken“) vor. Vor allem ist zu beachten, daß die Wassertiefe, in der sie Vor
kommen, sehr abhängig von der herrschenden Lichtintensität ist: sie meiden scharfe Beleuchtung, finden sich da
her vor allem in der Dämmerung und des Nachts in den oberflächlichen Wasserschichten.
3. Echinodermenlarven: Sie haben ein Kalkskelett und können daher dort, wo sie zahlreich Vor
kommen, den Kalkgehalt des Wassers sehr erheblich beeinflussen. Auf der Mai-Fahrt 1933 kamen sie gerade an
mehreren Stellen besonders häufig vor.
49 G. Böhnecke, Salzgehalt und Strömungen der Nordsee. Veröffentl. des Inst. f. Meereskunde, Berlin, N. F. A.:
10, 1922.
50 Siehe die Übersichtskarte über die Phosphatgehaltsverteilung in der unter 48 erwähnten Arbeit von K. Kalle. — Be
merkenswert in diesem Zusammenhang ist die Anregung von Kalle, daß es auch mit Hilfe der Phosphatgehaltsverteilung möglich
sein müßte, besser als aus der Salzgehaltsverteilung Wasserarten unterscheiden zu können.
51 Siehe unter Fußnote 47.