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Full text: 55, 1936

Dr. Erich Goedecke : Der Kalkgehalt im Oberflächenwasser der Unterelhe und Deutschen Bucht 
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dem sich wahrscheinlich die Ausfällungsgeschwindigkeit bei größerem Elektrolytzusatz einem Grenzwert nähert. 
Gemäß den Werten für AA ist aber weiterhin anzunehmen, daß mehrere Gebiete mit maximaler und langsamer 
Koagulation zu unterscheiden sind, so daß man in Anlehnung an die Theorie über Koagulation kolloider Lösungen 
das gesamte Gebiet der Elbmündung in mehrere Fällungszonen einteilen muß. Diese Zonen treten überall dort 
auf, wo durch abfließendes Oberwasser und eindringendes Salzwasser neue mit elektrischen Ladungen versehene 
Kolloide herangeführt und bei starker Zunahme des Salzgehaltsgradienten ausgefällt werden. Die Zone Holler- 
wettern-Brunsbüttelkoog ist als ein Gebiet mit kontinuierlicher Mischung und Ausfällung anzusehen. 
d) Der Kalkgehalt des Oberflächenwassers in Beziehung zur Plankton 
verbreitung in der Elbmündung und Deutschen Bucht. 
Biologische Untersuchungen von Dahl 41 und S c h 1 i e n z 42 haben gezeigt, daß die Fauna und Flora 
im Gebiet der Unterelbe und Elbmündung sehr stark von den verschiedenen Umweltfaktoren wie Salzgehalt, 
Temperatur, Gezeiten und Abwasser abhängig sind und daß die größten Veränderungen biologischer Art im Misch 
wassergebiet vor sich gehen. Diese hier beobachteten organischen Zustandsänderungen rühren hauptsächlich von 
den einzelligen Lebewesen her, da sie z. B. gegenüber einer Erhöhung oder Erniedrigung der Salzkonzentration 
des Wasser außerordentlich empfindlich sind. Infolge der durch die Änderung des osmotischen Druckes ver 
ursachten Zusammenziehung oder Ausdehnung des Protoplasmas wird die Zellhaut der planktonischen Organismen 
gesprengt und die Organismen selbst gehen dabei zugrunde 43 . Handelt es sich nun um kalkführende Planktonten, 
so wird bei der Autolyse der in den Zellen dieser Lebewesen oder in ihrem Panzer eingebaute Kalk in dem 
Wasser gelöst oder diesem in Form von Suspensionen zugeführt. Der Eintritt des Absterbens und damit der 
Autolyse hängt aber vor allem von der Art der Änderung der Molarkonzentration ab. Je stärker die Konzentrations 
änderung ist, desto schneller werden diese Vorgänge einsetzen. Anders ist es dagegen, wenn die Zunahme der 
Salzkonzentration allmählich vor sich geht, so daß am Anfang des Mischwassergebietes, in der mesohalinen Zone, 
der verhältnismäßig geringe osmotische Druck die Zelle noch nicht schädigen kann. Erst wenn ein bestimmter 
Salzgehalt, der sogenannte osmotische Grenzwert 44 , erreicht ist, tritt Zerstörung des Organismus ein, was sich 
naturgemäß durch eine Erhöhung des Alkalinitätsgehaltes bemerkbar macht (s. Fig. 8). Die zu gleicher Zeit zu 
beobachtende Erhöhung des Gesamtkalkgehaltes sowie des Gehaltes an suspendiertem Kalk ist wahrscheinlich 
darauf zurückzuführen, daß in diesem Gebiet infolge Anreicherung von Nährstoffen bestimmte, von außen heran 
geführte Kalkplanktonten zur hohen Blüte gelangen. Die AA (u . f) -Zunahme ist weiterhin sehr gut aus Figur 21 zu 
ersehen. Der Salzgehalt 1 bis 2%o, bei dem die sehr großen Werte von AA zu verzeichnen sind, kann vielleicht 
als kritischer Salzgehalt oder osmotischer Grenzwert für bestimmte Organismen angesehen werden. Da 
außer dem bei Brunsbüttelkoog beobachteten Maximalwert für AA (u _ t ) stromabwärts anscheinend noch weitere sekun 
däre Maxima auftreten, so ist anzunehmen, daß auch sie durch ähnliche biologische Faktoren vorwiegend bedingt 
sind. Hier ist in erster Linie das Maximum des AA (u . () zwischen Elbe 4 und Elbe 3 zu nennen (siehe Figur 22). Nach 
den quantitativen Untersuchungen von K. Thiemann 45 über das Plankton in Flußmündungen und hier be 
sonders in der Elbmündung befindet sich zwischen den genannten Feuerschiffen ein Planktonmaximum, das sich 
mit den Tiden in regelmäßiger Weise flußaufwärts und -abwärts verschieb.t Hydrographisch wurde hier sowie bei 
Brunsbüttelkoog ein maximales AA (u _ fJ beobachtet. Da biologisch von Thiemann das Gebiet bei Brunsbüttel 
koog hauptsächlich als Planktonsterbegebiet und dasjenige zwischen Elbe 4 und Elbe 3 als Planktonwucherungs 
gebiet erkannt wurde, war also die überaus starke Anomalie des AA (u . fj im ersten Fall auf vorhandene große 
Detritusmengen und im letzten auf starke Organismentätigkeit zurückzuführen. 
Die genannten biologischen Untersuchungen, vor allem von Thiemann, weisen darauf hin, daß wahr 
scheinlich die rein anorganischen Zustandsänderungen wie gegenseitige Ausflockung von Kollodien für die Kalk 
gehaltsverteilung nicht von so ausschlaggebender Bedeutung sind wie die durch die Lebens- und Sterbeprozesse der 
Kalkplanktonten hervorgerufenen Änderungen. Man muß daher annehmen, daß die großen Änderungen des Kalk 
gehaltszustandes in der Elbmündung wohl in erster Linie als ein biologisches Problem anzusehen sind. Die 
mengenmäßige Verteilung des kalkschaligen Planktons wird daher mit der hydrographisch beobachteten Kalk 
gehaltsverteilung in der Elbmündung im Gegensatz zu derjenigen des Norderelbe-Gebietes bei Hamburg stets 
parallel gehen. Diese Erscheinung wird dadurch weiterhin unterstützt, daß die Flüsse eine Unmenge von Nähr 
stoffen ins freie Meer transportieren, wodurch in und vor den Flußmündungen eine Erhöhung der Organismen 
tätigkeit bedingt wird, die weiter in die Deutsche Bucht hinein abklingt. Ebenso können aus kleinen Küsten 
gewässern, aus den Prielen des Wattgebietes, Nährstoffe ins Meer gespült werden, die lokal ein regeres Blühen 
und Sterben der Lebewesen hervorrufen. Diese Erhöhung der Organismentätigkeit wird sich im Kalkgehalt immer 
41 F. Dahl, 6. Ber. der Komm, zur Wiss. Unters, d. Deutschen Meere. 
42 Schlienz, Archiv f. Hydrobiologie, 1924, 14, S. 429. 
43 A. W i 11 e r, Schriften der Phys. Ökonom. Ges. zu Königsberg in Pr. 68, Heft 1, 1933, S. 17. 
44 Fr. Geßner, Verhandlungen d. internat. Ver. f. theoret. und angew. Limnologie, Bd. VI, S. 154. 
45 K. Thiemann, Das Plankton der Flußmündungen. Wissensch. Ergeh, der Deutschen Atlantischen „Meteor“-Expe- 
dition, Bd. XII Teil 1. Biolog. Sonderuntersuch. 3. Lfg.
	        
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