Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 43
Bei einer derartig starken Sandbewegung findet eine Bippelbildung nicht mehr statt. Die Be
deckung mit Rippein ist ganz von der Wetterlage abhängig. Die einfachsten Verhältnisse liegen bei
windstillem Wetter vor, es werden dann nur die Strömungsrippein ausgebildet. Kurzer Wellengang zer
stört in weitem Maße diese Formen und ersetzt sie durch Wellengangsrippein (Bild 11). Allenfalls
entstehen Kreuzrippein. Bei schwerem Wetter hört dann die Rippelbildung auf. Die Formen sind in
folge der komplizierten Strömungsverhältnisse und der Unebenheit des Geländes sehr verschieden.
Scharfe Kämme kommen sehr selten vor.
Nun zu den Formen der Strombänke. Die einfachsten sind gerade bis schwach sichelförmig ge
streckte Rücken, die aber, je nach der Wetterlage, eine Umgestaltung erfahren. Auch sind die Ver
änderungen der Gezeitenbewegung, insbesondere des Tidenhubs, mit verantwortlich. Besonders wirken
sich plötzliche Witterungsumschläge aus, so daß dann sehr komplizierte und durcheinander gehende
Formen entstehen können, während die einfachsten Formen bei gleichbleibender Wetterlage bestehen.
(Bild 2 und 10.) Gelegentlich lösen sich die langen Rücken in eine große Anzahl einzelner Sandbuckel
auf, zwischen denen die Tümpel fast ganz verschwinden (Bild 11). Aber auch das Gegenteil kommt
vor: die Tümpel treten in den Vordergrund.
Wie schon gesagt, kann eine Flutstrombank seitlich last unmittelbar in eine Ebbstrombank über
gehen. Dieser Übergang geschieht in einer s-förmig gebogenen Kurve (Bild 12). Sk. 2,2.
Außer den Gleichstrombänken kommen noch andere Bildungen vor, die einen Übergang von Flut
strombank in Ebbstrombank darstellen, aber in einem weniger entwickelten Stadium der Gleichstrom
bänke. Solche Flutstrombänke, denen sekundär eine Ebbstrombank aufgesetzt ist, kommen ebenfalls
im Übergangsgebiet zwischen Ebb- und Flutstrombänken auf dem Hungrigen Wolf vor. Bemerkens
wert ist, daß diese Art von Bänken eine überdurchschnittliche Höhe besitzen, auch die Breite ist häufig
besonders groß.
Schillbedeckung habe ich im Gebiet dieser Arbeit nirgends gesehen, da Mollusken massenhaft
nirgends Vorkommen. Nur vereinzelt finden sich leere Schalen von Limnaea stagnalis, Limnaea
ovata, Vivipara vivipara, Dreissensia, Spliaerium u. a.
Ich will damit dieses interessante Kapitel abschließen, obgleich darüber noch mehr gesagt wer
den könnte. Die Abhängigkeit der Formen von der Wetterlage und den Veränderungen der Gezeiten
ströme bedarf noch einer näheren Untersuchung, bevor allgemeine Regeln aufgestellt werden können.
Kliffbildungen.
Das Watt ist einem dauernden Wechsel unterworfen. Kaum ist eine Bank oder eine Insel ent
standen, schon verlagert sich der Strom, oder er wird durch Baggerungen und Regulierungsarbeiten
in ein andei'es Bett gezwängt. Wo vor kurzem noch ein merklicher Anwuchs zu verzeichnen war,
nagt heute die Flut und arbeitet ein Kliff aus. Die Strömung wird durch die Brandung unterstützt.
Die Art der Vegetation ist von großer Wichtigkeit, im Winter ist das Eis wirksam.
Je nachdem nun die einzelnen Faktoren Zusammenwirken, kommen verschiedene Kliffbildungen
zustande. Wir können unterscheiden:
1. Gezeitenklilf mit Blockstrand;
2. Gezeitenkliff ohne Blockstrand;
3. Hochwasserkliff ohne Blockstrand;
4. Niedrigwasserkliff.
1. Gezeitenkliff mit Blockstrand.
Gezeitenkliff mit Blockstrand. Diese Art von Kliffbildung ist am großartigsten aus
gebildet, und zwar an der Westseite des Bishorster Sandes. Die Länge beträgt etwa <500 m (Bild 13).
Da die Ausgestaltung des Kliffs in größtem Ausmaße von dem Bodenaufbau abhängig ist, muß
hier kurz auf letzteres eingegangen werden. Wie auf allen jungen ..Sanden“ ist auch hier der Unter