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Full text: 55, 1936

Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 35 
schweren Wolkenbrüchen kann die Wirkung des Regenwassers verheerend werden (Bild 8). Bemer 
kenswert ist, daß in allen diesen Fällen alle Formen zunächst nur eine geringe Neigung besitzen, 
eine Mäanderung anzunehmen, vielmehr meist auf dem kürzesten Wege nach unten abfließen. 
Die kleinen, Prielen ähnlichen Bildungen haben auffallend steile Ufer. Ich hatte eines Tages 
Gelegenheit, ihre Entstehung zu beobachten. Anfangs herrscht flächenhafte Abspülung vollkommen 
vor, bald aber bilden sich flache Mulden aus. Wo nun das Gefälle besonders stark ist, bilden sich 
in den Abflußstellen Kolke und Löcher, die immer tiefer ausgespült werden. Durch Wirbelbildung 
wird schließlich die Rückwand unterhölt, größere Brocken lösen sich ab und stürzen in die Kolke 
hinein. Dabei ist es gleichgültig, ob das Material aus Schlicksand oder reinem Sand besteht. Der nasse 
Feinsand verhält sich in diesem Falle wie bindiges Material. Die herabgestürzten Brocken werden 
nun schnell auseinandergespült, der Sand unterhalb zum Teil wieder abgelagert, zum Teil fortgeschafft, 
und unterhalb der Wasserlinie schüttet er einen Schwemmsandkegel oder deltaartige Formen auf. 
Nun entsteht wieder ein neuer Kolk, neue Brocken stürzen ab, und so fort. Auf diese Weise können 
20 bis 30 cm breite und tiefe, kleine Priele innerhalb 15 bis 20 Minuten sich 6 bis 8 m rückwärts 
einschneiden. Gleichzeitig findet eine Tiefenerosion statt.*) 
Häufig kommt es auch vor, daß das Wasser der Kolke, wie sie sich zwischen den Vegetations 
inseln des Buhnenbergs finden, den Anlaß zu solchen Prielbildungen gibt, wenn die Kolke durch 
Regenwasser stärker angefüllt werden. An irgendeiner Stelle erfolgt schließlich der Durchbruch, und 
die herausströmenden Wassermassen schaffen sich einen Lauf. Solche Bildungen können auch meist 
länger erhallen bleiben, da, besonders wenn eine Reihe von Kolken miteinander in Verbindung treten, 
bei jeder Tide das Wasser ein- und ausströmt. Auf diese Weise können wohl auch tatsächlich 
gelegentlich Priele entstehen. Im allgemeinen sind jedoch Rieselmarken und die aus ihnen hervor 
gehenden Bildungen keine Dauerformen. 
Es scheint, als ob auch reichlicher Taufall den Anlaß zur Bildung von Rieselmarken geben kann. 
Frühmorgens habe ich in den Sommermonaten beobachtet, daß die soeben vom Wasser freigegebenen 
Sandflächen vor Bishorst eine merkwürdige Granulation aufwiesen. Die Ähnlichkeit mit dem von 
E. Wasm und (34) abgebildeten Rieselfeld, das aus Regentropfen entstand, war deutlich. 
Hydrosphärisc he Riesel marken. Sie finden sich bei einem ausreichenden Böschungs 
winkel in jedem Sediment, das an Wasser übersättigt ist, Jedoch darf kein typischer Triebsand vor 
liegen, da dieser sein Wasser nicht ohne weiteres hergibt, auch nicht auf sehr steilen Flächen. 
Im Sand sind solche Rieselspuren am deutlichsten ausgeprägt am Strand von Bishorst (Bild 9). 
Auch auf dem Ostabfall von Juelssteert sind sie vorhanden, dagegen fehlen sie auf der Westseite, da 
hier einerseits die Neigung viel zu gering ist, andererseits die Rippen störend wirken. Auf dem 
Hungrigen Wolf finden sie sich auf dem Südabhang des hohen Rückens. 
Auf den höchsten Teilen treten solche Spuren meist nicht auf, da von hier das Wasser nach 
abwärts versickert, also eine Übersättigung nicht vorhanden ist. Auch wirkt in der langen Zeit, wo 
sie trocken liegen, die Verdunstung sehr stark. Erst wenn die Übersättigung groß genug ist, bilden 
sich zunächst im Abstande von etwa 10 cm annähernd parallele, äußerst winzige Rinnsale heraus 
(Bild 9), die aber nach unten sehr bald in außerordentlich verzweigte Systeme übergehen. Viele 
Tausende allerfeinster Wasseräderchen sammeln sich schließlich zu breiteren, aber sehr flachen 
Rinnen, die meist starke Neigung besitzen, in großen Schlingen zu verlaufen. Die Wasserführung 
ist sehr gering in den oberen Teilen und kaum zu beobachten. Auch nach unten nimmt sie nur 
wenig zu. 
Es ist klar, daß diese feinen und zarten Gebilde sehr vergänglich sind, und daß nur die breiteren 
Unterläufe möglicherweise die nächste Flut überdauern. Es ist wohl zu bezweifeln, ob daraus über 
haupt größere Formen, z. B. Priele entstehen können. 
Zu den Rieselmarken im Schlick zähle ich die bereits von W. W r a g e (38) als eigenartige Ober 
flächenformen beschriebenen, sicherlich sehr interessanten Entwässerungsrinnen. Denn als 
*) A n m erkung. Nach Haarnagel (42) findet eine Tiefenerosion nicht statt. Dieser Anschauung kaun ich nur 
meine zahlreichen Beobachtungen gegen überstellen, die diese festgestellt haben.
	        
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