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Full text: 55, 1936

Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 29 
Das Kentern des Stromes, besonders von Ebbstrom auf Flutstrom, bringt häufig an verschiedenen 
Stellen eine unangenehme Begleiteigenschaft mit sich. Bei sehr geringer Windstärke schon tritt 
nämlich ein hoher, kurzer und harter Wellengang auf, der kleinen Fahrzeugen leicht gefährlich 
werden kann. Verschiedentlich geriet ich dabei in die Gefahr des Kenterns. Diese Erscheinung 
beobachtete ich besonders in der Nähe des Steinlochs, vor der Pinnaumündung, im Steinloch selbst, 
in der westlichen Binnenelbe um unteren Ende des Buhnenbergs und querab östlich des Hohen 
horster Sandes. Dabei ist der Wellengang meist auf einen verhältnismäßig schmalen Streifen be 
schränkt und hat auch nur eine geringe Längsausdehnung. Die Erscheinung wandert stromaufwärts, 
bis nach einiger Zeit der Wellengang auf das normale Maß zurückgeht. Vielleicht ist die Erscheinung 
der Grundsee für die Morphologie des Flußbettes von Bedeutung, da sich dabei ohne Frage aaf- 
bereitende Vorgänge abspielen. 
Wie verhalten sich nun die Gezeitenströme hinsichtlich ihrer Intensität? 
Von der Wassenstraßendirektion, Hamburg, wurde mir freundlicherweise das Pcgeimaterial der 
selbsttätigen Pegel Juelssand und Kollmar zur Verfügung gestellt. Da eine genau berechnete mittlere 
Tidenkurve nicht vorlag, wurde die dieser am nächsten kommenden vom 30. April 1933 ausgewählt, 
wobei bemerkt werden muß, daß das zweite Niedrigwasser dem ersten angeglichcu wurde. Die 
Kurven können vielleicht auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch erheben, aber für den Zweck 
dieser Arbeit genügen sie vollständig. Zudem verlaufen Ebbe und Flut niemals im Sinne der mitt 
leren Tidenkurve. 
Zunächst seien die M. II. W.- und M.N.W.-Werte mitgeteilt.*) 
M. H. W. 
Kollmar 
11,29 m 
Juelssand 
11,33 m 
M. N. W. 
33 
8,80 m 
33 
8,87 m 
Tidenhub 
3> 
2,49 m 
33 
2,46 m 
M. F. D. 
>3 
5 h 05 
33 
4 h 50 min 
M. E. D. 
33 
7 h 30 min 
33 
7 h 40 min 
Betrachten wir einmal den Verlauf der Tidekurve von Juelssand, so erkennen wir ein sehr starkes 
Ansteigen in der ersten Stunde, nach der ein Wasserstand von etwa -— 0,1 in N. N. erreicht wird. 
Erst dann steigt das Wasser weniger stark, so daß in den letzten beiden Stunden vor Hochwasser nur 
noch Steiggeschwindigkeiten von etwa 0,5 cm/min auftreten. Nach 4 Stunden 50 Min. ist das Hoch 
wasser mit 1,33 N. N. erreicht. Von da ab fällt der Wasserstand fast über die ganze Dauer der Ebbe 
ziemlich gleichmäßig. Die Fallgeschwindigkeiten der Ebbe bleiben weit hinter den stärksten Steig 
geschwindigkeiten zurück. 
Noch anschaulicher werden diese Dinge, wenn wir aus der Tidekurve die Steig- und Fall 
geschwindigkeiten berechnen und diese in einer Kurve darstellen, wie es auch K. Lüders (13) 
machte. Nur habe ich die Werte für je 10 Minuten berechnet, um eine größere Genauigkeit zu er 
zielen. Das erste Ansteigen tritt in dieser Kurve viel besser hervor als in der Tidekurve. Der Höchst 
wert bei einer normalen Tide beträgt etwa 2 cm/min, hinter dem die Fallgeschwindigkeit mit 0,5 
bis 0,7 cm/min stark zurückbleibt. 
Ein ganz ähnliches Bild gibt die Gefällskurve zwischen Kollmar und Juelssand. Die größte 
Differenz besieht mit ca. 80 cm z. Zt. des Niedrigwassers in Juelssand. Daher die ungewöhnlich 
starke Ausbildung des Flutstroms in der ersten Stunde. 
Über die Gefällsverhältnisse in der Nähe des Steinlochs zwischen Binnenelbe und Elbe kann 
leider nichts gesagt werden, da Wasserslandsmessungen nicht vorliegen. 
Wie K. Lüders (13) gezeigt hat, ist es möglich, aus den Tidekurven bzw. Steig- und Fall 
geschwindigkeitskurven oder Gefällskurven auf das Verhältnis der Strömungsgeschwindigkeiten von 
Flut- und Ebbstrom zu schließen. Aus unseren Kurven geht ganz klar hervor, daß der Flut- 
stromdem Ebbstrom mindestens während der ersten Stunden ganz bedeutend über- 
*) A uin erkung. M. H. W. — Mittleres Hochwasser — M.N.W. = Mittleres Niedrigwasser — M. F. D. - Mitt 
lere Flutdauer — M. E. D. = Mittlere Ebbedauer.
	        
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