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Full text: 55, 1936

Dr. Erich Goedecke: Der Kalkgehalt im Obertiächenwasser der Unterelbe und Deutschen Bucht 
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an der nordfriesischen Seite weiter von der Küste entfernt als an der ostfriesischen. Aus der ungleichmäßigen 
Lage der Isolinien zur allgemeinen Küstenkonfiguration und unter Berücksichtigung der aus der Salzgehalts 
verteilung geschlossenen Wasserbewegungen in der Deutschen Bucht ist die Größe des Festlandeinflusses zu erkennen. 
Der wichtige Unterschied zwischen den beiden geographischen Darstellungen ist der, daß der Grad der Kalk 
gehaltsänderung bei Annäherung an das Festland größer ist als derjenige der Gesamtkalkgehaltsänderung. 
Ein quantitatives Maß für die Kalkgehaltsänderung gibt die Differenz A B —A R = AA b _ r zwischen den 
tatsächlich beobachteten und den aus der für die offene Nordsee gültigen mittleren A/S-Beziehung berechneten 
Kalkgehaltswerten. Im Gegensatz zu früheren Darstellungen ist die Differenz auf den Salzgehalt der betreffenden 
Wasserprobe bezogen worden. Dadurch kann man aus der geographischen Verteilung der Größe AA b _ r /S etwas 
über die Durchmischung des Oberflächenwassers der Deutschen Bucht aussagen und Wasserarten hinsichtlich ihres 
anomalen Kalkgehaltes voneinander trennen. Schon Zorell (1933) hatte auf diesem Wege den ersten Versuch 
unternommen, an Hand von Kalkgehaltsbeobachtungen des Oberflächen Wassers der östlichen Nordsee derartige 
Kalküberschußgebiete darzustellen. 
Für unfiltriertes Wasser wurde die von Schulz abgeleitete und vom Verfasser bestätigte Beziehung 
A u — 0,06788 S benutzt und für filtriertes Wasser A f5gfl = 0,06677 S. Die Karten 16 bis 18 zeigen die geographische 
Verteilung von AA b . r /S in der Deutschen Bucht. Ganz deutlich tritt das Kalküberschußgebiet der Helgoländer 
Bucht hervor. 
Aus der Größenänderung des AA B _ R in Abhängigkeit vom Salzgehalt konnte man zahlenmäßig bestimmte 
Gebiete der Deutschen Bucht mit verschiedenem anomalen Kalkgehalt unterscheiden. Die mittlere Beziehung 
zwischen AA b _ r und S für die gesamte Deutsche Bucht lautet auf Grund der Beobachtungen des „Poseidon“- 
Materials 1932 für einen Salzgehaltsbereich von 25,00 bis 35,00%o 
[28] AA b _ r = 2,220 — 0,0642 S mäquiv/L 
Mit wachsendem Salzgehalt wird der Kalküberschuß des Oberflächenwassers schnell geringer, um bei höheren 
Salzgehalten (größer als 34,50%o) praktisch gleich Null zu werden. 
Für 1933 ist eine mittlere für die ganze Deutsche Bucht gültige AA B . B /S-Beziehung nicht abgeleitet worden, 
da im Gegensatz zu den vorjährigen Beobachtungen diese erhebliche Schwankungen im Kalkgehalt des Ober 
flächenwassers aufwiesen. Es wurden daher für die einzelnen Gebiete derartige mittlere Beziehungen abgeleitet. 
Insgesamt wurden 6 oder, wenn man Elbe und Wesergebiet trennt, 7 Gebiete festgelegt. Folgende Zusammen 
stellung (siehe Tabelle 10) gibt die Größe der Anomalie des Gesamtkalkgehaltes und des Gehaltes an gelöstem 
Kalk in den einzelnen Gebieten wieder. Für S = 32%o, der als mittlerer Salzgehalt der Deutschen Bucht anzusehen 
ist, sind die absoluten AA B . R -Werte aus dem für die betreffenden Gebiete gültigen mittleren Beziehungen zwischen 
AA b . r und S berechnet worden. 
Tabelle 10. 
Die Anomalie des Kalkgehaltes in mäquiv/L für S = 32%o. 
Gebiete: AA b . r für Gesamt 
kalkgehalt 
1. Wesermündung 0,525 
2. Elbmündung 0,587 
3. Südöstl. Deutsche Bucht = 
Helgoländer Bucht 0,281 
4. Östl. und nordöstl. Deutsche 
Bucht 0,327 
5. Mittlere Deutsche Bucht 0,287 
6. Südl. Deutsche Bucht 0,250 
7. Westl. und nordwestl. Deutsche 
Bucht 0,151 
für Gehalt des 
gelösten Kalkes 
0,243 mäquiv/1 
0,220 
0,246 
0,281 
0,206 
0.220 
0,135 
Während die mittlere Anomalie des Gehaltes an gelöstem Kalk vor den Flußmündungen fast nur doppelt so groß 
ist wie in der äußeren Deutschen Bucht, ist die Anomalie des Gesamtkalkgehaltes 3%mal so groß. Aus diesem 
Beispiel ist deutlich zu ersehen, wo sich die größten Kalküberschußgebiete befinden. Die Flußmündungsgebiete 
und das unter dem Einfluß der nach Norden abgedrängten kalkreichen Wassermassen der Elbmündung stehende Ge 
biet an der nordfriesischen Küste zeigen die größten anomalen Gesamtkalkgehalte. Wie stark und wie weit der Ein 
fluß des abfließenden Elboberwassers hinsichtlich der vom Festland stattfindenden Kalkzuführung in der Deutschen 
Bucht noch wahrzunehmen ist, darüber soll der nächste Abschnitt etwas aussagen.
	        
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