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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band Nr. 6
Das ganze Gebiet ist von kleinen, schmalen Grüppen und größeren Abzugsgräben durchzogen,
die in regelmäßigen, gleichen Abständen nahezu rechtwinklig zueinander verlaufen. Sie dienen dem
Schlickfang, der alle vier Jahre herausgeworfen wird, und zur Entwässerung.
Die Landstücke werden zunächst nur schmal angelegt, etwa 9 Fuß breit. Darauf werden Band
weidenstecklinge gesetzt. Nach dem vierten Jahr, wenn das Holz schnittreif ist, werden die Stücke
vergrößert. Der mittlere von drei Gräben wird mit Bandholz, das nicht verwertet werden kann, und
mit dem Schlick der beiden anderen Gräben aufgefüllt. Durch regelmäßiges Kleien der Gräben wird
das Land immer mehr aufgehöht. Nach dem 15. Jahr sind die Weiden zu alt. Die Stubben werden
ausgerodet. Sie werden jedoch nicht durch solche derselben Art ersetzt. Denn die verschiedenen
Sorten liefern, je nach den Lebensbedingungen, Holz verschiedener Qualität. Zu den besten Sorten
gehört das Braunspitzen- und das Freiburger Holz, während das pockrige Holz wenig geschätzt ist.
Zwischen den Bandweiden wuchert noch eine üppige Vegetation, die sich im Halbdunkel müh
sam das Licht erkämpft. Umbelliferen und das Bittersüß (Soianum dulcamara), an den Gräben das
Sumpfvergißmeinnicht, möchte ich als einige der Hauptvertreter nennen.
Unter den Tieren sind die Insekten, wie schon erwähnt, vorherrschend. Aber auch viele Klein
vögel und Ratten gibt es hier.
Damit möchte ich die kurze Besprechung dieses Gebietes abschließen. Wir wenden uns nun den
noch übrig bleibenden Wattinseln der Binnenelbe zu, von denen besonders der Hohenhorster Sand
interessante über flächenformen aufweist.
Der Hohenhorster Sand.
Südlich des Quappeniochs spaltet sich die Binnenelbe in mehrere Arme auf, die eine Anzahl
von einzelnen Sanden umfließen, von denen die nördlichen als Hohenhorster Sand zusammengefaßt
werden. Diese Wattinsel ist zugleich eine der interessantesten überhaupt.
Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil ist bewachsen. Die Pummelbinse (Scirpus tabernaemontani),
Rolirkolbenarten und das Belli wiegen vor. Die höchsten Teile liegen etwa in der Höhe des mittleren
Hochwassers.
Das umgebende Watt ist in seinem Charakter außerordentlich verschieden. An der Nordseite,
im Schutz des Grünwatts, finden wir ein sich ziemlich stark absenkendes, nur wenig breites Miscli-
bis Schlickwatt, das von unten nach oben und von N nach S immer schlickiger und tiefer wird. Als
Oberflächenformen sind wieder die schon mehrfach erwähnten Entwässerungsrinnen vorhanden, von
Spuren besonders die von zahmen Gänsen, die sich gern in dieser Gegend aufhalten. Im S und W
ist, angrenzend an das Grünwatt, etwa dasselbe Misch- bis Schlickwatt vorhanden. Doch ist es etwas
fester und auch sandiger infolge des Wellenschlags.
Daran schließt sich ein sehr fester Sandstreifen an, eigentümlich durch seine feste Lagerung und
auffallend durch seine merkwürdigen Oberflächenformen, die sonst an keiner Stelle des gesamten
Gebietes und auch weder von anderen Stellen des Niederelbewatts noch aus der Literatur bekannt
sind (Bild 7). In der Stromrichtung liegen zahlreiche, durch auffallend runde Formen überraschende,
4 bis 8 m lange und 1 bis 3 m breite Rücken. Das Gehänge ist nach allen Seiten gerundet und gleich
mäßig. Die Mulden sind häufig allseitig abgeschlossen und mit Wasser gefüllt. Die Lagerung ist, wie
schon gesagt, außerordentlich fest. Man kann bequem Anschnitte hersteilen, ohne daß der Sand
auseinanderfließt. Die Schlichtung ist sehr deutlich, und zwar immer horizontal. Schrägschichtung
habe ich nicht feststellen können. Die sonst für das Sandwatt so charakteristischen Rippein fehlen
auf den Rücken vollständig. Nur wo es der Strömung gelungen ist, Kolke in den Mulden auszuspülen
(was aber auch sehr selten vorkommt), sind Strömungsrippein manchmal vorhanden.*)
*) Anmerkung. W. Wrage (45) bringt in Abt). 4 vom selben Ort langgestreckte Erosionsformen, die parallel zum
Ufer verlaufen und die mit den beschriebenen Formen sicher in irgendwelchem Zusammenhang stehen. Es ist jedoch
schwer zu sagen, welche die primäre Bildung ist.