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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band Nr. 6
Juelssteert.
Juelssteert ist das vegetationslose Saudwalt, das die Fortsetzung des Buhnenberges bildet. Die
Grenze gegen Buhnenberg bildet das erste Auftreten des Dreikants.
Wenn man bei Niedrigwasser dieses Gebiet betritt, so liegt es als weite, ebene Fläche, wie ein
Tennisplatz da. Keine Erhebungen und Vertiefungen, nur bin und wieder ein Geröll aus Schilftorf
oder Seggentorf oder einzelne abgerollte Holzstiicke, die von den Fischern sehr treffend als Rollholz
bezeichnet werden. Diese Gerolle stammen meist von Westen aus der Hauptelbe, wo sie bei Bagge
rungen vom Grunde losgerissen werden. Einzelne Blöcke erreichen immerhin bedeutende Ausmaße.
Nach einer Sturmflut im September 1934 fand ich einen über einen Meter großen Block aus Schilftori
bestehend. Die Oberfläche dieser Gerolle hat fast immer ein löcheriges Aussehen, da sie nach jeder
Flut von den Möven untersucht werden, die Klein tiere, Asseln usw. abpicken.
Von W und N her steigt das Watt ganz gleichmäßig an. Das Gefälle beträgt kaum 10 cm auf
100 m. Die Wasserscheide ist ziemlich deutlich und verläuft etwa 100 in vom Ostrand entfernt. Zur
Binnenelbe fällt das Gelände bedeutend steiler ein. Auch finden sich hier häufiger Kolke usw., von
denen noch zu sprechen sein wird.
Das Material ist auf Juelssteert ein mittelfeiner Sand von wechselnder Korngröße. Im äußersten
N, am Steinloch, ist er etwas gröber. Auf die Fraktion 0,5—0,2 entfallen hier etwa 27 %, der Rest
unter 0,2 beträgt 72,70 %. Dabei muß bemerkt werden, daß tonige oder sandige Teilchen unter
O, 02 mm vollständig fehlen. Der Boden ist hier meist ziemlich fest, wenn er auch manchmal etwas
zu Triebsandbildung neigt.
Nach S und mit wachsender Höhe nimmt die Korngröße weiter ab. In der Nähe der ersten
Vegetationsinseln beträgt der Anteil der Fraktion unter 0,2 mm schon beinahe 96 %. Der Boden ist
dann weniger fest, so daß man bis zu den Knöcheln einsinkt, obgleich kein ausgesprochener Trieb
sand vorliegt. Doch ist schon ein geringer Schlickgehalt stellenweise nachzuweisen. Die Farbe des
Sandes ist in feuchtem Zustande grau, die getrockneten Proben hellgrau. Die gröberen Fraktionen
besitzen eine mehr gelbliche Farbe, eine Tatsache, der wir auch schon auf dem Hungrigen Wolf
begegnet sind. Unter einer dünnen Oberflächenschicht ist der Sand durch den Hydrotroilit bläulich
gefärbt.
Zu den ganz geringen organischen Beimungungen treten noch kalkige hinzu: Schalenbruch
stücke von Muscheln und Schnecken, hauptsächlich von Sphaerium und Limnaea ovata. Ganze
Schalen sind verhältnismäßig selten. Sie sind auf die starkschalige Paludina und Dreissensia be
schränkt. Immer handelt es sich um Schalen. Lebende Exemplare habe ich nie beobachtet. Häufig
sind auch die Häutungspanzer der Wollhandkrabbe, Eriocheir sinensis. Der Sand besteht zur Haupt
sache aus Quarz, daneben enthält er Uenenit, Granat und die übrigen Schwermineralien, aber viel
weniger als die gröberen Sande des Hungrigen Wolfs. Im östlichen Teil von Juelssteert ist zu
sammen mit winzigen Schlickgeröllchen und Pflanzenresten besonders viel Glimmer vorhanden.
Erstaunt war ich aber, als ganz plötzlich im Juni 1934 riesige Mengen von Foraminferen und
Seeigelstacheln auftauchten. Da zur selben Zeit im Steinloch eine neue Fahrrinne ausgebaggert
wurde, konnte das marine Material nur von dort stammen. Meine Annahme wurde auch bestätigt,
als ich Proben des Baggerguts untersuchte. Das Vorkommen von mariner Fauna ist in dieser Gegend
nicht weiter verwunderlich. Auch bei der Festpunktbohrung Otersen 3, Hetlinger Schanze, Rohrfest
punkt B XV, fand man in einer Tiefe von —-1,60 bis —6,80 m NN einen sehr mageren Tonmergel mit
Spuren mariner Fauna. Diese Tatsache zeigt, daß wir es in dieser Gegend teilweise mit sehr aller
Marsch zu tun haben.
Eine solche Anhäufung von Foraminiferen auf sekundärer Lagerstätte gibt Anlaß, bei Boh
rungen im Walt vorsichtig zu sein und sich vor übereilten Schlüssen zu hüten.