Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 17
Bleibt die Wetterlage längere Zeit hindurch unveränderlich, so verfestigt sich der anfänglich lockere
Schlick, Er tritt in den Zustand des Sediments über, während er vorher ähnlich wie der Triebsand
locker gepackt war und sehr viel Wasser enthielt. Der zähe Schlick kann im allgemeinen von der
gewöhnlichen Strömung nicht wieder abgetragen werden. Sobald aber Westwind einsetzt, macht sich
der Wellenschlag bemerkbar. Die Zerstörung geht dabei häutig von kleinen Rinnsalen, Spuren und
anderen Schwächestellen aus. Beim Abbruch entstehen Scldickgerölle, die meist schnell abgerieben
und zerstört werden. Tritt aber erneut eine Sedimentation von feinem Schlick ein, so können diese
gelegentlich wieder eingebettet werden. Eine Bildung von Tongeröllen kann auch auf anderem Wege
stattfinden, sogar bei Ostwind, ja sogar besonders bei Ostwind. Bei der großen Trockenheit im
Sommer 1934 bildeten sich während der Überwasserzeit überall Trockenrisse. Tondüten entstanden.
Diese konnten von der Flutströmung wegen ihres geringen Gewichtes leicht transportiert werden. Sie
wurden entweder schnell aufgerieben oder bei der starken Sedimentation in den Schlick wieder ein
gebettet.
In den Monaten Mai bis September überwiegt im allgemeinen die Aufschlickung, wenn es auch
zuweilen im Sommer zu Stürmen und daher Abbruch kommt. Das Watt würde in wenigen Jahr
zehnten Vorland sein, wenn nicht die schweren Stürme im Herbst und Winter die lange Arbeit des
Sommers wieder in kurzem zerstörten. Vor allem ist es auch das Eis, das an der Zerstörung mitarbeitet.
Daß auf diesem schmalen Wattstreifen Priele nicht zu erwarten sind, ist klar. Als Entwässe
rungsformen sind die von W. W rage (38) als eigentümliche Oberflächenformen im Schlick beschrie
benen und abgebildeten kleinen Rinnen vorhanden.
Organische Spuren sind sehr häufig. Besonders sind die Freßspurcn von Limnaea ovata zu
nennen, die in seltsamen Spiralen und Schlingen die Oberfläche des Schlicks verzieren. Ganz ähn
lich, nur viel größer, ist die Kriechspur des Blutegels, die fast ebenso häufig ist. (Vergl. W. Wraage
(39).) Lauf- und Standspuren von Vögeln möchte ich nur erwähnen. Sie sind bei dem reichen Vogel
leben eine häufige Erscheinung.
Von anorganischen Spuren möchte ich die Austrittsöffnungen von Schwefelwasserstoff gas anführen.
Es sind dies kleine, runde Löcher, die von einem kleinen blauschwarzen Ringwall von einigen Zenti
metern Durchmesser umgeben sind. Die Entwicklung von HjS im Schlick ist ja bekannt. Er rührt
von der Zersetzung organischer Substanzen her. Mit Eisensalzen verbindet er sich zu dem tintenfar-
higen Hydrotoilit, dem Gelmineral des Pyrits. Bei einer in einer Flasche entnommenen Schlickprobe
konnte ich beobachten, daß nach einigen Tagen der Prozeß von den Leichen von Tubifex ausging.
Der andere Teil des Schlicks wurde nicht gefärbt. Die Entwicklung von HsS im Schlick ist im Früh
jahr bei Eintritt des warmen Wetters infolge der Verwesung der Leichen des Borstenwurms so stark,
daß man ein eigentümliches, zwitscherndes Geräusch vernimmt, das von den unzähligen, platzenden
Wasserbläschen herrührt. Die Wirkung ist ganz dieselbe, wie diejenige die Corophium als Ursache
hat. (E. Wohlenberg (36).)
Die Wattinseln.
Wenn wir unter Wattinsel ein Gebiet verstehen, das selbst bei Niedrigwasser noch völlig vom
Wasser umgeben ist, so können wir das ganze Inselgebiet zwischen Steinloch und Dwarsloch als eine
einzige Wattinsel zusammenfassen. Die bei Hochwasser trennenden Löcher laufen bei jedem ge
wöhnlichen Niedrigwasser trocken. Da außerdem die Zuschlickung außerordentliche Fortschritte
macht, werden nur wenige Jahre vergehen, bis das ganze Gebiet tatsächlich aus einer einzigen zu
sammenhängenden Insel besteht. Auch der Drommel bestand noch vor wenigen Jahrzehnten aus
zwei Teilen. Heute ist das sie trennende Loch längst zu einem Priel geworden. Auch der Teufelsberg
ist in jüngster Zeit künstlich durch Stacks angegliedert worden.