Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 15
Hier ist Gelegenheit gegeben, das außerordentlich reiche Vogelleben zu beobachten. Vor allem
sind es die Fischreiher und die Störche, die sich bei der Entleerung der Aalkörbe in die mitgefange-
nen und nicht verwerteten Kleinfische teilen. Doch scheuen sie auch nicht davor zurück, gelegentlich
selbst mit der Entleerung zu beginnen.
Die Folge des reichen Vogeilebens ist, daß das Watt in der Umgebung der Buhnen vollkommen
zertrampelt wird. Das scheint mir die Ursache zu sein, daß die Gegend um die Buhnen herum eine
flache Mulde bildet.
Die Lage der Buhnen ist bei Hochwasser durch Pricken, die hier Baken heißen, gekennzeichnet.
Das Stillstandsvorlandwatt.
Das Stillstandsvorlandwatt nimmt nur einen geringen Raum ein. Und doch ist es eines der
interessantesten des ganzen Gebietes. Es wird im N. durch das Bishorster Kitt, im S. durch Plaths
Ritt begrenzt. Es erstreckt sich also genau so weit wie der Sommerdeich. Sehen wir uns die Lage auf
der Karte an, so erkennen wir, daß der ehemalige Sommerkoog einen Vorsprung bildet. Dadurch
wird die Binnenelbe eingeengt, was eine Verstärkung der Strömung nach sich zieht. Außerdem ist
die Böschung ganz bedeutend steiler als im Anwachsvorlandwatt, so daß auch der Wellenschlag
wirksamer sein kann.
Diese veränderten Verhältnisse bringen es mit sich, daß auch die Vegetation eine andere ist. Die
charakteristische Pflanze ist die niedrige Binse (Juncus bottnicus), die niemals einzeln, sondern stets
in dichtem Rasen auftritt. Durch ihre große Elastizität ist sie außerordentlich widerstandsfähig
gegen den Einfluß der Strömung und Brandung. Bei stärker bewegtem Wasser kann sie sich flach auf
den Boden legen und den frisch abgelagerten Schlick schützen. Man sollte meinen, daß dadurch eine
allmähliche Aufsclilickung zustande kommen müßte. Dem ist aber nicht so. Denn im Winter, wenn
die oberirdischen Teile der Pflanze verschwunden sind, setzt durch Wellenschlag und Eisgang eine
ebenso starke Abtragung ein. Aber auch eine wesentliche Abtragung kann nicht stattflnden. Denn
da sich Juncus bottnicus vegetativ vermehrt, ist der Zusammenhang des Rasens sehr groß, so daß selbst
bei stärksten Stürmen Kolke nicht entstehen können. So ist diese kleine und unscheinbare Pflanze für den
Uferschutz von ungeheurer Bedeutung. Auch der Dreikant ist hier vertreten, doch erreicht er
niemals die Größe wie im Anwachsvorlandwatt oder auf den Wattinseln. Weiter aufwärts kommt
noch eine Anzahl anderer Pflanzen hinzu, die Sumpfdotterblume, Caltha palustris, die aber nur
immer in einzelnen Stöcken vorkommt, das Sumpf Vergißmeinnicht (Myosotis palustris), die Wasser-
minze (Menta aquatica) und der Weiderich, dessen rote Stauden besonders am Bishorster Ritt im Som
mer durch ihre leuchtende Farbe hervortreten. Bemerkenswert ist, daß im Stillstandsvorlandwatt so
wohl die Rohrkolbenarten wie das Reth vollständig fehlen. Auch Scirpus tabernaemontani ist nur
schwach vertreten.
Der Bodenaufbau ist in diesem Teil des Vorlandwatts außerordentlich kompliziert. Südlich und
nördlich des Wohnhauses Bishorst tritt die Sandaufragung, die bereits bei der Besprechung des Vor
landes kurz erwähnt wurde, zutage. Sowohl an der Oberfläche wie in zahlreichen Flachbohrungen
habe ich den gelblich-weißen Sand, dem jede Beimengung von tonigen Teilchen fehlt, angetroffen.
Eine Korngrößenanalyse ergab folgende Werte:
2—1 1—0,5 0,5—0,2 unt. 0,2 unt. 0,02 mm
0,46 1,54 81,04 16,74 — %
Der Sand ist also außerordentlich gleichkörnig. Unter den Mineralien ist Quarz und Feldspat, und
zwar Orthoklas, reichlich vertreten, sonst Ilmenit, Magnetit, Granat, Zirkon und ein wenig heller
Glimmer, der eine überdurchschnittliche Korngröße aufweist. Meine Versuche, aus Korngröße und
Mineralzusammensetzung die anemogene Entstehung des Sandes zu beweisen, haben zwar keine ein