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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band Nr. 6 
Der erste Vorläufer der Pflanzenwelt ist eine große Simsenart, der Dreikant (Scirpus triqueter). 
Fast gleichzeitig mit diesem stellt sich eine andere Simsenart ein, Scirpus tabernaemontani, die auch 
Pummelbinse oder Henn genannt wird (Oldbg. Hennje) Fast niemals aber vermischen sich diese 
beiden Arten, sondern immer kommen sie in größeren Beständen nebeneinander vor. Zum Vorland 
hin, wo das Watt schon höher aufgeschlickt ist, werden diese zum Teil zunächst durch Rohrkolben 
arten (Typhaceen) abgelöst. Der weit häufigere unter ihnen ist der breitblättrige Rohrkolben (Typha 
latifolia), der auch Kattich genannt wird. Ein kleinwüchsiger, schmalblättriger wird als Bohnenband 
bezeichnet. Schließlich bildet das Reth (Phragmites communis) in großen bis zu 5 m hohen Schallen 
die Grenze gegen das Vorland, ja dringt stellenweise sogar bis auf das Vorland vor. Wo das Reth 
fehlt, wird es durch andere Pflanzen ersetzt. Diese sind aber gegen Wellenschlag meist bedeutend 
weniger widerstandsfähig, so daß es an diesen Stellen häufig zu Abbruchserscheinungen kommt. Ich 
will von den zahlreichen Arten nur die Sumpfdotterblume (Caltha palustris), deren starker Wurzel 
stock dem Angriff durch Wellen und Eis besonders gut widersteht, und den Weiderich (Lythrum) 
nennen. 
Wie schon erwähnt, ist im Sommer die Schlickablagerung sehr stark. Überall befindet sich mehr 
als fußtiefes Schlickwatt, das man aber begehen kann, denn der Untergrund ist meist ziemlich 
sandig und fest. Auffallend ist, daß überall da, wo Vegetation fehlt, die Aufschlickung bedeutend 
stärker ist. Wir werden später sehen, daß dies auch auf den Wattinseln der Fall ist. Im Frühjahr 
und Spätsommer ist der Schlick von Grünalgen und Diatomeen überzogen, die zu seiner Verfestigung 
beitragen. 
Der Tierreichtum ist im Schlick- und Mischwatt außerordentlich groß. Bemerkenswert ist aber, 
daß dieser auf eine einzige Art beschränkt ist, und zwar handelt es sich um den kleinen Borstenwurm 
(Tubifex), dessen Vorhandensein aber oberflächlich nicht in Erscheinung tritt. 
Oberhalb der NW.-Linie ist dem bewachsenen Watt ein vegetationsloser Schlick- bis Mischwatt 
streifen vorgelagert. Nur unmittelbar vor der Pinnaumündung liegt noch ein schmaler, äußerster 
Streifen, der aus reinem Feinsand besteht. Hier ist die Schlickablagerung, je nach der Wetterlage, 
verschieden. Im Höchstfälle habe ich bei Ostwindwetter 15 bis 20 cm festgestellt. Darunter liegt ein 
schwach humoser, gut geschichteter, toniger Feinsand. 
An besonderen Oberflächenformen sind hauptsächlich die Rippein zu nennen. Im Sandwatt finden 
sich hier dieselben Strömungsrippein wie auf Juelssleert, die auffallend groß sind gegenüber den viel 
seltener vorhandenen Wellengangsrippeln im Schlickwatt. Diese fanden sich hauptsächlich bei Ost 
windwetter in frisch abgelagertem Schlick. 
Unmittelbar an der Pinnaumündung beobachtete ich bei derselben Wetterlage eigentümliche 
rippeiähnliche Bildungen (Bild 1). Sie glichen vollkommen Rippein. Die mittlere Breite betrug etwa 
50 cm, während sie nur 3 bis 4 cm hoch waren. Diese Großrippein (?) verliefen senkrecht zum Ufer 
und zu den kleinen Wellengangsrippeln, so daß es sich nur um eine Bildung der Strömung handeln 
kann. Fraglich ist nur, ob wir es mit Aut'schüttungs- oder Erosionsformen zu tun haben. Das 
löcherige Aussehen der Oberfläche würde für die letztere Annahme sprechen. 
Bemerkenswert ist, daß im nördlichen Teil besondere Entwässerungsformen fast ganz fehlen. 
Das hat vielleicht seine Ursache darin, daß die Priele und Gräben des Vorlandes bereits leergelaufen 
sind, wenn das Vorlandwatt noch von Wasser bedeckt ist. Außerdem können sich in den dichten 
Schallen Priele gar nicht oder nur kaum einschneiden. Das südliche Gebiet dagegen ist mit kleineren 
und größeren Prielen stark durchsetzt. Eine eindeutige Erklärung für den Unterschied läßt sich 
aber wohl schwer finden. 
Schließlich müssen die zum Aalfang dienenden Fischbuhnen erwähnt werden. Es sind dies sehr 
lange, rechtwinklig gebaute Käfige aus Bandweidengefiecht, die gegen das Vorland hin offen sind. Es 
wird die Gewohnheit der Aale ausgenutzt, bei Flut dicht am Ufer zu laufen. Sie geraten dabei in die 
Käfige hinein, die auf der Wasserscite an den Ecken Ausgänge besitzen, die in die aufgestellten Aal 
körbe münden.
	        
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