Dittmer: Vorland und Watten zwischen Steinloch und Dwarsloch. Ein Beitrag zur Kenntnis des Niederelbwatts 13
Heute noch befindet sich südlich von Bishorst ein kleines Wäldchen; größtenteils sind es Eschen
und Eichen, auf dem Deichfuß an der Binnenelbe Ellern und Weiden. Leider hat in den letzten
Jahren das Absterben der Bäume, besonders der Eichen, in erschreckendem Maße zugenommen. Die
Bäume haben mit ihren Wurzeln das Grundwasser erreicht und gehen an Rotfäule zugrunde. Am
besten gedeihen noch die Erlen. Zwar sterben auch sie oben ab — eine Folge der starken Westwinde
—- doch treiben sie immer wieder von unten aus.
Auf dem äußeren Abhang des Sommerdeiches wird bei Sturmfluten viel Material fortgeführt. Die
Bäume stehen deshalb häufig mit ihren Wurzeln in der Luft. Während Weiden und Erlen bald
neue Wurzeln schlagen, gehen Eschen und Eichen daran zugrunde.
Auffallend ist, daß der Sommerdeich, soweit er an der Binnenelbe entlangläuft, eine bedeutende
Breite und Höhe hat, die weit größer sind als die der Seitenstücke, die zum Hauptdeich führen. Ich
vermute daher, daß hier ein Stück des alten Bishorsler Deiches erhalten geblieben und später als
Sommerdeich wieder verwendet worden ist.
An den südlichen Deichknick, wo der Sommerdeich nach 0 zum Hauptdeich umbiegt, schließt sich
ein etwa 200 in langer Rücken an, der sich allmählich verflacht. Zunächst hielt ich diesen ebenfalls
für den Rest eines alten Dammes. Bohrungen haben aber ergeben, daß der ganze Rücken vollkommen
aus grobem Sand besteht. Da dieser Sandhaken aber weit über dem normalen Hochwasser liegt, so
kann er nur bei Sturmfluten entstanden sein. Es muß eine beträchtliche Sandwanderung an der
Küste stattfinden. Oberhalb des Deichknicks verliert dann das Wasser an Tragfähigkeit, und das
verfrachtete Material lagert sich ab. Daß es sich dabei um eine ganz junge Bildung handelt, das be
weist die Tatsache, daß die Baumstämme bis zu einem Meter im Sand stecken.
Das Vorlandwatt.
Das Vorlandwatt umfaßt das Gebiet zwischen MHW. und NW., das vor dem Vorland gelegen ist.
Es handelt sich dabei ausschließlich um natürliche Watten, da die Beeinflussung durch den Menschen
nicht in den Vordergrund tritt.
Die Breite des Vorlandwatts ist stark wechselnd. Die größte Ausdehnung wird an der Pinnau
mündung erreicht. Von da bis nach Bishorsl wird der Streifen immer schmäler; vor dem Sommer
deich hört er fast ganz auf, um dann in der Hohenhorster Deichbucht und vor dem Scholenflether
Deich wieder breiter zu werden. Ja, hier haben wir es ausschließlich mit Watt zu tun, denn hier fehlt
das Vorland.
Es ist nun notwendig, eine Unterteilung vorzunehmen. Als Anwachsvorlandwatt be
zeichne ich das Watt, das im Anwuchs begriffen ist, gleichgültig, ob es vor einem Stillstands-, Ab
bruchs- oder Anwachsvorland liegt. Das Watt, das weder einen bemerkbaren Anwuchs noch Abbruch
aufzuweisen hat, will ich Stillstandsvorland watt nennen. Abbruchsvorlandwatt ist im Ge
biet dieser Arbeit nicht vorhanden.
Das Amvachsvorlandwatt.
Dieser Teil des Watts dehnt sich nördlich des Bishorsler Ritts bis zur Pinnaumündung aus. Im
S gehört dazu das ganze Gebiet von Plaths Ritt bis zum Dwarsloch.
Charakteristisch sind die unendlichen Reth- und Binsen (Simsen) schallen. Auffallend ist, daß die
für das Stillstandsvorlandwatt so charakteristische niedrige Binse (Juncus bottnicus) hier völlig fehlt.
Offenbar steht dies in Verbindung mit der starken Schlickablagerung im Sommer, die niedrige Binse
wächst vorzugsweise im Sand- und Mischwatt in der Brandungszone.