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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band Nr. 6
Außer zahlreichen photographischen Aufnahmen wurden an den verschiedensten Stellen eine
große Anzahl von Bodenproben entnommen. Außerdem wurden zur Feststellung der Untergrund*
Verhältnisse eine Reihe von 2-m-Bohrungen ausgeführt. Von Herrn Prof. E. Koch, dem Leiter des
Bohrarchivs, wurden mir die Ergebnisse der Rohriestpunktbohrungen mitgeteilt.
Lage und Grenzen.
Das Gebiet zwischen Steinloch und D w a r sloc h gehört zum Teil zu den ältesten, zum
Teil zu den jüngsten Ablagerungen des alluvialen .Schwemmlandstreitens, der bei Wedel beginnt und
sich eibabwärls immer mehr verbreitert.
Fast ein Jahrtausend waren Kräfte am Werk, die den Menschen von den alten Wohnstätten
vertrieben und ihn zwangen, den schützenden Deich immer weiter zurückzuverlegen. Dieses preis
gegebene Land bildet heute das Vorland. Es ist ein Stück des ältesten Marschbodens. Jenseits der
Binnenelbe baut heute der Strom eine Reihe von Inseln und „Sunden“ wieder auf. Von Wedel
bis J u e 1 s s a n d hat schon der Mensch das neue Land als Kulturland gestempelt. Und vielleicht
werden nur wenige Jahre vergehen, bis die Binnenelbe aufgehört hat, ein Nebenarm der Elbe zu
sein. Die großzügigen Pläne zur Arbeitsbeschaffung sehen die Eindeichung des gesamten Vorland-und
Wattengebietes zwischen Schulau und K o 11 m a r vor. Dann wird der Mensch einen großen Sieg
über die tückische Elbe, die jahrein, jahraus an ihren Ufern nagt, errungen haben.
Von W edel aus führt uns der Weg hinunter von der hohen Geest in die flache Marsch, niedrig
gelegenen Sommerkögen mit einzelnen Siedlungen auf hoher Wurt oder - wie in S c h a r e n b e r g
und Idenburg auf alten Diinensanden, die 3 bis 4 m die sonst ebene Fläche überragen. In
Hetlingen, dem Zentrum des Bandreißergewerbes, erreichen wir den Deich. Auch dieser Ort wie
das benachbarte E k h o r s t mit seinem Eichenwäldchen liegt auf sandigen Höhen. Die schiefe und
krumme Anlage der Grabensysteme weisen auf eine sehr alte Besiedlung hin.
Von hier bis Haseldorf erreicht das Vorland mit einer Breite von 3 km seine größte Ausdehnung.
Hohe Baumreihen ziehen sich hier durch die Landschaft, ein für die Marsch sonst ungewohntes Bild.
Bandweidenpflanzungen in riesigen Ausmaßen in der Marsch wie im Vorland sind für das ganze
Gebiet zwischen Schulau und Krückau charakteristisch. Kleine, saubere Häuser, ganz im Gegensatz
zu den großen Höfen der lvremper Marsch oder Dithmarschens. Überall aber die Anzeichen des
Bandreißergewerbes, in jedem Dorf, an jedem Haus.
Hinter Haseldor f erkennen wir schon vom Deiche aus die niedrigen Sande mit den wogen
den Schallen, den Rohrfeldern, unterhalb des Dwarslochs. Von fern leuchten die weißen Dünen
des Pagensands he rüber.
Damit kommen wir in das eigentliche Gebiet dieser Arbeit. Die Grenzen sind zum Teil natür
lich, zum Teil künstlich gewählt. Im Süden ist es das D warsloch, im Norden das Steinloch.
Als Abgrenzung gegen die Flußmarsch der Pinnau mag der .1 ä g e r d a m m gelten.
Allgemeine morphologische und landschaftskundliche Übersicht.
Das Vordeichgebiet.
Als Vordeicligebiel fasse icli das ganze vor dem Deiche gelegene Gebiet, sei es Vorland, das hier
kurz als Außendeich bezeichnet wird, sei es Walt, zusammen. Die landseitige Grenze bildet also der
Deich, die flußseitig« die NW.-Linie. Die MHW.-Linie gliedert dies Gebiet in zwei Teile: Das Vor
land oder Außendeich (Butendiek) und das Vorlandwat t.