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Volltext : 55, 1936

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  55.  Bd.  iNr.  5.

schon  mehrfach  betont,  das  atlantische  Wasser  nach  Osten  Vordringen.  Unter  74%  °  nördlicher  Breite
und  32°  östlicher  Länge  ist  durch  eine  Ausbuchtung  nach  Norden  die  Franz-Josef-Strömung  angedeutet.
Die  Kurven  dringen  dann  auf  74°  nördlicher  Breite  nach  Osten  in  die  zweite  Quersenke  der  Mittelschwelle
vor,  biegen  dann  aber  um  und  verlaufen,  nach  einer  Ausbuchtung  nach  'Westen,  in  süd-östlicher  Richtung,
wo  sie  die  Murmanströmung  kennzeichnen.  Mit  Ausnahme  der  Figur  19  sehen  wir  die  Strömung  längs
der  europäischen  Küste,  die  Küstenstrom  genannt  wird.  Besonders  von  125  m  ab  erkennen  wir,  wie  dieser
unter  71°  nördlicher  Breite  und  33°  östlicher  Länge  beim  Zusammentreffen  mit  der  Murmanströmung
eine  kräftige  Rechtsablenkung  erfährt,  dann  aber  weiterhin  der  Küste  parallel  nach  Süd-Osten  fließt.
Zwischen  dem  atlantischen  Wasser  und  dem  Küstenstrom  in  der  Umgebung  des  Nordkaprückens  kurven
die  Isolinien  allgemein  zurück;  hier  dürfte  auch  eine  nicht  unbeträchtliche  Vermischung  von  atlantischem
und  Küstenwasser  stattfinden,  hierauf  deuten  auch  Salzgehalt-  und  Temperaturverteilung  hin.  Am  Abhang
der  Spitjbergenbank  findet  sich  ein  Gebiet  maximaler  Dichte,  d.  h.  sowohl  nach  Nord-Osten  wie  auch  nach
Süd-Osten  nimmt  diese  ab,  wie  es  auch  bereits  auf  den  Vertikalschnitten  festgestellt  wurde*  östlich  von
30°  östlicher  Länge  verbreitert  sich  dieses  Gebiet,  wobei  offensichtlich  die,  auf  der  Mittelschwelle  liegende,
Mittelbank  von  Einfluß  ist.  Südlich  von  74°  nördlicher  Breite  verläuft  die  Begrenzung  dieses  schweren
Wassers  parallel  der  Mittelschwelle  selbst.  Auf  die  Dichtemaxima  in  den  geschlossenen,  gestrichelten
Kurven  am  Abhang  der  Spitjbergenbank  wollen  wir  später  noch  näher  eingehen  (vgl.  S.  33).  Das  ausgedehnte ­
  Gebiet  hoher  Dichte  ist  der  Sit5  der  polaren  Grenzfläche,  zwischen  Spitjbergenbank  und  Bäreninselsenke ­
  haben  wir  diese  ja  schon  oben  festgestellt,  und  zwar  befindet  sich  auf  der  ersteren  der  Polarstrom, ­
  über  der  zweiten  die  Westwinddrift.  Aus  den  Beobachtungen  geht  nicht  hervor,  ob  wir  auf  der
Mittelschwelle  eine  entsprechende  Stromgrenze  haben,  zu  vermuten  ist  aber,  daß  auf  dem  östlichen  Abhang
der  Mittelschwelle  das  Wasser  im  wesentlichen  von  Süden  nach  Norden  fließt.  Auf  der  Spitjbergenhank
ist  die  allgemeine  Bewegungsrichtung  des  Wassers  eine  südwestliche,  aus  Figur  24  für  25  m  Tiefe  geht
aber  hervor,  daß  eben  nördlich  der  Bäreninsel  ein  Gebiet  minimaler  Dichte  vorhanden  ist;  es  ist  dieses
wahrscheinlich  der  Kern  eines  ausgedehnten  Wirbels,  auf  den  weiter  unten  noch  näher  einzugehen  sein  wird.
§  6.  Konstruktion  eines  Stromfeldes  für  75  m  Tiefe.
Wir  wollen  unsere  bisherigen  Ergebnisse  zusammenfassen,  um  ein  Strömungsbild  für  den  untersuchten
Teil  des  Barents-Meeres  zu  entwerfen.  Dabei  kann  es  sich  nicht,  wie  schon  wiederholt  betont,  um  detaillierte ­
  Angaben  handeln.  Wir  wollen  uns  deshalb  auch  nicht  auf  ein  bestimmtes  Niveau  festlegen,  oder
etwa  alle  einzeln  durchsprechen,  sondern  die  genannte  Karte  so  allgemein  halten,  daß  sie  die  Strömungsverhältnisse ­
  in  50  bis  100  m  Tiefe  wiedergibt.  Wegen  der  festgestellten  Parallelität  der  Isolinien  in  den
verschiedenen  Tiefen  dürfte  der  Geltungsbereich  einer  solchen  Karte  sich  aber  noch  über  100  m  hinauserstrecken. ­
  Für  den  Aufbau  eines  Stromfeldes  sind  die  Singularitäten  von  besonderer,  ja  ausschlaggebender ­
  Bedeutung.  Es  darf  vielleicht  noch  gesagt  werden,  was  man  unter  Singularitäten  zu  verstehen
hat.  Bekanntlich  spricht  man  in  der  Potentialtheorie  von  Singularitäten,  denen  die  Bedeutung  von  Quellen,
Senken  und  Wirbeln  zukommt;  statt  Quellen  und  Senken  sagt  man  in  der  Ozeanographie  auch  Divergenzen
und  Konvergenzen 35  36 ).  Wir  brauchen  also  für  die  Konstruktion  unserer  Karten  die  Kenntnis  dieser  Stellen.
Man  kann  diese  Irregularitäten  häufig  schon  an  den  Isohaiinen  erkennen,  was  Böhnecke  ausgenußt  hat,
um  die  Wirbel  in  der  Nordsee  aufzufinden’ 8 ).  Wir  werden  die  Karten  der  mittleren  Dichte  verwenden,  um
die  Wirbel  aufzusuchen.  Verlaufen  die  Isolinien  in  geschlossener  Kurve,  so  wird  man  hier  einen  Wirbel
annehmen  dürfen.  Das  ist  offensichtlich  am  Südabhang  der  Spitjbergenbank  der  Fall.  Sonst  treten  keine
geschlossenen  Kurven  auf.  Es  können  aber  auch  an  anderen  Stellen  des  Feldes  Singularitäten  vorhanden
sein.  Denken  wir  uns  z.  B.  einen  Strom,  der  zunächst  geradlinig  fließt,  dann  aber  aus  seiner  Richtung  abgelenkt ­
  wird.  Es  ist  die  Frage,  ob  die  Strömung  an  dieser  Stelle  regulär  bleibt.  Die  Ablenkung  kann
natürlich  durch  die  verschiedensten  Ursachen  bedingt  sein,  wie  etwa  Bodengestalt,  andersgerichtete  Ströme
35 )  Vgl.  Thorade:  Methoden  z.  Stud.  d.  Meeresströmungen,  S.  3022  u.  ff.
36 )  Böhnecke,  G.:  Salzgehalt  und  Strömungen  der  Nordsee.  Veröffentl.  d.  Inst*  f.  Meereskunde  Berlin  1922.  N.  F.  A.  Hft.  10.
            
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