Walter Hansen: Die Strömungen im Barents-Meer im Sommer 1927 auf Grund der Dichteverteilung. 27
Der Verlauf der Isothermen zeigt dieselben charakteristischen Merkmale wie derjenige der Iso-
halinen, nämlich eine weitgehende Parallelität zwischen den Kurven in den verschiedenen Tiefen unter
einander und den Isobathen. Eine Ausnahme macht der süd-östliche Teil, wo nicht in allen Tiefen die
Kurven einander parallel sind, was besonders deutlich in der Karte für 200 m Tiefe hervortritt. Aller
dings muß bemerkt werden, daß hier das Beobachtungsnetj nicht dicht genug ist, um in allen Einzelheiten
den Verlauf der Isolinien mit dem hier sehr unruhigen Bodenrelief vergleichen zu können.
Zusammenfassend können wir also sagen, daß eine Parallelität zwischen Isobathen, Isothermen und
Isohaiinen für alle Tiefen unterhalb 50 m besteht mit Ausnahme des Gebietes westlich der Stolpen-
bank. Da nun die Dichte eine Funktion von der Temperatur T und dem Salzgehalt S ist, nämlich
■ !><S,T), so folgt:
, dg dT .. dS . dT ... .. ...
+ ,—• Weil - und ,— für die gleiche Differentiationsrichtung x ver-
dT dx'
dx
dx
dp
schwinden, so ist dies auch für ^ der Fall, d. h. auch die Isopyknen sind den genannten Kurvensystemen
parallel. Um zu entscheiden, wie die Verhältnisse im süd-östlichen Teil des Barents-Meeres liegen, wurden
die drei Figuren 28, 29 und 30 mit den Linien gleicher Dichte gezeichnet, und zwar für 100, 150 und
200 m Tiefe. Man sieht, daß die Kurven im wesentlichen dem Lauf der Küste folgen und auch ihre
Tangenten untereinander gleich gerichtet sind. Damit sind also die Vorausse^ungen 1 und 2 für das west
liche Barents-Meer erfüllt. Wie im vorletzten Paragraphen schon dargelegt wurde, genügt die Annahme,
daß das Wasser nur in horizontalen Bahnen fließt, um Stromlinien und Isobathen usw. zusammenfallen
zu lassen. Es ist in dieser Hinsicht aber durchaus die Frage berechtigt, ob nicht eine Strömung existieren
kann, die gerade durch eine Bodenerhebung veranlaßt wird, ihr ursprüngliches Niveau zu verlassen und
aufzusteigen. Ekman 34 ) hat in seinen Untersuchungen über die topographische Wirbelwirkung gezeigt,
daß Tiefenströme, die nicht den Höhenlinien des Bodens folgen, aufgezehrt werden, so daß bei statio
nären Zuständen das Wasser nur längs den Niveaulinien fließen kann. Inwieweit diese Überlegungen auch
für den Bodenstrom gelten, in dem die Reibung von Bedeutung werden kann, können wir nicht sagen,
da wir nichts über die untere Reibungstiefe wissen. Wahrscheinlich ist diese aber nur gering, weil die
durch Dichte-Unterschiede erzeugten Geschwindigkeiten im Barents-Meer überhaupt nur gering sind. Eine
Stülje für die Vermutung, daß das Wasser am Boden den Höhenlinien folgt, können wir in der Tatsache
sehen, daß die Isothermen und Isohaiinen auch für den Grund noch eine weitgehende Parallelität mit den
Isobathen aufweisen, wiederum mit Ausnahme des Gebietes westlich der Stolpenbank (vgl. die Boden
karten auf Tafel V „Berichte“, wobei allerdings die Darstellung für den Salzgehalt einer Korrektur
bedarf, denn die Rinne niedrigen Salzgehalts, die sich nördlich von 73° nördlicher Breite bis 19° östlicher
Länge erstreckt, ist nicht reell). Wir wissen jetzt, daß Isothermen, Isohaiinen, Isopyknen in allen Tiefen
untereinander und schließlich noch den Isobathen parallel sind. Wären nun die Stromlinien anders ge
richtet als die Tangenten dieser Kurvensysteme, so müßte zunächst das Wasser Vertikalbewegungen aus
führen, dann müßte der Austausch die Änderungen von Temperatur und Salzgehalt bewirken und schließ
lich müßte eine Kraft vorhanden sein, die entgegen der Dichteverteilung die Richtung der Wasserbewegung
bestimmt. Diese Annahmen sind in so hohem Grade unnatürlich, daß man mit großer Wahrscheinlichkeit
annehmen darf, daß auch die Stromlinien mit den anderen Isolinien gleichgerichtet sind.
Wir wollen jeljt die Figuren 18, 19, 20, 21, 22, 23 und 24 betrachten. In Figur 18 sind an allen
Stationen die am Grund festgestellten Dichtewerte zur Konstruktion der Isopyknen benutzt; da am Boden
der Austausch geringer als in den darüber lagernden Schichten ist, wenn er hier nicht überhaupt ver
schwindet, und Isothermen und Isohaiinen hier mit den Isopyknen parallel sind, so ist es ziemlich sicher,
daß sich das Wasser am Grund längs diesen Kurven bewegt; den großen Einfluß der Bodengetalt erkennt
man daran, daß dieses Liniensystem auch den Isobathen parallel ist, wie deutlich aus Figur 18 hervorgeht.
Die Kurven in den Figuren 18 bis 24 zeigen eine so weitgehende Parallelität für die verschiedenen
Tiefen, daß wir diese gemeinsam besprechen können. Zunächst sieht man über der Bäreninselsenke, wie
M ) Vgl. Thorade: Methoden z, Stud. d. Meeresströmungen, S. 3052.