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Full text : 55, 1936

Walter  Hansen:  Die  Strömungen  im  Barents-Meer  im  Sommer  192?  auf  Grund  der  Diditeverteilung.  15

und  seine  Berechnungen  stimmen  gut  mit  den  Strommessungen  Pillsburys  überein.  Im  Barents-Meer  fehlt
uns  eine  ausgeprägte  Nullschicht,  nur  an  einzelnen  Stellen  darf  man  in  verschiedener  Richtung  übereinander
strömendes  Wasser  vermuten,  so  z.  B.  über  der  Hoffnungsinselsenke,  wo  unter  dem  atlantischen  Wasser
Bodenwasser  nach  Westen  vordringt,  wie  aus  der  niedrigeren  Temperatur  am  Grund  zu  erkennen  ist;  der
dynamische  Einfluß  dieser  Schicht  ist  aber  nur  gering.  Es  muß  bemerkt  werden,  daß  mit  der  Auffindung
einer  solchen  Nullschicht  nicht  etwa  die  oben  angegebenen  hydrodynamischen  Schwierigkeiten,  die  an  der
Begrenzung  der  Flüssigkeit  auftraten,  behoben  sind,  wahrscheinlich  werden  die  Verhältnisse  hier  noch
komplizierter  liegen.  Dieses  ist  insofern  von  Interesse,  weil  man  sieht,  daß  in  der  Meereskunde  recht  rohe
Annahmen  zu  guten  Ergebnissen  führen  können.  Mit  solchen  rohen  Annahmen  müssen  wir  uns  auch  in
unserem  Fall  begnügen,  wenn  wir  etwas  über  den  Absolutwert  der  Geschwindigkeit  aussagen  wollen;  man
begeht  wahrscheinlich  den  kleinsten  Fehler,  wenn  man  voraussetjt,  daß  die  Bewegung  am  Boden  Null  ist,
zumal  die  Isopyknen  hier  im  allgemeinen  nicht  sehr  steil  verlaufen,  so  daß  die  Anzahl  der  Selenoide
gering  ist.
Oben  wurde  schon  gesagt,  daß  zu  der  Voraussetjung,  daß  das  Wasser  am  Grund  in  Ruhe  ist,  eine  ganz
bestimmte  Neigung  der  Meeresoberflädie  gehört.  Wir  haben  aber  bei  der  Frage  nach  stationären  Verhältnissen ­
  gesehen,  daß  die  Diditeverteilung  in  der  bis  50  m  Tiefe  reichenden  Oberschicht  nicht  unbeträchtlichen ­
  zeitlichen  Schwankungen  unterworfen  ist.  Unter  diesen  Umständen  müßte  man  fortwährende  Schwankungen ­
  der  Meeresoberfläche  annehmeu,  die  die  Dichteänderungen  kompensieren,  damit  die  Gesdiwindigkeit
am  Boden  dauernd  Null  ist.  Durch  meteorologische  Einflüsse  können  die  Verhältnisse  nodi  weiter  kompliziert ­
  werden.  Wir  denken  uns  deshalb  im  Barents-Meer  die  obere  50  m  mächtige  Deckschicht  entfernt  und
betrachten  nur  das  Tiefenwasser,  die  Begrenzung  dieses  Tiefenwassers  sei  so  gestaltet,  daß  das  Wasser  am
Grund  in  Ruhe  ist.  Welchen  Einfluß  die  Oberschicht  auf  die  Geschwindigkeitsverteilung  haben  kann,  soll
erst  später  untersucht  werden  (vgl.  S.  31),  es  sei  aber  schon  hier  mitgeteilt,  daß  die  Ergebnisse  nicht  sehr
wesentlich  geändert  werden.

2.  Kapitel.
Die  Geschwindigkeitsverteilung  in  meridionalen  Schnitten  auf  19°,  26°,  30°,
337*°  und  38°  östlicher  Länge.
§  1.  Über  die  Veranschaulichung  der  Geschwindigkeitsverteilung  in  Vertikalschnitten.
Nach  den  Ergebnissen  des  1.  Kapitels  werden  wir,  um  noch  einmal  kurz  zu  wiederholen,  folgendermaßen ­
  verfahren.  Wir  betraditen  nur  die  Bewegungen  des  Tiefenwassers,  ohne  auf  die  bis  50  m  Tiefe
reichende  Oberschicht  einzugehen.  Dann  berechnen  wir  die  West-Ostkomponenten  der  Geschwindigkeit
(vgl.  Tabelle  1),  nach  der  früher  eingehend  besprochenen  Formel  von  Sandström  und  Heiland-Hansen,  wobei ­
  vorausgesetjt  wird,  daß  die  Geschwindigkeit  am  Boden  des  Meeres  verschwindet.  Die  Nord-Südkomponenten ­
  der  Geschwindigkeiten  sind  nicht  berechnet  worden,  und  zwar  aus  folgenden  Gründen  nicht.
Erstens  ist  die  vermutete  Wasserbewegung  im  westlichen  Barents-Meer  im  großen  ganzen  breitenparallel
gerichtet,  so  daß  die  meridionalen  Geschwindigkeitskomponenten  nur  gering  sein  dürften.  Zweitens  sind
sowohl  die  zeitlichen  als  auch  die  räumlichen  Abstände  der  auf  gleicher  Breite  liegenden  Stationen  sehr
viel  größer  als  bei  den  auf  gleicher  Länge  liegen  Stationen,  so  daß  hier  die  Feinheiten  in  der  Geschwindigkeitsverteilung ­
  der  Nord-Südkomponenten  von  den  zeitlichen  Schwankungen  der  hydrographischen
Elemente  vollkommen  überdeckt  werden  können.  Drittens  werden  die  im  3.  Kapitel  zu  behandelnden
Horizontalschnitte  über  die  Geschwindigkeitsfelder  in  den  verschiedenen  Niveaus  Aufschluß  geben.  Aus
diesen  Gründen  wollen  wir  auf  die  Darstellung  der  Nord-Südkomponenten  verzichten.
Die  Ergebnisse  der  Berechnung  sind  niedergelegt  in  Tabelle  1,  und  zwar  sind  die  Werte  positiv,  wenn
der  Strom  vom  Westen  nach  Osten  fließt,  negativ,  wenn  wir  Westströmung  haben.  Um  die  Ergebnisse
besser  zu  veranschaulichen,  wollen  wir  auch  noch  zwei  zeichnerische  Darstellungen  geben.  Die  gebräuchlichste ­
  Methode  ist  in  der  Meereskunde  die  Konstruktion  der  Linien  gleichen  Betrages  der  Geschwindigkeit.
            
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