Dr. Erich Höller: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
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Sumpfgebiet einzudringen; in der Trockenzeit sind die Schwierigkeiten immer noch sehr groß.
Das Land ist dann wasserlos wie eine Wüste, die Frage des Nachschubs ist schwer zu lösen,
die Wege müssen nach jeder Regenzeit neu hergestellt werden. (Die Forschungen dauerten
von 1927 bis 1931 und erstreckten sich auf das Gebiet von Bor nach 0 zum Pibor.) Eine
Kartierung läßt sich wohl nur mit Hilfe des Luftbildes durchführen.
Das Land ist eine eintönige offene Ebene; genaueste Aufnahmen zeigten, daß ein ganz
schwaches Gefälle vom S her zum Veveno besteht, der in etwa nordöstlicher Richtung nach
Pibor Post läuft. Vom höchsten Punkt am Steilrande der Djebeltalung, an einer Stelle südlich
von Bor, erfolgt ein Abfall um 1,5 m auf 20 km landein, dann ein gleichmäßiger Anstieg um
0,80 m auf 30 km bis zum Rande des hier 50 km breiten Waldstreifens. Dann folgt nach NO
für 30 km ein Abfall um 1 m, die Neigung verstärkt sich etwas mit Annäherung an den Veveno.
Der Boden ist schwarzer Cotton-soil mit wenigen Sandflecken. Nach der Regenzeit
trocknet er schnell, wird hart und reißt; die zahllosen Risse gehen bis über 1 m Tiefe. Man
brauchte und verbrauchte Äxte, um Löcher für die Meß- und Zeltpfähle zu hauen. Boden
proben aus größerer Tiefe konnten nicht gebracht werden; schon für die mitgebrachten Proben
aus höheren Lagen mußte man den Boden erst mit Wasser aufweichen und dann noch mit
Äxten bearbeiten. Er ist ein gelber Lehm, der in der Oberschicht durch Einwirkung von
äußeren Kräften zu schwarzem Cotton-soil wird. Ein feiner Sandgehalt nimmt mit der Tiefe
zu, schließlich wird der Lehm überhaupt von Sand abgelöst. Groben Sand trifft man ab und
an 5 bis 6 m unter der Oberfläche.
Die Arbeiten erfolgten in den Monaten Dezember bis März. Frühmorgens war die Luft
klar und kühl, aber bald wurde es sehr heiß; täglich wurden mehr als 40° im Schatten
gemessen. Das einzig Gute im Binnenlande ist das Fehlen von Moskitos, die in der Nähe der
Wasserläufe das Leben so verbittern. Nach dem Januar können jederzeit schwere, unperio
dische Regen niedergehen.
Der Veveno beginnt ganz unscharf in der offenen Ebene in der Nähe des Nils; es ist kaum
glaublich, daß er eine Hauptquelle des Pibor sein soll, der in der Flutzeit doch ein sehr
beachtlicher Strom ist. Das Bett wird langsam deutlicher. Der Oberveveno trocknet im Winter
vollständig aus, das nächste Wasser findet man dann im Bahr-el-Djebel; der Unterveveno hat
vielleicht einige Wasserstellen. Veveno und Lotilla treten zusammen und gehen bei Pibor Post
in den Karuno, der von hier an Pibor heißt. Der Pibor hat stets genügend Wasserstellen in
der Trockenzeit. Pibor Post (6° 50' N) ist meist bis Ende Oktober zu Schiff zu erreichen,
Akobo (7° 50' N) von Anfang Juli bis Mitte Dezember. Der Nyanding verläßt den Unterpibor
nach W und wendet sich dann nach N zum Sobat; er führt lange Wasser. In den untersten
Sobat tritt der Filus, der mit drei Qellarmen aus der südlichen Ebene kommt. Diese ist im
Januar ganz trocken; die wenigen Wasserlöcher (einige sind am Steppenrand des Djebel-
randwaldes) sind spätestens im Februar versiegt. Im Gebiet des Zusammenflusses von Pibor
und Baro befinden sich offenbar Dauersümpfe; das Nordufer des Sobat ließ Straßenbau zu.
Am Bahr-el-Djebel zieht sich ein Waldstreifen von wechselnder Breite entlang; 12 und
50 km Tiefe werden für zwei Stellen südlich von Bor genannt. Der Veveno hat erst reine
Grasufer, dann tauchen kümmerliche Akazien auf, die an Zahl zunehmen. Endlich ist die
offene Ebene verdeckt von Baum und Strauch an beiden Seiten; es entwickelt sich ein Wald
rand, der 6 km Tiefe erreicht. Der Oberlauf des Nyanding geht durch eine offene Grasebene;
der nördliche Teil ist von einem Waldstreifen begleitet, der zunimmt und an den Sobatrand-
wald stößt. Die innere Ebene ist bald nach Beginn der Regenzeit (von April an) ganz mit
dichtem Dorngras bestanden, das 1/4 bis 2% m hoch wird; wenige Einzelbäume unterbrechen
das eintönige Bild. Im Dezember beginnen die Grasbrände; hinterher sieht man nur kleine