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Volltext : 55, 1936

so

Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  55.  Bd„  Nr.  4

Nachtrag.
Diese  Arbeit,  die  bereits  1931  fertiggestellt  war,  blieb  aus  verschiedenen  Gründen  mehrere
Jahre  liegen;  im  Herbst  1935  wurde  es  möglich  zur  Drucklegung  zu  schreiten.  Ich  habe  das
inzwischen  neu  erschienene  Schrifttum  durchgesehen;  besonders  die  englische  Zeitschrift  „The
Geographical  Journal“  brachte  eine  Reihe  von  Veröffentlichungen,  die  das  Abiadbecken  betreffen.
Es  stellte  sich  heraus,  daß  keine  sachliche  Änderung  zu  erfolgen  brauchte,  daß  lediglich  manche
bereits  damals  ausgesprochenen  Vermutungen  bestätigt  oder  doch  fester  begründet  werden
konnten.  Für  den  am  wenigsten  bekannten  Teil  des  Abiadbeckens,  den  SO,  liegen  neue  Untersuchungen ­
  vor,  und  die  Klimageschichte  von  Ostafrika  ist  recht  eingehend  bearbeitet  worden.
Die  neuen  Ergebnisse  sollen  hier  in  einem  Nachtrag  zusammengefaßt,  das  betreffende  Schrifttum ­
  besonders  angegeben  werden.
Die  talloscn  Flüsse  und  die  Wanderseen  im  SO  waren  schon  1931  erkannt  worden;  es
hieß  damals  im  Text,  daß  die  Flüsse  „ihr  Bett  allmählich  aufhöhen“,  .  .  .  „nach  N  zu  werden
die  Ufer  immer  undeutlicher,  bis  zuletzt  die  Flüsse  als  Einsenkung  nicht  mehr  erkennbar  sind“,
.  .  .  „die  Flüsse  fließen  flächenhaft  als  seichte  Seen  nach  N  und  NO  ab“.  Für  das  Wort
„tallos“  stand  da  „ohne  Tal“.  Nach  persönlicher  Rücksprache  mit  Herrn  Professor  Kanter
und  nach  dem  Studium  seiner  Arbeiten:  „Das  Problem  der  wandernden  Seen  in  Trockengebieten“, ­
  Z.G.E.  1933,  S.  22  ff.,  und  „Das  Problem  der  tallosen  Flüsse“  (in:  „Der  Gran  Chaco
und  seine  Randgebiete“,  Hamburg,  1936)  habe  ich  die  Worte  „tallos“  und  „wandernder  See“
eingefügt.  Offenbar  sind  die  Verhältnisse  im  Abiadbecken  insofern  anders  als  in  dem  von
Herrn  Professor  Kanter  bereisten  Gebiete,  als  weite  Pluvialbetten  für  die  großen  Flüsse  vorhanden ­
  sind,  die  wohl  an  den  tiefsten  Stellen  liegen,  da  Cheran  hineingehen;  nach  den  Schilderungen ­
  der  Reisenden  soll  ein  Tal  durch  den  Augenschein  oft  nicht  erkannt  werden  können.
Die  kleineren  Flüsse  im  SO  sind  nicht  nur  tallos,  sondern  außerdem  noch  nahezu  oder  ganz
bettlos  für  den  mittleren  Teil  ihres  Laufes.
Im  Anschluß  soll  über  den  SO  berichtet  werden  auf  Grund  der  neuesten  Reisen,  und  dann
die  Klimageschichte  gebracht  werden,  wie  sie  sich  nach  den  letzten  Untersuchungen  darstellt.
Um  die  durch  die  Verdunstung  bewirkten  riesigen  Wasserverluste  zu  verringern,  den
Verkehr  zu  erleichtern  und  das  Sumpfland  möglichst  zu  beseitigen,  hatte  man  schon  um  die
Jahrhundertwende  den  Plan  gefaßt,  vielleicht  den  Lauf  des  Bahr-el-Djebel  auszubauen  oder
einen  Kanal  östlich  um  den  Sudd  herumzuführen  oder  einen  solchen  ungefähr  von  Bor  nach  0
zum  Pibor  zu  richten.  Vor  1928  war  von  dem  Land  im  O  des  Bergnils  wenig  bekannt  außer
seiner  Ungastlichkeit.  Bei  der  sehr  hohen  Flut  1904  war  Comyn  den  Pibor  und  Veveno  hinaufgefahren, ­
  bis  die  Fahrrinne  von  der  umgebenden  überfluteten  Ebene  nicht  mehr  zu  unterscheiden
war,  etwa  450  km  oberhalb  von  Nasser.  Das  war  eine  kühne  Tat,  denn  der  Pibor  fällt  oft  sehr
plötzlich,  so  daß  Comyn  leicht  vom  Rückweg  hätte  abgeschnitten  werden  können.  1912  war
Kelly  mit  einer  Militärpatrouille  unter  großen  Schwierigkeiten  vom  Nil  zum  Pibor  hinübergewandert. ­
  1918  wurde  ein  vergeblicher  Versuch  gemacht,  in  das  Land  einzudringen.  Sonst
waren  höchstens  gelegentliche  schnelle  Streifen  in  das  Innere  vorgestoßen.  Die  neuesten  Untersuchungen ­
  wären  auch  ohne  besondere  Wegebaumaschinen  und  Spezialautos  unmöglich  gewesen. ­
  In  der  Regenzeit  ist  es  ganz  ausgeschlossen,  in  das  mit  hohem  Dorngras  bestandene
            
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