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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd.. Nr. 4
Die niedrigen Niederschlagsangaben für den südöstlichen Teil des Beckens sind vielleicht
mehr aus dem Vegetationsscharakter gefolgert, als aus tatsächlichen Beobachtungen abgeleitet;
jedenfalls ist der Regen dort intensiv, aber seine Menge ist unbekannt. Das riesige Flachland
ist auf weite Strecken hin mit einem ganz üblen Dornbusch oder mit Gras bestanden, ln der
Trockenzeit ist das Land wasserlos und leer von Tieren und Menschen. Nur die Fluß- und
Bachufer haben Bäume, Mimosen, Tamarinden, Kigelien und Hegelig. In der Regenzeit ist das
Land ein einziger Sumpf durch die am Orte fallenden Niederschläge und durch die von S
kommenden Flüsse. Da ein Gefälle fast völlig fehlt, entstehen im Sommer riesenhafte, rund
1 m tiefe Seen. Wichtig ist der Umstand, daß von Abessinien kaum Wasser herbeikommt,
da der nordwärts fließende Pibor dieses Wasser mitnimmt. Im N ist die Regenzeit etwas
später, und zum Sobat hin sammeln sich die abessinischen Flüsse; wenn nun im S die Zufuhr
von Wasser geringer wird, steigen Baro und Sobat noch; wegen der Flachheit des Landes ist
das Sobathochwasserniveau höher als ein breiter Streifen im S des Flusses; das dort vor
handene Regenflutwasser vermag also nicht abzuziehen. Erst wenn der Baro geringer
geworden ist, erfolgt ein Abfluß aus der südlichen Ebene, aber nur langsam wegen des mini
malen Gefälles; so wird die Dauer des Sobathochwassers verlängert. Wenn das Oberflächen
wasser abgeflossen ist, ist der Vorrat auch ganz erschöpft; Graben nützt nichts, da kein prak
tisch erreichbares Grundwasser vorhanden ist. Das liegt einmal an dem völligen Fehlen von
Inselbergen und zweitens an der Bedeckung mit reinem Cotton-soil, der kein Wasser aufnimmt
und deshalb quellenlos ist. Solchen Wasserverhältnissen ist nur kurzlebiges Gras oder Dorn
gesträuch gewachsen. Der Hügelzug des Duk hat sandigen Boden und daher Grundwasser,
damit auch einen dichten Baumwuchs und gutes Gras.
Die Nassen Landschaften sind natürlich Fremdlingsformen, deren Bewässerung und
Pflanzenverhältnisse nicht im Einklang mit den am Ort fallenden Niederschlägen stehen. Sie
haben zwar auch Regen, sind aber gänzlich abhängig von den Niederschlägen in Abessinien
und im südlichen äquatornahen Bergland; der Transport dieser Wassermassen wird durch die
Oberflächenverhältnisse sehr interessant gestaltet.
Der Bergnil steigt zuerst, aber langsam wegen des geringen Gefälles und der Ausbreitung
des Wassers im Suddgebiete. Der Sobat folgt dann, aber gelangt schneller zum Abiad, der
Transport nach N erfolgt langsam. So ist der Asrak der erste, der ein energisches Steigen
des Wassers bei Chartum hervorruft. Er erhöht den Spiegel seines schnell fließenden Wassers
um mehrere Meter (bis 8 m), und damit wird das Gefälle des Abiad, das im Unterlaufe dieses
Flusses weniger als 1 cm/km beträgt, aufgehoben; es entsteht ein natürlicher Stausee von wohl
450 km Länge. Später, wenn der Asrak seine Hochwasserzeit hinter sich hat, kann dieser
nördliche Stausee leerfließen. Inzwischen ist im S folgendes geschehen: Der Sobat ist schneller
gestiegen als der Abiad; schon 234 m genügen, um die Abflußrichtung des Djebel und Ghazal,
die fast nur durch Nachschub fließen, für eine weite Strecke umzukehren; dabei erhalten die
beiden westlichen Flüsse ununterbrochen von S Zufluß. Die südlichen Tributäre des Sobat
werden ebenfalls gestaut; im Pibor z. B. erfolgt im Sommer eine Zeitlang eine Südströmung.
Das Sobathochwasser fließt nun zunächst den Abiad hinab und dann das Wasser des zweiten
natürlichen Stausees im O, der 34 bis 1 m tief ist und große Verdunstungsverluste erleidet;
auf diese Weise hat der Sobat eine lange Flut, von März bis November, die Baroflut ist bereits
im September zu Ende. Das Sommerwasser ist sehr reich an Schlamm, das Stauwasser da
gegen sehr arm daran. Nun erst fließt der dritte Stausee, das Suddgebiet von Djebel und
Ghazal, das also bis in den Dezember hinein hohes Wasser hat, leer. Diese drei Stauseen
bedingen die lange Flut des Nils und die hohe Vegetation an seinen Ufern. Einen Einfluß auf
die Fluthöhe haben Sonnenfleckenperioden und die Suddperioden.