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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd„ Nr. 4
Borassuspalmen, Ficus, Sykomoren und Bambus sind zu nennen. Die Abiaduferlandschaft
ist eine unbedingte Fremdlingsform in der umgebenden Steppe, ganz abhängig von dem
Flußwasser; nachher wird noch einmal kurz darauf hingewiesen werden.
8. Der Bahr-el-Djebel. Wenn man von N aus dem Kerngebiete des Sudd herkommend
den Djebel hinauffährt, sieht man zuerst aus dem Qrasdeckensumpf, aus der Wildnis von
Ambatsch, Papyrus und Om Suf einzelne feste Inseln aufragen, deren Abhänge Bäume tragen,
und schließlich in der Ferne den festen Rand der inneren Platte. Das Fahrwasser ist begrenzt
von schwimmenden Grasdecken, von Altwässern und Uferwallresten; dahinter liegt der
baumlose und ganz flache Toich, der jedes Jahr in riesiger Breite überschwemmt wird. Im
Herbst zieht das Wasser sich zurück, die Ufersumpfseen werden kleiner, und der Toich, der
Lehmboden besitzt, kann sehr stark austrocknen. Die Überschwemmungsebene findet ihr
Ende am hohen Rand, der Wald trägt; das ist der Gog. Vom Toich und vom Fluß her
hat man anfangs den nicht erfreulichen Ausblick auf eintönige Bestände von Akazien und
Mimosen (Sunt und Kitr); weiter im S werden die Wälder dichter und treten näher an den
Fluß heran; Tamarinden, Sykomoren, Kronleuchtereuphorbien, Borassus- und Dompalmen
bieten ein angenehmeres Bild. Der höchste Teil des Waldes wird zur Trockenzeit wasser
los, ist also nicht ständig bewohnbar, bietet aber Zuflucht in der Regenzeit, wenn das Innere
des Landes ein See ist. Nahe am Südrande des Beckens hat der Djebel Waldufer. Die
fossilen Uferwälle rücken also am Abiad von S nach N, am Djebel von N nach S immer
näher an den Fluß heran. Im N des Djebel und S des Abiad weichen sie ganz zurück und
lassen zwischen sich die letzte Landschaft, das Suddgebiet, das demnach nur eine Ver
größerung der Eigenschaften der Flußuferlandschaft ist.
Das windungsreiche und viele Abzweigungen besitzende Hauptwasser bleibt also dem
Rande meist fern, den das Wasser auch wohl nur selten und an niedrigen Stellen übersteigt.
Wir können uns vorstellen, daß zwischen den Platten mit den offenbar erhöhten Rändern
(fossiler Uferwall) ein riesiges Urbett verläuft, das die Wassermassen der Pluvialzeit schufen,
und in dem der heutige zu kleine Fluß hin und her pendelt. Ein eigentliches Flußtal ist nicht
zu erkennen, aber wohl vorhanden, da Cheran von den Seiten herankommen. Der Bahr-el-
Djebel als solcher beeinflußt also nicht die innere Steppe, sondern nur seine eigene unmittel
bare, wenn auch recht breite Uferlandschaft.
b) Die Suddian dschaft, eine Zusammengesetzte Fluß-,
Sumpf- und Steppenlandschaft.
Zwei Suddbezirke sind im Abiadbecken vorhanden, ein östlicher im Gebiete der Unterläufe
der Sobatquellströme und ein westlicher am unteren Djebel und Ghazal, Der östliche ist durch
eine breite Zwischenstromplatte, das südöstliche Becken, vom westlichen getrennt; zwischen
dem Rohl, dem östlichsten Ghazaltributär, und dem Nil ist auch eine größere Platte vorhanden,
die aber zu schmal ist, um eine deutliche Trennung hervorzurufen, vielmehr sind die beiden
Flüsse durch Anastomosen verbunden und verstärken sich in ihrer Wirkung.
Das Suddgebiet ist eine Übertragung der bereits geschilderten Flußuferlandschaft in das
Große. Typisch ist, daß eine Anzahl von Strömen zunächst einander parallel läuft, um sich
schließlich nahezu in einem Punkte zu vereinigen, und einen gemeinsamen Mündungsarm besitzt;
im W ist es der kurze Bahr-el-Ghazal, im 0 der längere Sobat. Die Zwischenstromplatten
fallen nur wenige Meter, aber steil gegen die Flußtalung ab; da die Flüsse sich vereinigen,
müssen zum Kern hin die Platten verschwinden, die Flußtalungen gehen seitlich ineinander über.
Bereits vorher sind die Platten durch Flußerosion angegriffen und z. T. in platte Inseln auf
gelöst. Der Rand der Platten trägt Wald, das Innere Steppe; das ist auch bei den Inseln der
Fall, wie z. B. Schweinfurth vom Ghazal erzählt und Marno vom Seraf.