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Volltext : 55, 1936

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Dr.  Erich  Holler:  Feucht-  und  Trockensteppen  im  Abiadbecken.

Mittellauf  begleiten  Parkland  und  reine  Grasflur  den  Strom;  in  einiger  Entfernung  folgen
Grasebenen  mit  niedrigen  zerstreuten  Büschen  und  Akazien.  Es  ist  nicht  zu  ersehen,  ob
und  wie  hier  fossile  Uferwälle  verlaufen.
Die  Wasserführung  des  Sobat  ist  periodisch,  aber  nicht  so  stark  wie  die  der  nördlichen
Flüsse;  er  entspringt  in  einem  Lande,  das  eine  doppelte  Regenzeit  besitzt,  und  schon  so  wird
die  Flutzeit  ausgedehnt.  Nur  in  Ausnahmeiällen  kann  er  im  Unterlauf  fast  versiegen.  Es
kommt  hinzu,  daß  die  Wasser  des  Baro,  der  das  stärkste  Gefälle  hat,  am  schnellsten  steigen;
so  werden  die  südlichen  Flüsse  (d.  i.  im  östlichen  Suddgebiet),  der  Pibor  und  seine  östlichen
Zuflüsse,  ebenso  die  Regenfluten  der  südöstlichen  Ebene  gestaut  und  bilden  riesige  Seen,
die  natürlich  große  Verdunstungsverluste  erleiden.  Erst  wenn  das  Barohochwasser  abgeflossen ­
  ist,  kann  das  Wasser  der  südlichen  Ebenen,  die  also  einen  zweiten  natürlichen
Stausee  bilden,  zum  Nil  strömen.  Für  die  Fluthöhen  scheinen  langjährige  Perioden  zu
bestehen.
7.  DerBahr-el-Abiad.  Die  Flüßuferlandschaft  des  Nils  ist  durch  das  westliche  Suddgebiet ­
  in  die  nördliche  Landschaft  des  Bahr-el-Abiad  und  die  südliche  des  Bahr-el-Djebel
geteilt.  Für  uns  wichtig  ist  die  Kenntnis  der  Wasserführung,  und  zwar  natürlich  des  Gesamtflusses, ­
  nicht  des  Abiad  allein.  Das  Nilgebiet  hat  eine  Fläche  von  rund  3  000  000  km 2 ,  davon
haben  der  Djebel  nahezu  200  000,  der  Ghazal  550  000  (Willcocks  gibt  470  000  an),  der  Sobat
245  000  (Willcocks;  156  000),  der  Abiad  350  000  (Willcocks;  390  000)  und  der  Asrak
330  000  (Willcocks:  300  000;  alles  in  abgerundeten  Zahlen).  Bei  Mongalla,  auf  5°  N,  fließen
im  Jahre  durchschnittlich  42  km 3  vorbei.  Zwei  Maxima  sind  festgestellt;  Ende  Januar  steht
das  Wasser  tief  und  steigt  bis  zum  April,  sinkt  dann  etwas  wieder  und  steigt  danach  bis
zu  einem  höheren  Maximum  im  August  und  September.  Der  Grund  ist  in  der  doppelten
Regenzeit  des  Einzugsgebietes  und  in  der  Tatsache  zu  suchen,  daß  ein  großer  Teil  des
Flußwassers  aus  dem  S  vom  Albert-See  herbeiströmt.  Der  Djebel  hat  auf  diese  Weise  bei
Mongalla  im  März,  also  gegen  Ende  der  Trockenzeit  einen  hohen  Wasserstand.  Das  Wasser
gelangt  in  das  Sumpfgebiet  des  Sudd,  wo  eine  ganz  ungeheure  Verdunstung  einsetzt,  so  daß
nur  V«  (vielleicht  mehr,  aber  höchstens  i h)  des  inzwischen  von  Mineralstoffen  klargefilterten
Wassers  den  Abiad  erreicht;  der  Djebel  mündet  also  praktisch  in  diesen  Sumpf.  Der  Ghazal
mit  seiner  trägen  Strömung  erleidet  ebenfalls  sehr  große  Verdunstungsverluste,  so  daß  er
dem  Hauptfluß,  obwohl  er  etwa  V«  des  Nilgebietes  entwässert,  äußerst  wenig  Wasser  liefert.
Der  so  entstandene  Abiad  würde  allein  nie  Chartum  erreichen;  aber  der  Sobat  fügt  18  km 3
im  Jahre  hinzu.  Er  kommt  vom  Mai  an  mit  großer  Gewalt  aus  dem  hohen  Abessinien  herunter, ­
  bildet  den  schon  erwähnten  zweiten  Stausee  an  seiner  Südseite  und  staut  außerdem
den  Abiad,  ja  er  geht  z.  T.  in  dem  Nil  flußauf.  Im  Djebel  und  im  Ghazal  beobachtete  man
zur  Zeit  der  Sobathochflut  eine  rückwärts  gerichtete  Strömung.  Hier  im  westlichen  Suddgebiet ­
  ist  also  ein  dritter  Wasserspeicher  vorhanden,  der  erst  leerläuft,  wenn  der  Sobat
gesunken  ist,  von  Dezember  bis  Februar.  Der  weitaus  größere  Teil  des  gespeicherten
Wassers  geht  durch  Verdunstung  verloren,  nur  eine  kleine  Menge  fließt  ab.  Der  Abiad
liefert  2A G %  des  Gesamtnilwassers  von  mehr  als  J4  des  Einzugsgebietes.
Der  Abiad  hat  sich  eine  bedeutende  Uferlandschaft  geschaffen;  der  heutige  Fluß  füllt  die
Ebene  zwischen  den  Plattenrändern  nicht  aus,  er  mäandert  und  hat  unvollständige  Uferwälle
aufgebaut;  der  Rand  ist  vielleicht  ein  fossiler  Uferwall.  Hinter  den  jungen  Dämmen  liegen
tonige  Uberschwemmungsebenen  mit  Graswuchs,  während  der  Rand  Wald  trägt.  Die
Uferwälle  sind  z.  T.  durch  riesiglange,  2  m  hohe  Schilfmauern  ersetzt,  hinter  denen  ein
Grasmeer  liegt.  Nach  S  erfolgt  eine  Zunahme  der  Vegetation;  Akazien,  Mimosen,  Dom-  und
            
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