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Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
Mittellauf begleiten Parkland und reine Grasflur den Strom; in einiger Entfernung folgen
Grasebenen mit niedrigen zerstreuten Büschen und Akazien. Es ist nicht zu ersehen, ob
und wie hier fossile Uferwälle verlaufen.
Die Wasserführung des Sobat ist periodisch, aber nicht so stark wie die der nördlichen
Flüsse; er entspringt in einem Lande, das eine doppelte Regenzeit besitzt, und schon so wird
die Flutzeit ausgedehnt. Nur in Ausnahmeiällen kann er im Unterlauf fast versiegen. Es
kommt hinzu, daß die Wasser des Baro, der das stärkste Gefälle hat, am schnellsten steigen;
so werden die südlichen Flüsse (d. i. im östlichen Suddgebiet), der Pibor und seine östlichen
Zuflüsse, ebenso die Regenfluten der südöstlichen Ebene gestaut und bilden riesige Seen,
die natürlich große Verdunstungsverluste erleiden. Erst wenn das Barohochwasser ab
geflossen ist, kann das Wasser der südlichen Ebenen, die also einen zweiten natürlichen
Stausee bilden, zum Nil strömen. Für die Fluthöhen scheinen langjährige Perioden zu
bestehen.
7. DerBahr-el-Abiad. Die Flüßuferlandschaft des Nils ist durch das westliche Sudd
gebiet in die nördliche Landschaft des Bahr-el-Abiad und die südliche des Bahr-el-Djebel
geteilt. Für uns wichtig ist die Kenntnis der Wasserführung, und zwar natürlich des Gesamt
flusses, nicht des Abiad allein. Das Nilgebiet hat eine Fläche von rund 3 000 000 km 2 , davon
haben der Djebel nahezu 200 000, der Ghazal 550 000 (Willcocks gibt 470 000 an), der Sobat
245 000 (Willcocks; 156 000), der Abiad 350 000 (Willcocks; 390 000) und der Asrak
330 000 (Willcocks: 300 000; alles in abgerundeten Zahlen). Bei Mongalla, auf 5° N, fließen
im Jahre durchschnittlich 42 km 3 vorbei. Zwei Maxima sind festgestellt; Ende Januar steht
das Wasser tief und steigt bis zum April, sinkt dann etwas wieder und steigt danach bis
zu einem höheren Maximum im August und September. Der Grund ist in der doppelten
Regenzeit des Einzugsgebietes und in der Tatsache zu suchen, daß ein großer Teil des
Flußwassers aus dem S vom Albert-See herbeiströmt. Der Djebel hat auf diese Weise bei
Mongalla im März, also gegen Ende der Trockenzeit einen hohen Wasserstand. Das Wasser
gelangt in das Sumpfgebiet des Sudd, wo eine ganz ungeheure Verdunstung einsetzt, so daß
nur V« (vielleicht mehr, aber höchstens i h) des inzwischen von Mineralstoffen klargefilterten
Wassers den Abiad erreicht; der Djebel mündet also praktisch in diesen Sumpf. Der Ghazal
mit seiner trägen Strömung erleidet ebenfalls sehr große Verdunstungsverluste, so daß er
dem Hauptfluß, obwohl er etwa V« des Nilgebietes entwässert, äußerst wenig Wasser liefert.
Der so entstandene Abiad würde allein nie Chartum erreichen; aber der Sobat fügt 18 km 3
im Jahre hinzu. Er kommt vom Mai an mit großer Gewalt aus dem hohen Abessinien her
unter, bildet den schon erwähnten zweiten Stausee an seiner Südseite und staut außerdem
den Abiad, ja er geht z. T. in dem Nil flußauf. Im Djebel und im Ghazal beobachtete man
zur Zeit der Sobathochflut eine rückwärts gerichtete Strömung. Hier im westlichen Sudd
gebiet ist also ein dritter Wasserspeicher vorhanden, der erst leerläuft, wenn der Sobat
gesunken ist, von Dezember bis Februar. Der weitaus größere Teil des gespeicherten
Wassers geht durch Verdunstung verloren, nur eine kleine Menge fließt ab. Der Abiad
liefert 2A G % des Gesamtnilwassers von mehr als J4 des Einzugsgebietes.
Der Abiad hat sich eine bedeutende Uferlandschaft geschaffen; der heutige Fluß füllt die
Ebene zwischen den Plattenrändern nicht aus, er mäandert und hat unvollständige Uferwälle
aufgebaut; der Rand ist vielleicht ein fossiler Uferwall. Hinter den jungen Dämmen liegen
tonige Uberschwemmungsebenen mit Graswuchs, während der Rand Wald trägt. Die
Uferwälle sind z. T. durch riesiglange, 2 m hohe Schilfmauern ersetzt, hinter denen ein
Grasmeer liegt. Nach S erfolgt eine Zunahme der Vegetation; Akazien, Mimosen, Dom- und