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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4
September fällt er sehr schnell und im Oktober versiegt er. Der Atbara liefert etwa 11 %
des Wassers bei Assuan aus rund 712 des gesamten Nileinzugsgebietes. Seine Ufer sind
bewaldet, Teile seines Bettes dienen bei Niedrigwasser dem Ackerbau.
3. Der Rah ad. Er entwässert einen Teil des Nordwestrandes von Abessinien und führt
dem Asrak in der Regenzeit eine nicht unbedeutende Menge Wasser zu, im Winter versiegt
er ganz. Er ist von Uferbäumen bis -Wäldern begleitet. Seine Breite im Unterlauf beträgt
bei hohem Wasserstande 60 m, die Tiefe 3 m.
4. D e r D i n d e r. Er ist ein größerer Bruder des Rahad (120 m breit und 4 m tief), hat eine
stärkere Wasserführung und ausgedehntere Uferwälder.
5. Der Bahr-el-Asrak. Der Blaue Nil ist weitaus bedeutender als die bisher genannten
Flüsse; er hat sich eine ausgeprägte Uferlandschaft geschaffen. In der nördlichen Wüsten
steppe folgt auf eine sehr pflanzenarme Strecke bald ein dünner Uferwald, der nach S zu
einem üppigen Tropenwalde sich entwickelt. Diese Umwandlung geht schneller vor sich als
in der inneren Steppe, die erst dort, wo die Inselberge auftreten, Buschwald und später
Akazienwald zeigt. Der Asrak hat infolge seiner großen Geschwindigkeit im Sommer stark
erodierende Kraft und hat sich ein Bett von so bedeutender Tiefe und Weite geschaffen
(nahe Chartum ist die Wasserbreite bei Flut 380 m), daß das Wasser des Flusses trotz der
gewaltigen regenzeitiichen Zunahme kaum über den oberen Uferrand hinaustritt. Die
Stcppenplatte fällt mit einem Steilrand zu einem großen Urstrombett ab, in dem der heutige
Asrak und manche Altwässer liegen; der Blaue Nil hat seinen Lauf innerhalb der Platten
ränder mehrfach geändert. Die sommerliche Flut des Asrak trifft bei Chartum früher ein
(sie beginnt im Mai und klingt im Oktober ab) und ist höher als die des Abiad. Willcocks
gibt für den Abiad eine Wasserstandszunahme von 4 m, für den Asrak von 8 m an. Zu
Beginn der Regenzeit steigen beide Ströme, der Asrak aber schneller; von Mitte Juli an
hemmt der Blaue Nil den Abfluß des Weißen Flusses für eine längere Zeit, in dem dann,
wie schon erwähnt wurde, eine waagerechte Wassermasse ruht, die eine Länge von 450 km
(Willcocks gibt 300 km und an einer anderen Stelle auch nur 200 km an) besitzt und einen
natürlichen Stausee bildet, der bis Renk reicht. Im Oktober und November fällt der Asrak
stark, und dann kann der Abiad abfließen. Die Jahreswassermenge des Asrak verhält sich
zu der des Abiad wie 3:1; von August bis Oktober laufen */* der Qesamtwasscrmasse durch
den vereinigten Nil, davon 7» durch den Asrak und je V« durch den Abiad und Atbara;
in der anderen Zeit des Jahres aber liefert der Abiad 85 %, der Asrak 15 % und der Atbara
gar nichts. Der Asrak bringt 65 % der Wassermasse des vereinigten Nils von etwa 1 /io
des Einzugsgebietes. Schweinfurth schreibt: „Der Blaue Nil kann ausschließlich als die
Mutter der ägyptischen Fruchtbarkeit und zugleich als die Ursache der Nilschwelle (indem
er einen Überschuß liefert zu der konstanten Masse des Flusses) betrachtet werden, wogegen
der Weiße Nil der Vater seiner Lebensfähigkeit ist, der ihm die Ausdauer und Gleich
mäßigkeit erteilt, welche verhindert, daß das Land im N zur Sommerszeit verdurstet.“ Es
ist tatsächlich so, daß der Weiße Nil allein nicht die Wüste überwinden könnte; der schlamm
reiche Blaue Fluß aber ist im Winter so schwach, daß nur der Abiad eine ausdauernde
Wasserführung gewährleistet.
6. Der Sobat. Der Sobat ist der gemeinsame Mündungsarm des östlichen Suddflußsystems;
er entwässert den niederschlagreichen Südwestrand des Hochlandes von 534° N bis 10° N;
seine Hauptquellflüsse von N nach S sind: Baro, Gelo, Akobo und Pibor. Er ist ein Damm
fluß; hinter dem Damm liegen sehr ausgedehnte Seen und Sümpfe, die Reste von Hoch
wasserdurchbrüchen sind. Die letzten 50 km soll der Fluß zwischen hohen bewaldeten
Ufern dahinlaufen, die er nie überflutet; das Bett ist bis 13 m tief und bis 120 m breit. Am