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Full text: 55, 1936

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Dr, Erich Höller: Feucht- und Trockensteppen itn Abiadbecken. 
Der granitische Südrand des Abiadbeckens ist undeutlicher ausgebildet als der Ostrand. 
Das Granitmassiv des S läuft in etlichen SO/NW streichenden Ketten aus, die' langsam in der 
Ebene untertauchen; einzelne Inselberge sind vorgelagert. Zwischen den Bergreihen dringen 
Tieflandbuchten nach S vor. Die Lango-Schuli-Berge z. B. bilden etwa ein nach NW geöff 
netes Hufeisen. Torit auf 4° 30' N liegt schon in der Ebene in rund 600 m Meereshöhe. Die 
hier eingreifende Flachlandbucht ist ungefähr 100 km lang und bis 35 km breit; in ihr fließt 
der Kineti nach N bis NW. Der Boden ist ein lehmiger Sand, der in Bergnähe den anstehenden 
Granit nicht völlig bedeckt, mehrfach auch reiner Sand, geht aber nach N bald in Cotton-soil 
über, der auch schon Teile der Buchten einnimmt. Humusreichtum wird von einigen Forschern 
genannt und die Fruchtbarkeit des Bodens gerühmt. Eine starke Erosion wird bedingt durch 
eine große Zahl von Bächen und kleineren Flüssen, die in tief eingeschnittenen Betten das 
Granitgebiet verlassen und nach dem Zusammenfluß in mehreren größeren Flüssen nach N in 
die Ebene treten; von W nach O sind zu nennen: Kineti und Kos, die nach rund 150 km Lauf 
in den Badigcrusumpf nordwestlich von Mongalla und einen anderen Sumpf weiter östlich im 
unbekannten Lande gehen sollen, Borghei, Kidepo, Zangaietta, Lomayen u. a., die in der Regen 
zeit, wenn sie wasserreich sind (der Kineti ist dann in der Bucht 30 m breit und 3 bis 4 m tief), 
vielleicht als Quellflüsse des Pibor anzusehen sind, später in der Trockenzeit aber draußen in 
der Ebene oberflächlich ganz austrocknen, ln der Tieflandbucht bleiben sie fast immer als 
schwache Rinnsale, in unmittelbarer Nähe des Bergrandes als beachtliche Bäche mit klarem 
Wasser erhalten. 
Also auch hier herrscht ein sehr starker Wechsel in der Wasserführung. Im Sommer rufen 
die Flüsse bereits in den Tieflandbuchten große Überflutungen hervor; die Bewohner schützen 
ihre Felder dadurch, daß sie sie mit Strohwänden eintriedigen. In der Trockenzeit sind weite, 
ganz wasserlose Strecken vorhanden, Regenzeitsümpfe und Endsümpfe können ein wüsten 
artiges Aussehen annehmen; auffallend ist auch hier wieder das Vorhandensein von Rand 
sümpfen. Der Lotogipi auf 4° 30' N und 35° O, in den u. a. der verkümmernde Tarasch geht, 
scheint zugleich ein Wasserscheidensumpf zwischen dem Nil und dem Rudolf-See zu sein, der 
in sehr niederschlagsreichen Jahren dem Rudolf-See einiges Wasser zuführt; in seiner Nach 
barschaft gibt es salzige Quellen. 
Die Berghänge des Schulilandes im W des Kineti sind zum Teil stark bewaldet; hier ist 
nach Chipp der äußerste Vorläufer des dichten zusammenhängenden Tropenwaldes des Kongo 
gebietes. Mehrfach sind die tieferen Hänge zu steil für Bäume oder sie sind ganz mit Ver 
witterungsschutt bedeckt. Nordöstlich des Kineti nehmen die Niederschläge sehr rasch ab, und 
dort wachsen selbst in den Bergen nur kleine Akazien. Der Kineti hat in der Bucht mit Bäumen 
und Büschen bestandene Ufer, die Ebene selbst ist grasig. Das Tierleben ist sehr reich. 
Wir haben also einen undeutlichen, gebuchteten Rand des Massivs gegen das völlig ebene 
Becken, von einem welligen Ubergangsgebiet liest man nichts. Die Wasserverhältnisse sind 
sehr stark wechselnd; die Pflanzendecke ist Wald, besonders an den Hängen und an den 
Ufern, und Parkland in Randnähe; weiter draußen ist Grasebene und häufig undurchdringliches 
Dornendickicht. 
2. Der nördliche Teil der Aufschüttungsebene, eine 
modifizierte Inselbergsteppenplatte. 
Diese Landschaft dehnt sich zwischen Abessinien und dem Weißen Nil aus, reicht nördlich 
etwa bis zu einer Linie Chartum-Kassala und südlich bis in die Nähe des Sobat, dessen rechtes 
Ufergebiet vielleicht schon zum südlichen Typ der Ebene gehört, der gleich im Anschluß 
besprochen werden soll.
	        
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