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Dr, Erich Höller: Feucht- und Trockensteppen itn Abiadbecken.
Der granitische Südrand des Abiadbeckens ist undeutlicher ausgebildet als der Ostrand.
Das Granitmassiv des S läuft in etlichen SO/NW streichenden Ketten aus, die' langsam in der
Ebene untertauchen; einzelne Inselberge sind vorgelagert. Zwischen den Bergreihen dringen
Tieflandbuchten nach S vor. Die Lango-Schuli-Berge z. B. bilden etwa ein nach NW geöff
netes Hufeisen. Torit auf 4° 30' N liegt schon in der Ebene in rund 600 m Meereshöhe. Die
hier eingreifende Flachlandbucht ist ungefähr 100 km lang und bis 35 km breit; in ihr fließt
der Kineti nach N bis NW. Der Boden ist ein lehmiger Sand, der in Bergnähe den anstehenden
Granit nicht völlig bedeckt, mehrfach auch reiner Sand, geht aber nach N bald in Cotton-soil
über, der auch schon Teile der Buchten einnimmt. Humusreichtum wird von einigen Forschern
genannt und die Fruchtbarkeit des Bodens gerühmt. Eine starke Erosion wird bedingt durch
eine große Zahl von Bächen und kleineren Flüssen, die in tief eingeschnittenen Betten das
Granitgebiet verlassen und nach dem Zusammenfluß in mehreren größeren Flüssen nach N in
die Ebene treten; von W nach O sind zu nennen: Kineti und Kos, die nach rund 150 km Lauf
in den Badigcrusumpf nordwestlich von Mongalla und einen anderen Sumpf weiter östlich im
unbekannten Lande gehen sollen, Borghei, Kidepo, Zangaietta, Lomayen u. a., die in der Regen
zeit, wenn sie wasserreich sind (der Kineti ist dann in der Bucht 30 m breit und 3 bis 4 m tief),
vielleicht als Quellflüsse des Pibor anzusehen sind, später in der Trockenzeit aber draußen in
der Ebene oberflächlich ganz austrocknen, ln der Tieflandbucht bleiben sie fast immer als
schwache Rinnsale, in unmittelbarer Nähe des Bergrandes als beachtliche Bäche mit klarem
Wasser erhalten.
Also auch hier herrscht ein sehr starker Wechsel in der Wasserführung. Im Sommer rufen
die Flüsse bereits in den Tieflandbuchten große Überflutungen hervor; die Bewohner schützen
ihre Felder dadurch, daß sie sie mit Strohwänden eintriedigen. In der Trockenzeit sind weite,
ganz wasserlose Strecken vorhanden, Regenzeitsümpfe und Endsümpfe können ein wüsten
artiges Aussehen annehmen; auffallend ist auch hier wieder das Vorhandensein von Rand
sümpfen. Der Lotogipi auf 4° 30' N und 35° O, in den u. a. der verkümmernde Tarasch geht,
scheint zugleich ein Wasserscheidensumpf zwischen dem Nil und dem Rudolf-See zu sein, der
in sehr niederschlagsreichen Jahren dem Rudolf-See einiges Wasser zuführt; in seiner Nach
barschaft gibt es salzige Quellen.
Die Berghänge des Schulilandes im W des Kineti sind zum Teil stark bewaldet; hier ist
nach Chipp der äußerste Vorläufer des dichten zusammenhängenden Tropenwaldes des Kongo
gebietes. Mehrfach sind die tieferen Hänge zu steil für Bäume oder sie sind ganz mit Ver
witterungsschutt bedeckt. Nordöstlich des Kineti nehmen die Niederschläge sehr rasch ab, und
dort wachsen selbst in den Bergen nur kleine Akazien. Der Kineti hat in der Bucht mit Bäumen
und Büschen bestandene Ufer, die Ebene selbst ist grasig. Das Tierleben ist sehr reich.
Wir haben also einen undeutlichen, gebuchteten Rand des Massivs gegen das völlig ebene
Becken, von einem welligen Ubergangsgebiet liest man nichts. Die Wasserverhältnisse sind
sehr stark wechselnd; die Pflanzendecke ist Wald, besonders an den Hängen und an den
Ufern, und Parkland in Randnähe; weiter draußen ist Grasebene und häufig undurchdringliches
Dornendickicht.
2. Der nördliche Teil der Aufschüttungsebene, eine
modifizierte Inselbergsteppenplatte.
Diese Landschaft dehnt sich zwischen Abessinien und dem Weißen Nil aus, reicht nördlich
etwa bis zu einer Linie Chartum-Kassala und südlich bis in die Nähe des Sobat, dessen rechtes
Ufergebiet vielleicht schon zum südlichen Typ der Ebene gehört, der gleich im Anschluß
besprochen werden soll.