Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
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„Die Schilfsümpfe, wie sie z. B. im Abiadbecken am Zusammenfluß des Bahr-el-Ghazal und Abiad
entstanden sind, weisen ganz ähnliche Erscheinungen auf (d. h. wie Waldsümpfe). Es sind
typische Suddsümpfe, mit schwimmender Decke aus verfilzten Wurzelstöcken von Gräsern und
mit den baumartigen, sehr rasch wachsenden Ambatschdickichten. Kanäle von wechselnder
Tiefe und Eorm durchziehen den Suddsumpf; weite Überschwemmungsebenen mit Hochgras
flur — mit und ohne Palmen —, örtlich auch mit Sumpfwald, fassen diese Sümpfe ein. Die
periodisch absterbenden Ambatschwälder sind es, die die furchtbaren Verstopfungen der Kanäle
und Überschwemmungen verursachen, ganz entsprechend den Raftbildungen Louisianas.“
Die Suddsümpfe sind der alles beherrschende landschaftliche Faktor in dem inneren Delta
des Nils und des Ghazal. Das Gebiet ist reich an Vorzeitformen, die besonders auf höheren
Niederschlag und größere Wasserbedeckung binweisen; die gewaltig breiten Betten zwischen
den Plattenrändern muß man wohl zum großen Teil als Vorzeitform erklären. Die Vegetation
besteht aus Steppenvereinen und Nassen Ortsvereinen; wichtig sind die Höhe des Grund
wasserstandes und die Bodenarten.
Die durch die orographische Betrachtung gewonnene Einteilung des Abiadbeckens in Land
schaftsgebiete wiederholte sich bei der geologischen und bei der bodenkundlichen Besprechung.
Auch die eben aufgestellten Typen ordnen sich gut ein in die meridionale Gliederung, die durch
das Suddgebiet breitenparallel geteilt wird.
Wir folgen bei der Beschreibung der einzelnen Landschaftsgebiete der alten Einteilung:
1. Der Rand und das Übergangsgebiet.
2. Die nördliche Aufschüttungsebene.
3. Die südliche Wechsellandschaft.
4. Die Galeriewaldsteppe des SW.
5. Kordofan.
6. Die Nassen Landschaften:
a) Die Flußuferlandschaften.
b) Die Suddgebiete.
2. Kurze Beschreibung der einzelnen Landschaftsgebiete.
1. Der abessinische Steilrand, ein Trockenhochwald- und
Buschwald-Stufenhang aus Granit und Basalt und das
Vorland, eine schmale, wellige Buschwald- und Dorn
buschzone, die zum Teil sumpfige Ausbildung zeigt.
Der Steilhang ist für unser Problem der Feucht- und Trockensteppen deshalb von Wichtig
keit, weil er als Regenfänger wirkt und Quellgebiet ist für zahlreiche Flüsse, die in die westliche
Ebene hinaustreten. Eine genaue landschaftskundliche Schilderung aber ist hier nicht nötig,
da es sich um Höhenstufen handelt, die von ganz anderen Faktoren abhängen, als das flache
Land im Innern des Beckens.
Der abessinische Plateaurand verläuft von etwa 18° N bis 514° N, in unserem Gebiete
beinahe nordsüdlich auf 34° bis 34%° 0; er ist offenbar eine Bruchstufe, da er im nördlichen
Granit wie im südlichen Trapp vorkommt. Der Anstieg ist recht steil, besonders im S oft
nahezu senkrecht, „1000s of feet“ wie Hodson erzählt. Die Erosion hat große Teile ganz
losgelöst oder in schmale Rippen zerlegt, stets aber sind die sehr steilen Formen erhalten
geblieben. Der NW ist durch die angreifenden Kräfte viel weitergehend zerstört; ganze Plateau
teile sind erniedrigt, und viele rückenartige Vorsprünge und Zeugenberge ragen in die westliche
Ebene vor, hören aber mit 34° 0 beinahe auf. So können wir es verstehen, daß die früheren
Reisenden so oft vom „abessinischen Gebirge“ gesprochen haben. Es ist indes ein Stufenabfall;