Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4
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Das flache Becken westlich von Abessinien zerfällt in einen nördlichen und einen südlichen
Typus. Es ist ein alter Seeboden, auf dem große Mengen Schwemmaterial abgelagert sind;
noch heute bringen Winde und schichtförmig sich ausbreitende Regenzeitfluten neue Sedimente
herein, so daß wir das Land als Aufschüttungsebene bezeichnen dürfen. Der N ist inselberg
reich; meridionale Untertypen sind der O, der außerordentlich viele Inselberge aufweist, und
der W, der daran wesentlich ärmer ist. Von N nach S vordringend kommt man aus einer
Wüstensteppe in ein Trockensteppenflachland; bald ist man erfreut, daß die Trocken- bis
Salzsteppe, die der geringe Niederschlag fordert, ausgedehnte Akazienwälder trägt. Der Mensch
hat durch Steppenbrände ausgedehnte Raublandschaften geschaffen.
Der südliche Teil des Beckens ist nach den heutigen Kenntnissen im Innern inselbergfrei;
es handelt sich schon um keine reine Regenlandschaft mehr, es ist eine Wechsellandschaft.
Der Boden ist im Sommer durch Regen und durch Flußwasser in einen Sumpf verwandelt,
im Winter ist er gänzlich ausgetrocknet, fast wüstenartig; die Vegetation ist Gras und Dorn
busch. Ein besonderer Typ ist der Sandhügelzug des Duk.
Im SW finden wir die Schweinfurthsche Galeriewaldsteppe; sie ist eine Grundwasser-
fandschaft, sie erhält höhere Niederschläge als die anderen Teile des Beckens, und außerdem
treten die Flüsse, die von der Sandeschwelle herunterkommen, im Sommer weit über ihre Ufer.
Auf dem Grundgestein liegt eine dicke, Grundwasser führende Schicht von Laterit und Roterde,
die primär, d. h. am Orte entstanden ist. Auch der SW ist eine Raublandschaft; der immerhin
noch beachtliche Baumbestand muß früher viel größer gewesen sein, denn in allen Gebieten,
in denen der Mensch mit seiner Brandkultur nicht mehr wirkt, wächst Wald empor.
Kordofan ist eine Inselberg-Steppentafel, die nach O und S abdacht; sie führt von der
nördlichen Wüstensteppe über eine Grassteppe zu einer sehr waldreichen Steppe im S.
b) Nasse Landschaften.
Die Wechsellandschaft des SO und die Schweinfurthsche Galeriewaldsteppe nehmen schon
eine Übergangsstellung ein zu den ausgesprochenen Nassen Landschaften, in denen die Wirkung
des Flußwassers, das aus anderen Zonen kommt, die des am Orte fallenden Niederschlages
bei weitem überwiegt. Wir können mehrere Typen der Nassen Landschaften unterscheiden.
Bergfußniederungen kommen vielleicht am Fuße des östlichen Steilrandes und auch des
Südrandes vor; es wird mehrfach gerade dort von Sümpfen berichtet, aber die Frage ist noch
nicht geklärt. Der Typ der Sumpflandschaft als Endsumpf mag vielleicht in der Beckenebene
auftreten; da das Gebiet noch recht wenig bekannt ist, läßt sich über Zahl und Form dieser
Sümpfe nichts Genaues angeben.
Die Uferlandschaft des Nils ist eine Oberschwemmungssteppenlandschaft, und zwar eine
Dammflußsteppenlandschaft, d. h. hinter einem Damm folgt eine Überschwemmungsfläche. Die
Dämme sind beim Asrak, beim Sobat und überhaupt bei den abessinischen Flüssen gut aus
gebildet; der Abiad und die anderen aus dem S kommenden Flüsse haben keine so deutlichen
Dämme. Die Höhe des Grundwasserstandes ist für die Pflanzendecke wichtig; Sumpfwald
scheint im Trockensteppengebiet kaum noch vorzukommen. Der waldige Rand der inneren
Steppe begrenzt die Flußuferlandschaft.
Ein ganz besonderer Typ ist die Suddlandschäft, die aus Steppenflächen, Sümpfen und
Überschwemmungsgebieten verwickelt zusammengesetzt ist; nach dem Passargeschen Muster
ist sie als „Zusammengesetzte Steppen-, Sumpf- und Überschwemmungslandschaft“ zu bezeich
nen. Das Kernstück ist ein Dauersumpf, der im Sommer größer wird und im Herbst einen
entsprechenden Rückgang aufweist; es ist also von einer Wechsellandschaft umgeben, die vom
Niederschlag und mehr noch vom Flußwasser abhängig ist. Besondere Typen im kleinen sind
Sumpfwälder und Wasserscheidensümpfe. Passarge schreibt (Vergleichende Landschaftskunde):