accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 55, 1936

Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4 
34 
Das flache Becken westlich von Abessinien zerfällt in einen nördlichen und einen südlichen 
Typus. Es ist ein alter Seeboden, auf dem große Mengen Schwemmaterial abgelagert sind; 
noch heute bringen Winde und schichtförmig sich ausbreitende Regenzeitfluten neue Sedimente 
herein, so daß wir das Land als Aufschüttungsebene bezeichnen dürfen. Der N ist inselberg 
reich; meridionale Untertypen sind der O, der außerordentlich viele Inselberge aufweist, und 
der W, der daran wesentlich ärmer ist. Von N nach S vordringend kommt man aus einer 
Wüstensteppe in ein Trockensteppenflachland; bald ist man erfreut, daß die Trocken- bis 
Salzsteppe, die der geringe Niederschlag fordert, ausgedehnte Akazienwälder trägt. Der Mensch 
hat durch Steppenbrände ausgedehnte Raublandschaften geschaffen. 
Der südliche Teil des Beckens ist nach den heutigen Kenntnissen im Innern inselbergfrei; 
es handelt sich schon um keine reine Regenlandschaft mehr, es ist eine Wechsellandschaft. 
Der Boden ist im Sommer durch Regen und durch Flußwasser in einen Sumpf verwandelt, 
im Winter ist er gänzlich ausgetrocknet, fast wüstenartig; die Vegetation ist Gras und Dorn 
busch. Ein besonderer Typ ist der Sandhügelzug des Duk. 
Im SW finden wir die Schweinfurthsche Galeriewaldsteppe; sie ist eine Grundwasser- 
fandschaft, sie erhält höhere Niederschläge als die anderen Teile des Beckens, und außerdem 
treten die Flüsse, die von der Sandeschwelle herunterkommen, im Sommer weit über ihre Ufer. 
Auf dem Grundgestein liegt eine dicke, Grundwasser führende Schicht von Laterit und Roterde, 
die primär, d. h. am Orte entstanden ist. Auch der SW ist eine Raublandschaft; der immerhin 
noch beachtliche Baumbestand muß früher viel größer gewesen sein, denn in allen Gebieten, 
in denen der Mensch mit seiner Brandkultur nicht mehr wirkt, wächst Wald empor. 
Kordofan ist eine Inselberg-Steppentafel, die nach O und S abdacht; sie führt von der 
nördlichen Wüstensteppe über eine Grassteppe zu einer sehr waldreichen Steppe im S. 
b) Nasse Landschaften. 
Die Wechsellandschaft des SO und die Schweinfurthsche Galeriewaldsteppe nehmen schon 
eine Übergangsstellung ein zu den ausgesprochenen Nassen Landschaften, in denen die Wirkung 
des Flußwassers, das aus anderen Zonen kommt, die des am Orte fallenden Niederschlages 
bei weitem überwiegt. Wir können mehrere Typen der Nassen Landschaften unterscheiden. 
Bergfußniederungen kommen vielleicht am Fuße des östlichen Steilrandes und auch des 
Südrandes vor; es wird mehrfach gerade dort von Sümpfen berichtet, aber die Frage ist noch 
nicht geklärt. Der Typ der Sumpflandschaft als Endsumpf mag vielleicht in der Beckenebene 
auftreten; da das Gebiet noch recht wenig bekannt ist, läßt sich über Zahl und Form dieser 
Sümpfe nichts Genaues angeben. 
Die Uferlandschaft des Nils ist eine Oberschwemmungssteppenlandschaft, und zwar eine 
Dammflußsteppenlandschaft, d. h. hinter einem Damm folgt eine Überschwemmungsfläche. Die 
Dämme sind beim Asrak, beim Sobat und überhaupt bei den abessinischen Flüssen gut aus 
gebildet; der Abiad und die anderen aus dem S kommenden Flüsse haben keine so deutlichen 
Dämme. Die Höhe des Grundwasserstandes ist für die Pflanzendecke wichtig; Sumpfwald 
scheint im Trockensteppengebiet kaum noch vorzukommen. Der waldige Rand der inneren 
Steppe begrenzt die Flußuferlandschaft. 
Ein ganz besonderer Typ ist die Suddlandschäft, die aus Steppenflächen, Sümpfen und 
Überschwemmungsgebieten verwickelt zusammengesetzt ist; nach dem Passargeschen Muster 
ist sie als „Zusammengesetzte Steppen-, Sumpf- und Überschwemmungslandschaft“ zu bezeich 
nen. Das Kernstück ist ein Dauersumpf, der im Sommer größer wird und im Herbst einen 
entsprechenden Rückgang aufweist; es ist also von einer Wechsellandschaft umgeben, die vom 
Niederschlag und mehr noch vom Flußwasser abhängig ist. Besondere Typen im kleinen sind 
Sumpfwälder und Wasserscheidensümpfe. Passarge schreibt (Vergleichende Landschaftskunde):
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.