Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken. 33
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Gebiete zusammengefaßt, die durch eine bestimmte, lange Trockenzeit oder bei Jahresregen
kurze unperiodische Trockenzeiten ausgezeichnet sind.“ Man muß oft willkürliche Trennungs
linien ziehen, weil ein Fremdlingsfluß oder Ortsböden das Bild stören. Die klimatischen
Mittelwerte allein genügen nie zur Abgrenzung der Gebiete; die Grenze Trockenhochwald/Steppe
ist aus den Mittelwerten überhaupt nicht zu folgern, die zwischen Galeriewald- und Trocken
steppe liegt, mit Ausnahmen, vielleicht bei 1200 mm Niederschlag, die zwischen Steppe und
Salzsteppe in den Tropen vielleicht bei 500 mm. Galeriewald ist vor allem dort entwickelt,
wo zwei Regenzeiten herrschen; er hat 5 bis 12 Monate mit mehr als 50 mm Regen, die
Trockensteppe nur 3 bis 6 Monate. Lange unperiodische Dürren kommen in beiden Gebieten
vor (Cearäklima).
Die Galericwaldsteppen haben Abfluß und bilden häufig Regensümpfe oder -seen aus,
Dauerflüsse und Cheran sind zahlreich. Die Uberschwemmungsflächen nehmen gewaltigen
Umfang an und stehen besonders dort, wo Ströme sich vereinigen, oft monatelang unter Wasser.
Das Grasflurklima Schimpers scheint nicht zu bestehen; Trockenhochwald in den Galerie
waldsteppen und Trockenbuschwald in den Trockensteppen sind wohl die klimatischen Pflanzen
vereine; bei Nährstoffarmut und Durchlässigkeit des Bodens geht die Entwicklung auf die
reine Grassteppe zu. Ton ist feucht, gibt aber kein Wasser ab, und so gedeihen auf ihm
nur Gras und Dornbusch; der Dornbusch dringt gegen das Gras vor. Als nasser Ortsverein
in der Galeriewaldsteppe erscheint vor allem Sumpfwald, in der Trocken- und Salzsteppe
gewinnen Papyrus- und Suddsümpfe die Oberhand. „Diese eigentlichen Sümpfe gehen in die
periodisch überschwemmten Niederungen mit dauernd feuchtem Boden über.“ Die Niederungen
haben z. T. eine ganz ähnliche Waldsumpfvegetation mit Palmen; neu hinzu kommen nasse
Wiesen, besonders Palmwiesen. Es ist nicht klar, warum dort kein Sumpfwald steht; vielleicht
sind die Wiesen auf Eingriffe des Menschen zurückzuführen. Schließlich haben Über
schwemmungssteppen mit stark austrocknendem Boden ihre eigene Pflanzendecke, nämlich Gras
steppe aus harten, hohen Büschelgräsern, die aber zur Zeit üppigster Entwicklung einem
eichten, sehr hohen Wiesenrasen gleichen, ferner Palmengrassteppen, z. B. mit Borassus- und
Dompalmen. Die Gehölze nehmen auf solchen stark austrocknenden und zerberstenden
Schlammboden die Formen von Gestrüpp und Dornbüschen an; Niedergras wächst auf Sand,
Hochgras auf Ton. Parkland wie Obstgartensteppe, ja offenbar auch die Galericwaldsteppe
sind Raublandschaften.
Die Trockengebiete sind ein Land der Oasenkultur; es sind Salzsteppen und Wüsten, die
klimatisch nicht so zu trennen sind, wie Koppen es tut. Chartum z. B. hat bei 28,8° Jahres
temperatur nur 131 mm Regen, d. i. ein extremes Wüstenklima; aber die noch trockenere
Bajudasteppe nördlich davon hat Dornsteppenwald.
Wir wollen nach dem Passargeschen Schema (Vergleichende Landschaftskunde) Land
schaftstypen für unser Gebiet aufstellen; es sind zu unterscheiden Regenlandschaften und Nasse
Landschaften.
a) Regenlandschaften.
Im O liegt der Trockenhochwald- bis Buschwald-Steilhang Abessiniens; besondere Unter
typen entstehen durch den stärkeren oder geringeren Grad der Zerschneidung, durch das
Vorherrschen von Basalt oder Granit und durch das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein
einer unteren Terrasse. Die Übergangslandschaft zur Ebene, die offenbar durch eine Rück
verlegung des Hanges entstanden ist, ist oft sehr schmal, ja manchmal scheint die Ebene direkt
an den Steilhang zu stoßen; das Übergangsgebiet soll zusammen mit dem Steilhang besprochen
werden. Der Südrand des Beckens ist weniger ausgesprochen als der Ostrand; aber auch
er ist eine ziemlich deutliche Scheide zwischen zwei Pflanzenvereinsgebieten.