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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4 
der Bahr-el-Abiad hergestellt. Der No-Sumpf ist der letzte Rest des großen Sees. Daß 
ungeheure Wassermengen den unteren Nil hinabgelaufen sind, kann man aus den riesigen 
Schotterterrassen folgern. 
Lyons war gegen die Annahme eines Sees; er behauptet, es handle sich um eine Auf 
schüttungsebene, denn erstens fehle es an Strandlinien, zweitens sei das ganze Gebiet nach N 
und NW schwach geneigt, was bei einem verlandeten Seeboden nicht sein könne, und drittens 
seien nahe am No-See, also in der Mitte des hypothetischen Sees, grobe Sedimente gefunden 
worden, und es dürften doch nur feine dort sein. Vielleicht findet man für die Einwände von 
Lyons noch eine Erklärung, ohne daß man die Annahme eines Sees aufzugeben braucht. 
Es soll jetzt noch eine Oberflächenform betrachtet werden, die offenbar eine Vorzeitform 
ist, für die eine Erklärung aber fehlt. Stevenson-Hamilton beschreibt den „Duk Ridge“, der 
eine Ausnahme bildet in dem so wenig einladenden Dinkalande. Duk ist ein Dinkawort und 
bedeutet die Stelle, wo Bäume und Wasser vorhanden sind. Dieser Streifen zieht sich etwa 
110 km lang von NNW nach SSO, von 8° 15' N bis 7°15' N, zwischen 30° und 31° O. Der 
Duk erhebt sich wie eine niedrige Insel über das ebene Land. Er besteht aus einer Reihe 
von sandigen Hügeln (vielleicht sind es Dünen), die etwa 100 m breit und 3 m hoch werden; 
sie sind dicht bewachsen mit hohen Waldbäumen (Tamarinden, Sykomoren und Kigelien). 
In der Nachbarschaft ist das Gras süß, und da gedeihen Bauhinien und Gardenien. Dieser 
Hügelzug ist häufig unterbrochen; im S füllen Bauhinien die Niederungen aus, im N, wo 
die Unterbrechungen seltener sind, erscheint statt dessen Dornbusch. Wasser ist hier in 
geringer Tiefe vorhanden, da der Niederschlag in den Sandboden leicht einsinkt, und in 3 m 
Tiefe ein schwarzer Lehm das Wasser festhält. Der Lehm geht bis in 12 bis 13 m Tiefe 
hinab, darunter ist ein dichter verkitteter Sand, unter dem eine Schicht dauernden Wassers 
folgt. Der Duk ist in der Regenzeit niemals überflutet. 
B. Landschaftskundliche Synthese und das Problem 
der! Feucht- und Trockensteppen. 
Nachdem so eine landschaftskundliche Analyse des Abiadbeckens gebracht worden ist, 
wollen wir uns dem Problem der Feucht- und Trockensteppen zuwenden. Diese Arbeit ist 
nur eine Vorarbeit für eine größere über die Frage nach der Bedeutung des Abiadbeckens 
für die Ethnographie Nordostafrikas. Dort soll die landschaftskundliche Synthese ausführlicher 
gestaltet werden, um die Bedeutung der Einzellandschaften für den Menschen zu zeigen und 
Folgerungen aus der Anordnung der Landschaften für die Verteilung der Völker zu ziehen; 
das übersteigt aber den Rahmen einer Doktorarbeit. Eine kurze Beschreibung der Großland 
schaften wird genügen, um den Widerspruch zwischen der Niederschlagshöhe und den Pflanzen 
vereinen in großen Teilen des Abiadbeckens klarzustellen. Das Problem der Feucht- und 
Trockensteppen ist nur zu verstehen auf Grund einer eingehenderen Kenntnis der Oberflächen- 
und Bewässerungsverhältnisse. 
Es folgt daher zunächst eine kurze landschaftskundliche Beschreibung und dann eine 
Besprechung unseres Problems. 
1. Landschaitstypen. 
Eine Betrachtung über Landschaftstypen soll der Beschreibung der Landschaftsgebiete 
vorangehen. Das Abiadbecken gehört zum Steppenlandschaftsgürtel mit Sommerregen und 
zum kleinen Teil zu den Trockengebieten. Passarge schreibt in seiner Vergleichenden Land 
schaftskunde: „Unter dem Namen Sommerregen- bzw. Jahresregen-Steppen seien alle jene
	        
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