Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken. 31
des Rudolf-Sees eine ertrunkene Baumreihe, die in Form eines Uferwaldes weit in die Seen
hineinführte; offenbar war der Wasserspiegel beträchtlich gestiegen. Rathjens gab dafür
später eine glaubhafte Erklärung. Früher war der See größer, es bestand eine Fortsetzung
nach dem S; damals wie heute waren der Omo und der Kibisch die einzigen ausdauernden
Zuflüsse. Der Wasserspiegel war so groß, daß der Zufluß und die Verdunstung des abflußlosen
Sees sich die Waage hielten. Dann erfolgte in jüngster Zeit ein Ausbruch wohl vom östlichen
Grabenrand nahe beim Teleki-Vulkan; ein junges Lavafeld schloß den südlichen Teil des Sees
ab; dieser trocknete bald aus, da ihm der Zufluß fehlte, es ist der Sugotasalzsumpf, dessen
Beziehung zum Rudolf-See durch Untersuchung seiner früheren Lebewelt belegt wurde. Für
den kleiner gewordenen See war zuerst die Zufuhr größer als die Verdunstung; das Wasser
stieg also, bis ein Gleichgewicht erreicht war.
Nach Höhnel kamen Cavendish, Austin, D. Smith u. a. an den See. Sie stellten eine
bedeutende Erniedrigung des Wasserspiegels fest und folgerten, daß das zur allgemeinen
Klimaentwicklung passe, da ja auch der Spiegel des Victoria Nyanza im Sinken begriffen war.
Diese Wasserabnahme war aber doch wohl nur, wie Gwynn 1911 schon annahm, das Ergebnis
einer Reihe überaus trockener Jahre, also vielleicht einer periodischen Klimaschwankung. Ein
allgemeines Sinken des Seespiegels kann auch durch die Annahme Krenkels erklärt werden,
daß der Grabenboden heute noch sich abwärts bewege.
Etwas ganz anderes besagt es, daß Brooke und nach ihm Athill u. a. in der Luburkette
westlich des Rudolf-Sees Muscheln in 150 m Höhe über dem Wasserspiegel fanden; noch
heute leben diese Tiere im See. Ein ganz ungeheures Sinken des Wassers muß stattgefunden
haben, nach Parkinson um rund 300 m. Denkt man nun an die merkwürdige Flachheit des
ganzen Abiadbeckens, an die ausgedehnten Ablagerungen von Cotton-soil, ferner daran, daß
weite Strecken des Landes in jedem Sommer in flache Seen verwandelt werden, in die
Flußoberläufe einmünden, und die von einem ziemlich unabhängigen Unterlauf verlassen werden,
so erscheint es erlaubt, die Existenz eines großen Sees anzunehmen, der das Gebiet des Rudolf-
Sees, des Nils und des Sobats umfaßte, und der durch die gewaltigen Regenmengen der
Pluvialzeit entstand. Bereits D. Smith äußerte diese Ansicht um 1900. Nach Friedrich zeigen
die den ägyptischen Sudan umgebenden Granitgebirge Zeichen der Auswaschung, die die An
nahme eines Sees fordern. Hume sieht Kalksteine am Abiad oberhalb von Chartum ebenfalls als
einen Beleg an. Nach Parkinson kann die Trennung des Nil- und Rudolf-Beckens durch junge
vulkanische Ereignisse erfolgt sein, auf die die Vulkane, die zwischen dem Morongole, wo
die Bruchstufe nach NW ausbiegt, und dem Moru-a-kippi, wo die abessinische Bruchstufe
anhebt, liegen, hinweisen können. Die gewaltigen Niederschläge der Pluvialzeit führten
mächtige Sedimentmengen in den Nilbeckensee hinein. Von S mag zuerst der Assua in das
Becken eingefallen sein, dann haben der Bergnil und endlich Baro und Akobo den Rand
durchbrochen. Im N, vom höheren Abessinien, sind wohl größere Massen herabgekommen
als von Latuka, und der nördliche Teil des Beckens ist früher trocken gewesen als der
südliche, wo die Auffüllung mit Alluvionen offenbar heute noch fortgesetzt wird. Rahad und
Dinder, deren heutige Läufe zahlreiche Windungen und Gabelungen aufweisen, schütteten
den See beim heutigen Sennar zu. Das Wasser kam vom abessinischen Rand, später erst
aus dem inneren Tafelland, nachdem die Durchnagting erfolgt war. Willcocks sagt, der Abiad-
lauf trüge überall Spuren, daß er einst der Weg des Asrak war, der durch ihn nach S in
den See geflossen sei, offenbar nachdem das Becken bei Sennar zugcschiittet war. Der Nil
im N lebte anfangs nur vom Atbara. Postdiluvial setzte eine energische Austrocknung ein.
Die Entleerung des großen Binnensees wurde in der Folgezeit wesentlich dadurch unterstützt,
daß der junge nördliche Nilgraben im Mitteldiluvium den Nordrand des Sees anschnitt und
dann den Bahr-el-Asrak nach N abzog; später erst wurde die Verbindung zum S und damit