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Full text: 55, 1936

Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken. 31 
des Rudolf-Sees eine ertrunkene Baumreihe, die in Form eines Uferwaldes weit in die Seen 
hineinführte; offenbar war der Wasserspiegel beträchtlich gestiegen. Rathjens gab dafür 
später eine glaubhafte Erklärung. Früher war der See größer, es bestand eine Fortsetzung 
nach dem S; damals wie heute waren der Omo und der Kibisch die einzigen ausdauernden 
Zuflüsse. Der Wasserspiegel war so groß, daß der Zufluß und die Verdunstung des abflußlosen 
Sees sich die Waage hielten. Dann erfolgte in jüngster Zeit ein Ausbruch wohl vom östlichen 
Grabenrand nahe beim Teleki-Vulkan; ein junges Lavafeld schloß den südlichen Teil des Sees 
ab; dieser trocknete bald aus, da ihm der Zufluß fehlte, es ist der Sugotasalzsumpf, dessen 
Beziehung zum Rudolf-See durch Untersuchung seiner früheren Lebewelt belegt wurde. Für 
den kleiner gewordenen See war zuerst die Zufuhr größer als die Verdunstung; das Wasser 
stieg also, bis ein Gleichgewicht erreicht war. 
Nach Höhnel kamen Cavendish, Austin, D. Smith u. a. an den See. Sie stellten eine 
bedeutende Erniedrigung des Wasserspiegels fest und folgerten, daß das zur allgemeinen 
Klimaentwicklung passe, da ja auch der Spiegel des Victoria Nyanza im Sinken begriffen war. 
Diese Wasserabnahme war aber doch wohl nur, wie Gwynn 1911 schon annahm, das Ergebnis 
einer Reihe überaus trockener Jahre, also vielleicht einer periodischen Klimaschwankung. Ein 
allgemeines Sinken des Seespiegels kann auch durch die Annahme Krenkels erklärt werden, 
daß der Grabenboden heute noch sich abwärts bewege. 
Etwas ganz anderes besagt es, daß Brooke und nach ihm Athill u. a. in der Luburkette 
westlich des Rudolf-Sees Muscheln in 150 m Höhe über dem Wasserspiegel fanden; noch 
heute leben diese Tiere im See. Ein ganz ungeheures Sinken des Wassers muß stattgefunden 
haben, nach Parkinson um rund 300 m. Denkt man nun an die merkwürdige Flachheit des 
ganzen Abiadbeckens, an die ausgedehnten Ablagerungen von Cotton-soil, ferner daran, daß 
weite Strecken des Landes in jedem Sommer in flache Seen verwandelt werden, in die 
Flußoberläufe einmünden, und die von einem ziemlich unabhängigen Unterlauf verlassen werden, 
so erscheint es erlaubt, die Existenz eines großen Sees anzunehmen, der das Gebiet des Rudolf- 
Sees, des Nils und des Sobats umfaßte, und der durch die gewaltigen Regenmengen der 
Pluvialzeit entstand. Bereits D. Smith äußerte diese Ansicht um 1900. Nach Friedrich zeigen 
die den ägyptischen Sudan umgebenden Granitgebirge Zeichen der Auswaschung, die die An 
nahme eines Sees fordern. Hume sieht Kalksteine am Abiad oberhalb von Chartum ebenfalls als 
einen Beleg an. Nach Parkinson kann die Trennung des Nil- und Rudolf-Beckens durch junge 
vulkanische Ereignisse erfolgt sein, auf die die Vulkane, die zwischen dem Morongole, wo 
die Bruchstufe nach NW ausbiegt, und dem Moru-a-kippi, wo die abessinische Bruchstufe 
anhebt, liegen, hinweisen können. Die gewaltigen Niederschläge der Pluvialzeit führten 
mächtige Sedimentmengen in den Nilbeckensee hinein. Von S mag zuerst der Assua in das 
Becken eingefallen sein, dann haben der Bergnil und endlich Baro und Akobo den Rand 
durchbrochen. Im N, vom höheren Abessinien, sind wohl größere Massen herabgekommen 
als von Latuka, und der nördliche Teil des Beckens ist früher trocken gewesen als der 
südliche, wo die Auffüllung mit Alluvionen offenbar heute noch fortgesetzt wird. Rahad und 
Dinder, deren heutige Läufe zahlreiche Windungen und Gabelungen aufweisen, schütteten 
den See beim heutigen Sennar zu. Das Wasser kam vom abessinischen Rand, später erst 
aus dem inneren Tafelland, nachdem die Durchnagting erfolgt war. Willcocks sagt, der Abiad- 
lauf trüge überall Spuren, daß er einst der Weg des Asrak war, der durch ihn nach S in 
den See geflossen sei, offenbar nachdem das Becken bei Sennar zugcschiittet war. Der Nil 
im N lebte anfangs nur vom Atbara. Postdiluvial setzte eine energische Austrocknung ein. 
Die Entleerung des großen Binnensees wurde in der Folgezeit wesentlich dadurch unterstützt, 
daß der junge nördliche Nilgraben im Mitteldiluvium den Nordrand des Sees anschnitt und 
dann den Bahr-el-Asrak nach N abzog; später erst wurde die Verbindung zum S und damit
	        
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