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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd„ Nr. 4 
9. Vorzeitformen. 
Nachdem wir so einen gewissen Überblick über das Abiadbecken gewonnen haben, ist 
es notwendig, noch die Frage zu betrachten, wie dieses Land in früherer Zeit ausgesehen 
haben mag. Ostafrika hat zweifellos erst in geologisch sehr junger Zeit sein heutiges Aus 
sehen angenommen. Der Nillauf ist noch uneinheitlich; alte Becken wie das äquatoriale, 
sudanische und äthiopische sind durch junge, unausgeglichene Läufe miteinander verbunden. Man 
vermutet, daß das Orabengebiet Afrikas tektonisch heute noch nicht zur Ruhe gekommen 
ist und hält Teile der Gräben für mitteldiluvial. Bestimmt haben große Klimaänderungen 
stattgefunden, die von bedeutendem Einfluß auf die Lebewesen Afrikas waren. 
Zur Zeit unseres Diluviums herrschte in Afrika die Pluvialzeit, die in der Höhenstufe 
Gletscherbildungen brachte; sie ist erwiesen durch bestimmte Vorzeitformen der Erdoberfläche, 
durch biologische und prähistorische Funde (Wadis, Uferlinien, Kare, Moränen; isolierte Regen 
waldreste in der Steppe, steppenhafte Bewachsung der Wüste; Regenwaldtiere in Steppen 
waldinseln, Elefanten lebten in Nordafrika; die Sahara war bewohnt, wie Ruinen in der Wüste, 
Rinderzeichnungen in Tibesti beweisen, sie war also keine Schranke für Mensch und Tier). 
Wir können heute zwei Hauptpluvial- und zwei kleinere Nachpluvialzeiten unterscheiden; man 
setzt die zweite Nachpluvialzeit auf etwa 1000 v. Chr. Es ist noch eine ungelöste Frage, 
ob in geschichtlicher Zeit die Austrocknung weitere Fortschritte gemacht hat. Viele Anzeichen 
sprechen fiir diese Ansicht: Quellen versiegen, Seen werden kleiner, und der Grundwasser 
spiegel sinkt. Da man ein weiteres Sinken der Niederschläge nicht feststellen kann, hat 
Passarge daran gedacht, daß vielleicht die riesigen Grundwasservorräte der Pluvialzeit langsam 
sich erschöpften oder sich verlagerten. Jäger dagegen meint, daß eine allgemeine Abnahme 
der Feuchtigkeit gar nicht stattgefunden habe, wohlgemerkt in geschichtlicher Zeit. Er sieht 
als Beweis für seine Ansicht die Anlage und die Wasserleitungen alter Städte an. Man habe 
einmal an periodische Niederschlagschwankungen zu denken, z. B. an die 11,3jährige Periode 
der Sonnenfleckenhäufigkeit. Osmar Tussun hat für das Nilgebiet eine Periode von 
6X35,2 = 211,3 Jahren herausgefunden. Das wichtigste Argument für Jäger ist, daß infolge 
der häufig sinnlosen Pflanzenvernichtung durch den Menschen der Grundwasserreichtum 
gesunken sei. Wir dürfen diese Frage ungeklärt lassen. Das prähistorische Austrocknen 
vor allem in Ostafrika wird durch viele Funde belegt. Schuver schloß aus dem Goldstaub 
und den vielen trockenen Flußbetten und den riesigen Mengen von zerbrochenen Straußeneier- 
schalen auf ein früher feuchteres Klima in der nubischen Wüste. Koppen folgerte aus ver 
schiedenen Anzeichen, daß der Siidrand der Sahara einmal ein feuchteres, dann ein trockeneres 
Klima hatte und jetzt wieder ein etwas feuchteres hat. Nach Engell dehnte sich der Kongowald 
früher bis in das Zwischenseengebiet aus, wie Waldinseln und Regenwaldtiere dort beweisen; 
die Savanne ist erst eine spätere Bildung. Der Kerio und sogar der größere mit dem Suam 
vom Elgon kommende Turkwell erreichen heute selbst bei Hochflut den Rudolf-See nur selten 
oberflächlich, obwohl die Betten vorhanden sind. Alle anderen zum Rudolf-See führenden 
Betten sind ganz trocken im Unterlauf außer in vereinzelten Sonderfällen. Das Taraschsystem im 
W des Sees ist in völliger Auflösung, die Nebenflüsse erreichen den Hauptfluß nicht mehr. 
Nach Höhnel sind die vielen kleinen Seen nördlich des Kilimandscharo, die zum Teil durch 
Quellen heute ein konstantes Niveau haben, Reste eines früheren größeren Sees. Neumann 
und von Erlanger entdeckten, daß im abessinischen Graben ein umfangreicher See bestanden 
hat, die heutige Reihe des Suai, Abai usw. sind nur noch die Reste. Sie fanden Schalen von 
Schnecken, die noch in den Seen leben, bis 30 m über dem jetzigen Wasserspiegel. An das 
Sinken des Rudolf- und Stephanie-Sees hatte man um die Jahrhundertwende viele Folgerungen 
geknüpft, doch wohl irrtümlicherweise. Höhnel, der 1888 zuerst ihre Ufer betrat, fand im N
	        
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