Dr. Er i cli Holler: Feucht- und Trockensteppen ¡in Abiadbecken.
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Teil des von Latuka abfließenden Wassers auf. Dieses mittlere tallose Stück ist vielleicht das
Gebiet der „Sümpfe“, wie z. B. der Badigeru.
Jetzt soll noch kurz die Wirkung der großen Flüsse betrachtet werden. An sich fließen
die Ströme des Abiadbeckens zunächst natürlich an den tiefsten Stellen, aber ständig erfolgen
Ablagerungen von Schlamm und absterbenden Pflanzen. So entstehen Uferwälle, und das
Bett wächst allmählich über das Niveau der Ebene empor. In der Hochwasserzeit erfolgen
Dammbrüche und Überflutungen, die Verzweigungen, Bettverlegungen und Sümpfe zur Folge
haben. Da von dem Obcrflutungswasser das meiste verdunstet und nur eine geringe Menge
flächenhaft abfließt, werden mitgebrachte Alluvioncn abgesetzt. Der Sudd ist ein außer
ordentlich guter Schlammfänger; das Abiadwasser verläßt ihn nahezu ohne mineralische
Bestandteile, dafür aber versehen mit organischen Verwesungsprodukten. Lyons behauptet
allerdings, daß, wohl infolge der plötzlichen Abnahme des Gefälles und der Weitung des Fluß
bettes, bei Gondokoro die meiste Sedimentation erfolge, daß weiter unten heute fast nicht mehr
abgelagert würde. Diese Ansicht ist offenbar etwas zu eng, denn man hat im Suddgebiet die
Absetzung tatsächlich beobachtet, und der obere Bahr-el-Djebel hat noch ein, wenn auch
flacheres, so doch fest umgrenztes Bett. Auch der Bahr-el-Asrak tritt aus einem Engtal in
die Ebene und trägt trotzdem seinen Schlamm bis Ägypten. Jäger schreibt über die Sedimen
tation des Weißen Nils etwa; Mit dem charakteristischen Bau Afrikas, dem Wechsel von älteren
Schwellen und jüngeren Becken hängt es zusammen, daß die Flüsse in weite, selbst auf
geschüttete Schwemmländer gehen. Sie werden dort zu Dammflüssen. Der Abiad ist das
beste Beispiel einer langsamen, durch Pflanzenwuchs hervorgerufenen Verlandung. (Die durch
seinen Dammflußcharakter bewirkten mehrfachen Bettverlegungen des Bahr-el-Djebel waren
der Grund zu Krieg und Wanderungen.)
Der Damm des Pibor, der, im S kaum vorhanden, im N bis zu 10 m hoch wird, besteht
aus rötlichen Alluvicnen, die aus Abessinien stammen. Hinter dem Wall hegen bis zu 6 m
tiefe Uferseen, die langsam mit Gras Zuwachsen. Die schlammigen Akobo-Zuflüsse lagern viel
fruchtbaren Boden ab.
Der Baro und andere schnellströmende Flüsse des Sobatsystems, deren Wasser aus dem
hohen Gebirge besonders in der Regenzeit mit ziemlicher Kraft die Ebene erreicht, ebenso
im N der Asrak mit Rahad und Binder und der Atbara haben tiefe Betten mit Steilufern
ausgefurcht. In der Trockenzeit füllt das Wasser den Lauf nur in geringem Maße aus; die
Flüsse lagern die mitgeführten Schlammengen ab und müssen sich in endlosen Windungen
zwischen jährlich wachsenden und sich verändernden Sandbänken hindurcharbeiten. Im
N sind die Verhältnisse viel extremer. Am Atbara ist der Steilrand der inneren Platte oft
über 3 km vom eigentlichen Flußbett, das etwa 120 m breit ist, entfernt. Nur selten, bei
gewaltigen Gewitterregen auf der abessinischen Hochfläche, wird die ganze Breite zwischen
den Piattenrändern von Wasser erfüllt. Die Fluten schaffen gewaltige Mengen festen Materials
herbei, die zum Teil in den Hauptfluß gelangen, zum anderen Teil aber von dem sinkenden
Wasser nicht weiter fortgeführt werden können. Der bis 40 m hohe Steilrand ist von Betten
der Regenzeitflüsse zerrissen und oft völlig ungangbar. In der Platte ist also ein großes
Flußbett vorhanden, innerhalb dessen das kleinere heutige Bett verläuft; ein eigentliches
Tal ist nicht zu erkennen, muß aber bestehen, da ja von beiden Seiten Cheran den Hauptfluß
erreichen.
In die Sandeschwelle haben die Flüsse tiefe Schluchten eingeschnitten; nördlich von
der Schwelle gehen sie in weiten Sohlentälern entlang, die immer breiter werden; schließlich
erfolgt der Übergang zum Suddgebiet.