Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4
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Hauptfahrrinne Grassümpfe und bis 6 tn hohe dichte Bestände von Ambatsch und Papyrus
gemischt mit Om Suf (Vossia procera). In den vielen Hinterwässern bilden sich enorme
Ambatschmassen, die das Material liefern für die Pflanzenbarren, die für das Gebiet des unteren
Bahr-el-Ghazal und unteren Bahr-el-Djebel typisch sind und bis in den oberen Bahr-el-Abiad
hineingehen; der Sobat hat eine davon getrennte Suddregion. Durch die fünfjährige Periode
des Ambatsch, der Hauptpflanze des Sudd, mit dem so überaus leichten Holz (ein Floß, das
drei Mann tragen kann, wird von einem einzelnen transportiert), entstellt eine Periode der Nil
laufverstopfungen.
Bis in die Nähe des No-Sees kann man noch Wald in der Ferne an den Plattenrändern
sehen; dann aber bis Gaba Schambe entdeckt man ihn nur ganz selten am Rande von ver
einzelten Platteninseln und -Vorsprüngen, wie offenbar nördlich von Hellet Nuer am linken Ufer
auf 8° lt/ N und ebenso am Seraf auf 8° 20' N und 8° N. Auch die Platteninseln haben nur
einen Randwald, die innere Fläche ist Steppe. Etwas nördlich von Gaba Schambe, am Süd
rande des Sudd, erscheint wieder der erste Wald seit Faschoda am Fluß.
Zwischen Gaba Schambe und Bor enden die Papyrussümpfe; die Plattenränder nähern sich
wieder dem Fluß, und Wald in Flußnähe wird häufiger. Aber erst bei Bor kann man von
einem ausgedehnteren Uferwald sprechen, dessen Hinterland weiter die baumarme bis baum
lose Grasfläche ist.
Das Sobatgebiet muß dem Djebel-Ghazal-Sudd-Gebiet ähnlich sein; der Unterlauf des Sobat
gehört nicht dazu. Er hat viel Wald, hinter dem die Grasebene folgt, die oft aus scharfem, bis
5 m hohen Elefantengras besteht. Das heißt vielleicht, daß die bewaldeten Plattenränder nahe
am Fluß liegen, oder aber, daß die jetzigen Uferwälle recht vollständig und gut bewaldet sind.
Weiter nach O verschwindet der Wald; am Flußlauf folgen Parkland und endlich reine Gras
flur, in der kaum ein Strauch vorhanden ist; sie setzt sich am Baro fort. Ob etwa die Platten
ränder zurückweichen oder der junge Uferwall sehr lückenhaft ist, läßt sich aus den Beschrei
bungen nicht ersehen. Der Wald tritt erst wieder in der Nähe des abessinischen Randes mit
Sykomoren auf.
Offenbar ist das Gebiet am nördlichen Pibor sumpfiges Grasland mit wenigen Hegelig. Nach
S werden die Ufer buschig, der Bestand verstärkt sich zum Buschwald, besonders Dornbusch;
Comyn trifft unerwarteterweise am oberen Pibor einigen Akazienwald, der erst weit im S
häufiger wird; das innere Land ist aber weiterhin grasig. Auf dem Pibor und seinen Zuflüssen
Gelo und Akobo kommen Suddbildungen regelmäßig, wenn auch nicht in demselben Umfange
wie am Bahr-el-Ghazal, vor.
Etwas weiter im 0, also näher zum abessinischen Rande, ist Wald auf den Zwischenstrom
platten entwickelt. Während Austin, von Nasser bis zum oberen Akobo am Pibor entlang
ziehend, in der mit hohem Dorngras besetzten Ebene keinen einzigen Baum sieht — der erste
Sykomorenhain erscheint auf 7° N inmitten eines Graslandes —, gibt er selbst auf einer öst
licheren Reise Wald im N des Gelo an. Jessen geht vom oberen Baro durch gutbewaldetes
Land nach S. Neumann, der auf den unteren Gelo stößt, findet dort wenig Baumbestand, wäh
rend Hodsun, weiter oberhalb, von Waldufern und -land spricht; er sieht im W Wald, soweit
das Auge reicht, zum Teil niederen Buschwald, zum Teil Hochwald und auch Einzelbäume in
einem Grasland. Der Akobo hat am Oberlauf feste Waldufer; der Wald setzt sich südlich des
Akobo in der Nähe des Hochlandrandes fort.
Das Gebiet des unteren Bahr-el-Ghazal ist ein ähnlicher Grasdeckensumpf wie am unteren
Pibor und unteren Djebel; das Land ist uns besser bekannt als der 0. Bereits dicht südlich der
Meschra-er-Rek beginnt auf einer Zwischenplatte der Wald, die Gaba, die von waldlosen,
sumpfigen Wiesen unterbrochen ist. Gras bleibt aber noch die herrschende Vegetationsforma
tion, bis man Felsboden und ansteigendes Gelände trifft; Buschwald löst die Steppe mit Ge-