Dr. Erich Höller: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
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Akazien bestandenen Rand der inneren Platte erstiegen hat, zeigt sich ein überraschender
Wechsel in der Vegetation. Eine baumlose Ebene dehnt sich aus, in der nur sehr vereinzelt
Akazien stehen. In der Nähe der Inselberge ist die Pflanzenbedeckung wieder eine bessere; er
erwähnt Dompalmen und Adansonien. Die Inselberge selbst tragen Combretaceen und Ficus.
Schon nördlich des Djebel Gule hat auch die innere Ebene recht hübschen Wald von Nabak
(Zizyphus), Hegelig (Balanites aegyptiaca), Kitr, Uscher (Calotropis procera) u. a., der aber iri
der Trockenzeit ganz dürr ist. Weiter im S bis über den Adar hinaus wechseln hoher Wald
und baumlose Distrikte ab. ürasflächen führen zum Uferwald des Sobat; das muß der Wald
am Plattenrand sein.
Kordofan zeigt einen allmählichen Übergang von der Wüstensteppe des N über Steppen zu
Waldsteppen im S., die ausgedehnte Wälder in der Höhenstufe tragen, wie in den Nubabergen.
Für das wenig bekannte südliche Becken kann man eine Abhängigkeit der Vegetation von
der Flußentfernung erkennen. Auf die baumlosen Sumpfufer des Bahr-el-Djebel, die nur Gras
und eine artenarme Sumpfvegetation tragen, folgt die im N bis 50 km breite, baumlose über
schwemmungsebene, in der Gebüsch selten ist; dieser Strich führt den Namen Toich. Den Rand
des sommerlichen Hochwassers, d. i. der Steilhang der inneren Platte, bezeichnet ein Wald
streifen. den Pruyssenaere Gog nennt. Er besteht aus Akazien und auch Tamarinden und
Sykomoren. Im Innern des Landes wechselt offenes Grasland, das die Hauptvegetationsform
ist, mit undurchdringlichem Dornbusch ab. Das Gras kann sehr hoch werden und ist meist auch
dornig. Hegeligbestände treten auf, Tamarinden und Kigelien sind selten, Baumreihen bezeich
nen die Läufe der Regenzeitflüsse; auf der abessinischen Seite kommen Adansonien vor. Eine
Ausnahme bildet zwischen 7° 15' N und 8° 15' N und zwischen 31° und 30° 0 ein Sandhügel
zug, der sich einige Meter über die Ebene erhebt und dichten Wald von Tamarinden, Kigelien
und Sykomoren trägt.
Die Pflanzendecke der Flußuferlandschaft unterscheidet sich, wie schon erwähnt wurde,
bedeutend von der des Innern. Am Bahr-el-Asrak macht sich von N nach S fortschreitend eine
Zunahme der Vegetation erkennbar. Südlich von Chartum ist das Land zunächst nahezu
pflanzenlos; bald sieht man als erste Vertreter einzelne Hegelig erscheinen, später Mimosen
und endlich Suntakazien (Acacia nitotica), die dann zu einem Buschwald zusammentreten. Bei
Sennar wird der Wald hoch und dicht. Combretaceen beginnen mit 13° N, Borassus mit 12° N.
die Dompalme tritt zurück. Als charakteristische Vertreter nennt Hartmann; Tamarinden,
Tamarisken, Borassus, Bauhinien und viele Schlinggewächse sowie Adansonien. Von Karkodi
aus wandert man durch einförmige Akazienwälder zum dichten Waldufer des Binder hinüber;
die Ufer des weiter im O fließenden Rahad sind sehr viel waldärmer. Wenn man den Fluß
nach W verläßt, gelangt man schnell aus dem feuchten Uferwald in einen trockenen Hochwald,
der immer lichter wird; hinter dem Steilrand auf der Platte erreicht man eine Steppe mit Gehölz
inseln. Weiter nach S wird der Wald am Asrak immer üppiger.
Am Bahr-el-Abiad haben wir ein ähnliches Bild. Auch seine Ufer sind im N sehr pflanzen
arm; dazu ist noch infolge der furchtbaren Waldvernichtung, die im vorigen Jahrhundert durch
den Brennholzbedarf der Schiffe veranlaßt wurde, die Waldgrenze durch den Menschen weiter
nach S geschoben worden. So beginnt jetzt der Uferwald erst in der Nähe der Insel Abba; es
handelt sich hauptsächlich um Suntakazien, die in kleineren Beständen oder einzeln das Ufer
schon lange begleiteten. Hinter dem Walde im Binnenlande folgt die Grassteppe. Nach S wird
der Wald dichter und auch ausgedehnter, er reicht etwa bis Djebelein. Dort weichen die Platten
ränder und der Wald vom Fluß zurück; sie bilden den Rand des nun immer breiter werdenden
Überschwemmungsstreifens; Gebüsch leitet vom Wald zur inneren Steppe über. Das Ufer wird
durch eine Grasmauer ersetzt, in der bereits Papyrus auftritt. Bei der Sobatmündung beginnt
die Suddregion, in der eigentliche Ufer sehr selten sind. Weithin dehnen sich beiderseits der