24 Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4
Weiter im S erscheint erst ein Trockenhochwald und schließlich ein Wald, der von den
Reisenden als „tropisch“ bezeichnet wird; er mag, weil hier auch eine ausgesprochene Trocken
zeit herrscht, wohl ein Qrundwasserwald sein. Diese üppigen Kollawälder nehmen besonders
die tiefen, wasserreichen Täler ein. Es ist artenreicher, immergrüner Urwald voll Schling
pflanzen, Epiphyten und Unterholz.
Die Stufe ist oft buschbedeckt oder mit lichtem Trockenhochwald bestanden, der von
Flecken hohen Grases unterbrochen ist. Charakteristische Vertreter des Waldes sind: Tama
rinden, Sykomoren, Kigelien, Ficus, Combretaceen und Akazien; dazu kommen Adansonien und
Borassus. Der ebene Boden westlich des Randes ist lichter bestanden, während die Inselberge
dichten Wald tragen. Schütterer Baumbestand, in dem Euphorbien häufig sind, und Dornbusch
setzen sich noch eine Strecke weit in die grasige Ebene hinein fort. Bald aber tun Steppen
brände den höheren Gewächsen und besonders den Gebüschen viel Abbruch. Auffallend ist,
daß gerade für die niederschlagsreiche Randzonc ein Dornbuschstreifen angegeben wird, der
sich vom N bis zum Rudolf-See herunter erstreckt.
Der Trockenhochwald ist bereits auf 13° N vorhanden. Heuglin zog auf seiner Reise von
Tschelga nach Gallahat durch Wald und Bambusdschungel. Schuver beschreibt dichtbewaldete
Täler bei Famaka, im April sind die Bäume blattlos. Er geht vom Bahr-el-Asrak nach S
über Beni Schongul nach Fadasi und kommt dabei durch lichten Wald und Parkland, durch
tropische Waldtäler; er kehrt um am waldigen Abfall zum Baro.
Gwynn machte eine ähnliche Reise, etwas weiter im W. und findet dort am Außenrand
einen niedrigeren Baumbestand, der von Bambushainen unterbrochen wird. Am Baroufer er
streckt sich der Wald ein Stück weit hinaus in die Ebene bis zum Rande des baumlosen Sumpf
gebietes, wie Gwynn schreibt; d. h. wohl, daß die waldigen Plattenränder sich vom Fluß ent
fernen, der nun von dem tieferen Überschwemmungsgebiet begleitet wird. Das zerrissene Vor
plateau von Kaffa hat eine ähnliche Pflanzendecke wie der N. Südlich des Gelo ist der Wald
häufiger unterbrochen durch hohes undurchdringliches Dorngras. Näher zum Steilrand hin
ziehen die von dichten Uferwäldern begleiteten Flüsse durch ein Parkland. Weiter nach
draußen, auf die Ebene zu, weichen wieder die waldigen Ränder der Zwischenstroinplatten vom
Fluß zurück, die Uberschwemmungsebene gewinnt an Ausdehnung. Der West- und der Siidhang
des äußersten SW von Abessinien haben wegen der größeren und zeitlich ausgedehnten Nieder
schläge auf fruchtbarem vulkanischen Boden an den unteren Hängen laubwerfenden Wald und
feuchte Savanne. Oberhalb von 1600 m ist immergrüner tropischer Urwald mit Palmen und
Ficus im unteren, Kosso, Euphorbien und Bambus im oberen Teil entwickelt. Lianen und Unter
holz gedeihen überall; wilder Kaffee ist verbreitet. Das flache, 600 bis 800 m hohe Vorgclände
ist mit Büschelgras, Dornbusch und Einzelbäumen bestanden; am Kibisch und Omo trifft man
wieder Wälder.
Am mittleren und südlichen Rudolf-See nimmt die Landschaft ein fast wüstenhaftes Aus
sehen an; nur im Bereich des Grundwassers der Trockenbetten gedeihen Dompalmen, Mimosen
und anderes.
Auch der Südrand des Abiadbeckens hat Wald. Nach N in die Ebene hinein ziehen sich
an den Flüssen Mimosenhaine entlang.
In der Djesireh ist eine deutliche Zunahme der Pflanzendecke von N nach S zu erkennen.
Im allgemeinen haben die Inselberge eine bessere Vegetation als die ebene Fläche. Der N ist
eine dürftige Steppe mit Dornbusch und vereinzelten Akazien; nach S geht es über Steppe in
eine waldige Steppe hinein; die Akazienwälder können recht umfangreich werden. Pruyssenaere
reiste von Karkodj (462 km oberhalb von Chartum am Asrak) ins Innere der Djesireh. In der
Nähe des Asrak, noch in dem großen Urstrombett, wandert er durch lichten Wald von Mimosen,
Akazien und Hegelig, hohes Gras bedeckt den Boden. Sobald man den zerschluchteten, mit