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Full text: 55, 1936

24 Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Bd., Nr. 4 
Weiter im S erscheint erst ein Trockenhochwald und schließlich ein Wald, der von den 
Reisenden als „tropisch“ bezeichnet wird; er mag, weil hier auch eine ausgesprochene Trocken 
zeit herrscht, wohl ein Qrundwasserwald sein. Diese üppigen Kollawälder nehmen besonders 
die tiefen, wasserreichen Täler ein. Es ist artenreicher, immergrüner Urwald voll Schling 
pflanzen, Epiphyten und Unterholz. 
Die Stufe ist oft buschbedeckt oder mit lichtem Trockenhochwald bestanden, der von 
Flecken hohen Grases unterbrochen ist. Charakteristische Vertreter des Waldes sind: Tama 
rinden, Sykomoren, Kigelien, Ficus, Combretaceen und Akazien; dazu kommen Adansonien und 
Borassus. Der ebene Boden westlich des Randes ist lichter bestanden, während die Inselberge 
dichten Wald tragen. Schütterer Baumbestand, in dem Euphorbien häufig sind, und Dornbusch 
setzen sich noch eine Strecke weit in die grasige Ebene hinein fort. Bald aber tun Steppen 
brände den höheren Gewächsen und besonders den Gebüschen viel Abbruch. Auffallend ist, 
daß gerade für die niederschlagsreiche Randzonc ein Dornbuschstreifen angegeben wird, der 
sich vom N bis zum Rudolf-See herunter erstreckt. 
Der Trockenhochwald ist bereits auf 13° N vorhanden. Heuglin zog auf seiner Reise von 
Tschelga nach Gallahat durch Wald und Bambusdschungel. Schuver beschreibt dichtbewaldete 
Täler bei Famaka, im April sind die Bäume blattlos. Er geht vom Bahr-el-Asrak nach S 
über Beni Schongul nach Fadasi und kommt dabei durch lichten Wald und Parkland, durch 
tropische Waldtäler; er kehrt um am waldigen Abfall zum Baro. 
Gwynn machte eine ähnliche Reise, etwas weiter im W. und findet dort am Außenrand 
einen niedrigeren Baumbestand, der von Bambushainen unterbrochen wird. Am Baroufer er 
streckt sich der Wald ein Stück weit hinaus in die Ebene bis zum Rande des baumlosen Sumpf 
gebietes, wie Gwynn schreibt; d. h. wohl, daß die waldigen Plattenränder sich vom Fluß ent 
fernen, der nun von dem tieferen Überschwemmungsgebiet begleitet wird. Das zerrissene Vor 
plateau von Kaffa hat eine ähnliche Pflanzendecke wie der N. Südlich des Gelo ist der Wald 
häufiger unterbrochen durch hohes undurchdringliches Dorngras. Näher zum Steilrand hin 
ziehen die von dichten Uferwäldern begleiteten Flüsse durch ein Parkland. Weiter nach 
draußen, auf die Ebene zu, weichen wieder die waldigen Ränder der Zwischenstroinplatten vom 
Fluß zurück, die Uberschwemmungsebene gewinnt an Ausdehnung. Der West- und der Siidhang 
des äußersten SW von Abessinien haben wegen der größeren und zeitlich ausgedehnten Nieder 
schläge auf fruchtbarem vulkanischen Boden an den unteren Hängen laubwerfenden Wald und 
feuchte Savanne. Oberhalb von 1600 m ist immergrüner tropischer Urwald mit Palmen und 
Ficus im unteren, Kosso, Euphorbien und Bambus im oberen Teil entwickelt. Lianen und Unter 
holz gedeihen überall; wilder Kaffee ist verbreitet. Das flache, 600 bis 800 m hohe Vorgclände 
ist mit Büschelgras, Dornbusch und Einzelbäumen bestanden; am Kibisch und Omo trifft man 
wieder Wälder. 
Am mittleren und südlichen Rudolf-See nimmt die Landschaft ein fast wüstenhaftes Aus 
sehen an; nur im Bereich des Grundwassers der Trockenbetten gedeihen Dompalmen, Mimosen 
und anderes. 
Auch der Südrand des Abiadbeckens hat Wald. Nach N in die Ebene hinein ziehen sich 
an den Flüssen Mimosenhaine entlang. 
In der Djesireh ist eine deutliche Zunahme der Pflanzendecke von N nach S zu erkennen. 
Im allgemeinen haben die Inselberge eine bessere Vegetation als die ebene Fläche. Der N ist 
eine dürftige Steppe mit Dornbusch und vereinzelten Akazien; nach S geht es über Steppe in 
eine waldige Steppe hinein; die Akazienwälder können recht umfangreich werden. Pruyssenaere 
reiste von Karkodj (462 km oberhalb von Chartum am Asrak) ins Innere der Djesireh. In der 
Nähe des Asrak, noch in dem großen Urstrombett, wandert er durch lichten Wald von Mimosen, 
Akazien und Hegelig, hohes Gras bedeckt den Boden. Sobald man den zerschluchteten, mit
	        
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