Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
23
Diese weiten flachen Regenseen scheinen typisch zu sein für das Suddgebiet und den Süd
osten des Beckens zwischen dem Bahr-el-Djebel und dem abessinischen Rande; sie kommen
offenbar in dem Ausmaße nicht in der Djesireh vor, aber sie werden darum dort nicht fehlen.
Am abessinischen Rande sind einmal Sümpfe entwickelt, wie Schuver von dem Lande vor dem
Beni-SchonguI-PIateau erzählt; zum anderen muß es sich um höheres, trockenes, sandiges Land
handeln, wie am oberen Baro. Die das südliche Abessinien verlassenden steilschluchtigen Bäche
sind in der Trockenzeit selbst unmittelbar am Rande wasserlos; meist läßt sich allerdings
Wasser im Sandbette durch Graben gewinnen.
Die bisher gewonnene landschaftliche Einteilung ist durch die hydrographische Betrachtung
etwas erweitert worden. Die Einteilung des N bleibt dieselbe, im südlichen Becken wurden das
Sobat- und das Ghazalflußsysteni als besondere Landschaften ausgeschieden.
7. Pflanzendecke.
Die gewonnene Einteilung unseres Gebietes wird bestätigt durch die Unterschiede in der
Pflanzendecke. Das Randgebiet zeichnet sich vor dem Flachland des W aus, das Binnenland
und die Uferzone haben verschiedene Pflanzenformationen. Die beiden Flußsumpfgebiete des
Sobat und des Ghazal sind wieder anders als der Teil des Beckens südlich des Suddsystems.
Das ganze Abiadbecken gehört klimatisch in die Graslandzone, ein großer Teil bestimmt
zur Trockensteppe, der SW sicher zur Feuchtsteppe. Da sich von N nach S eine Zunahme der
Niederschläge bemerkbar macht und vor allem eine Abnahme der Dauer der Trockenzeit, ist
die Pflanzendecke nicht einheitlich. Nirgends sind scharfe Grenzen vorhanden; die Vegetation
schafft stets allmähliche Übergänge von der Wüstensteppe des N über die Steppe zur Galerie
waldsteppe im SW. Diese schematische Gliederung wird mehrfach gestört. Abessinien zwingt
die Isohyeten zu einem scharfen nordöstlichen Ausbiegen in seinem Vorlande und schafft damit
eine ganz andere Anordnung der Pflanzenvereine. Der Nil wirkt als Fremdlingsfluß, seine
weiten, an Sumpfwasser reichen Überschwemmungsgebiete erzeugen Vegetationsformationen,
die dem Niederschlage in keiner Weise entsprechen. In dem Überschwemmungsgebiet des
Bahr-el-Ghazal und des SO haben wir es mit einer merkwürdigen Wechsellandschaft zu tun,
die jedes Jahr zwischen Salzsteppe (bis beinahe Wüste im SO) und tiefgründigem Morast
schwankt, eine Folge der außerordentlichen Flachheit und praktischen Undurchlässigkeit des
Bodens. Der dem Klima entsprechende Pflanzencharakter der Trockensteppe wird hier jedes
Jahr für einige Monate durch eine Sumpfformation überdeckt. Die Einwirkung des Menschen
darf nicht vergessen werden. Der Ostsudan ist in großem Maße eine durch die jährlichen
Steppenbrände erzeugte Raublandschaft; das gilt für den N wie für den S bei Lado. So ist der
rein der Regenhöhe entsprechende Pflanzen Charakter durch natürliche Einflüsse gewandelt, der
tatsächlich ursprünglich vorhandene durch den Menschen modifiziert.
Der nordöstliche Teil des Abiadbeckens vom Bahr-el-Asrak bis Kassala ist Steppe mit
Kitrgebüsch (Acacia mellifera) und einzelnen Bäumen; der Waldbestand nimmt nach SO zu.
Die höheren Niederschläge am abessinischen Rande erzeugen dort eine dichtere Vegetation,
als sie in der Ebene vorhanden ist. Den wechselnden Oberflächenverhältnissen entsprechend
zeigt auch die Pflanzendecke Verschiedenheiten. Im N ist selbst der Steilhang recht pflanzen
arm, der Granitboden ist nicht sehr fruchtbar. Die Hänge tragen eine steppenhafte Pflanzen
decke; hartes Gras und trockener Dornbusch finden weite Verbreitung, auch fast pflanzenlose
Strecken kommen vor. An Bäumen sind hervorzuheben die Kolqual-Euphorbie, in tieferen
Zonen der Leberwurstbaum (Kigelia aethiopica) und Adansonien. Die Talböden führen stets
Grundwasser und haben daher einen schmalen, dichten Uferwald mit gemischten Beständen von
feuchtwüchsigen Laubbäumen, mit Borassus- und Dompalmen.