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Full text: 55, 1936

Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken. 
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Diese weiten flachen Regenseen scheinen typisch zu sein für das Suddgebiet und den Süd 
osten des Beckens zwischen dem Bahr-el-Djebel und dem abessinischen Rande; sie kommen 
offenbar in dem Ausmaße nicht in der Djesireh vor, aber sie werden darum dort nicht fehlen. 
Am abessinischen Rande sind einmal Sümpfe entwickelt, wie Schuver von dem Lande vor dem 
Beni-SchonguI-PIateau erzählt; zum anderen muß es sich um höheres, trockenes, sandiges Land 
handeln, wie am oberen Baro. Die das südliche Abessinien verlassenden steilschluchtigen Bäche 
sind in der Trockenzeit selbst unmittelbar am Rande wasserlos; meist läßt sich allerdings 
Wasser im Sandbette durch Graben gewinnen. 
Die bisher gewonnene landschaftliche Einteilung ist durch die hydrographische Betrachtung 
etwas erweitert worden. Die Einteilung des N bleibt dieselbe, im südlichen Becken wurden das 
Sobat- und das Ghazalflußsysteni als besondere Landschaften ausgeschieden. 
7. Pflanzendecke. 
Die gewonnene Einteilung unseres Gebietes wird bestätigt durch die Unterschiede in der 
Pflanzendecke. Das Randgebiet zeichnet sich vor dem Flachland des W aus, das Binnenland 
und die Uferzone haben verschiedene Pflanzenformationen. Die beiden Flußsumpfgebiete des 
Sobat und des Ghazal sind wieder anders als der Teil des Beckens südlich des Suddsystems. 
Das ganze Abiadbecken gehört klimatisch in die Graslandzone, ein großer Teil bestimmt 
zur Trockensteppe, der SW sicher zur Feuchtsteppe. Da sich von N nach S eine Zunahme der 
Niederschläge bemerkbar macht und vor allem eine Abnahme der Dauer der Trockenzeit, ist 
die Pflanzendecke nicht einheitlich. Nirgends sind scharfe Grenzen vorhanden; die Vegetation 
schafft stets allmähliche Übergänge von der Wüstensteppe des N über die Steppe zur Galerie 
waldsteppe im SW. Diese schematische Gliederung wird mehrfach gestört. Abessinien zwingt 
die Isohyeten zu einem scharfen nordöstlichen Ausbiegen in seinem Vorlande und schafft damit 
eine ganz andere Anordnung der Pflanzenvereine. Der Nil wirkt als Fremdlingsfluß, seine 
weiten, an Sumpfwasser reichen Überschwemmungsgebiete erzeugen Vegetationsformationen, 
die dem Niederschlage in keiner Weise entsprechen. In dem Überschwemmungsgebiet des 
Bahr-el-Ghazal und des SO haben wir es mit einer merkwürdigen Wechsellandschaft zu tun, 
die jedes Jahr zwischen Salzsteppe (bis beinahe Wüste im SO) und tiefgründigem Morast 
schwankt, eine Folge der außerordentlichen Flachheit und praktischen Undurchlässigkeit des 
Bodens. Der dem Klima entsprechende Pflanzencharakter der Trockensteppe wird hier jedes 
Jahr für einige Monate durch eine Sumpfformation überdeckt. Die Einwirkung des Menschen 
darf nicht vergessen werden. Der Ostsudan ist in großem Maße eine durch die jährlichen 
Steppenbrände erzeugte Raublandschaft; das gilt für den N wie für den S bei Lado. So ist der 
rein der Regenhöhe entsprechende Pflanzen Charakter durch natürliche Einflüsse gewandelt, der 
tatsächlich ursprünglich vorhandene durch den Menschen modifiziert. 
Der nordöstliche Teil des Abiadbeckens vom Bahr-el-Asrak bis Kassala ist Steppe mit 
Kitrgebüsch (Acacia mellifera) und einzelnen Bäumen; der Waldbestand nimmt nach SO zu. 
Die höheren Niederschläge am abessinischen Rande erzeugen dort eine dichtere Vegetation, 
als sie in der Ebene vorhanden ist. Den wechselnden Oberflächenverhältnissen entsprechend 
zeigt auch die Pflanzendecke Verschiedenheiten. Im N ist selbst der Steilhang recht pflanzen 
arm, der Granitboden ist nicht sehr fruchtbar. Die Hänge tragen eine steppenhafte Pflanzen 
decke; hartes Gras und trockener Dornbusch finden weite Verbreitung, auch fast pflanzenlose 
Strecken kommen vor. An Bäumen sind hervorzuheben die Kolqual-Euphorbie, in tieferen 
Zonen der Leberwurstbaum (Kigelia aethiopica) und Adansonien. Die Talböden führen stets 
Grundwasser und haben daher einen schmalen, dichten Uferwald mit gemischten Beständen von 
feuchtwüchsigen Laubbäumen, mit Borassus- und Dompalmen.
	        
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