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Dr. Erich Höller: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken.
Trockenzeit zu erkennen, sie sind offenbar sehr unvollständige Uferwälle, die in der Regenzeit
zu Inseln oder auch ganz überspiilt werden; das Land ist bis 100 km vom Fluß entfernt ein
riesiger See, in den in der Nähe des No-Sees oft der Überschwemmungssee des Nachbarflusses
übergeht.
Der Rand der inneren Platte ist nun sehr weit zurückgewichen; in Richtung auf den No-
See zu löst sie sich in Inseln auf, die schließlich sehr unbedeutend werden und wohl in
manchen Teilen ganz fehlen. Selbst zur Niedrigwasserzeit faßt der Hauptarm die Wasser
menge nicht; die Überschwemmungen nehmen lediglich erheblich ab.
Eine sehr wesentliche Verstärkung erfahren die Überflutungen durch die eigenartige Bil
dung des Sudd, einer Sumpfvegetation, die besonders aus Ambatsch und Papyrus besteht; sie
kann ganze Flußläufe völlig absperren. Die Ambatsch- und Papyrusbestände entwickeln sich
am Ufer außerordentlich dicht und bis zu 6 m Höhe; sie fangen Schlamm und treibende Pflanzen
auf und bilden bald ein dichtes Polster, durch das das übelschmeckende Wasser nur langsam
hindurchfiltern kann. Da oft durch Hochwasser und Bettverlegungen große Uferteile los
gerissen werden, geraten auch gewaltige Ambatschinseln ins Treiben; sie schwimmen flußab
und legen sich an einer Krümmung oder flachen Stelle fest. Neues Material kommt hinzu, und
nach einiger Zeit hat das Ambatsch- und Papyruspolster, das den Namen Sudd trägt, den Lauf
völlig gesperrt. Es ist für Schiffe (und auch für große Tiere wie Flußpferde) sehr gefährlich
vom Oberlauf her in den Sudd zu geraten; die ununterbrochen neu hinzukommenden Suddinseln
versperren den Rückweg. Man hat Einzelbarren von mehr als 1 km Länge gefunden. Mancher
Kauffahrer des vorigen Jahrhunderts ist darin einem qualvollen Hungertode verfallen; diesem
Schicksal entging Gessi Pascha im letzten Augenblick durch Marnos energische Hilfe. Der
Sudd kann so stark sein, daß er ganze Rinderherden trägt, obwohl unter ihm das Wasser
(wegen der Raumverengung manchmal mit kräitiger Strömung) hindurchfließt. Da das weithin
überschwemmte Uferland undurchdringliche Sümpfe bildet, kann Hilfe, wenn überhaupt, nur
zu Schiff herankommen, und das ist bei einem festen Suddpolster außerordentlich schwierig.
Die Pflanzenmassen können gut 5 m dick werden und den Fluß auch bis zum Grunde aus
füllen; dann entsteht ein gewaltiger Stausee, der entweder den Pflanzenwall durchbricht oder
sich seitwärts einen neuen Abflußweg sucht, der zum Flußbett wird; das alte verlassene wird
von einer Pflanzendecke überzogen.
In der Überschwemmungszeit ist also der eigentliche Flußlauf meist nicht zu erkennen.
Manches Schiff ist seitlich vom Fluß abgekommen und durch den Überschwemmungssee in
einen anderen Fluß geraten, oder aber es blieb weitab vom Bett, das in der Trockenzeit
sichtbar wurde, stecken. Der Abfluß ist sehr träge oder besteht auch gar nicht, es kommt sogar
eine rückläufige Strömung vor.
Der Bahr-el-Djebel erreicht den Mokren-el-Bohur oder No-See (972 km oberhalb von
Chartum), einen flachen Sumpfsee, dessen Oberfläche in der Regenzeit sehr an Ausdehnung
gewinnt. Hier biegt der Lauf aus der bisherigen Nordrichtung nach O um, nachdem ihn ein
sehr starker nördlicher Arm, der Lolle, verlassen hat, der nahezu parallel läuft und etwas
nördlich der Sobatmündung wieder in den Bahr-el-Abiad geht, wie der Fluß jetzt heißt. Er hat
vom No-See an erst im Mittel 170 m Breite, später bis 400 m bei abnehmender Tiefe. Die
begleitenden Sümpfe sind noch groß, aber die bewaldeten Ränder der inneren Platten sind
schon überall vom Fluß aus zu sehen. Von der Sobatmündung (838 km oberhalb Chartum)
an hat der Weiße Nil wieder Nordrichtung. Sein Gefälle bleibt weiterhin äußerst gering; es
beträgt im Unterlauf des Abiad schließlich weniger als 1 cm/km. Das Wasser fließt praktisch
nur noch durch Nachschub; es braucht bei Hochwasser 21, bei Niedrigwasser 28 Tage, um vom
Sobat bis Chartum zu gelangen (16 bzw. 18 Tage von Gondokoro bis zum Sobat). Nördlich