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Volltext: 55, 1936

16 Aus dem Archiv der Deutschen Seevvarte — 55. Bd., Nr. 4 
treten schon heiße Wüstenwinde auf. Junker hat im März in Kassala mittags 43° gemessen, 
in Gedaref im April sogar 56° im Schatten; Insolationstemperaturen gehen bis 70°. Am abessi- 
nischen Rande laufen die Isothermen nordsüdlich; sie umgeben den Sudan ringförmig. Im 
Juli ist die Mitteltemperatur höher als 35°. Eingeborenennamen wie: Ein-el-Schems = „Auge 
der Sonne“ und tebki tuskut = „du weinst und schweigst“ sind bezeichnend für die furchtbare 
Hitze in den Gebieten vor dem abessinischen Rande, die zu den heißesten Afrikas gehören. 
Das Gebiet des Rudolf-Sees ist ziemlich trocken und sehr heiß. 28 Y* ° ist etwa die Sommer 
mitteltemperatur, tagsüber werden 46° erreicht; dafür kann in der Winternacht ein Sinken bis 
zu 10° erfolgen. Die Niederschläge sind offenbar sehr unregelmäßig; manchmal sind zwei 
Jahre ganz trocken, dann wieder fallen verheerende Güsse. Ganz trockene Sandbetten füllen 
sich in kürzester Zeit mit einem gewaltigen Strom. Worthington wurde einmal 6 Tage auf 
gehalten durch einen plötzlich entstandenen großen Gießbach im«Turkwellgebiet. In einem 
anderen Falle bildete sich innerhalb einer Nacht ein reißender Fluß, er wurde zum Strom und 
versiegte wieder; am Morgen waren nur noch kleine Pfützen im Sand. D. Smith hatte nord 
westlich des Rudolf-Sees in der Trockenzeit des Januars sehr unter Wassermangel zu leiden; 
einen vereinzelten Niederschlag in diesem Monat nennt er den letzten Herbstregen. Starke 
SO-Stürme können sehr plötzlich einsetzen. 
Eine gute Übersicht über die Niederschlagsverhältnisse des Ostsudan geben zwei Skizzen 
von W. Koppen und von de Martonne. (Figur 3 und Figur 4.) 
Um aus diesen einzelnen Angaben ein einheitliches Bild des Klimas zu gewinnen, sind 
Isohyetenkarten gezeichnet worden. Petermanns Mitteilungen bringen im Januar 1906, Heft 4, 
eine Studie über die jährlichen Niederschlagsmengen des afrikanischen Kontinents von G. Fraun- 
berger, 1930 eine Regenkarte von Ekhart, die auf neueren Untersuchungen fußt. Pietsch fügt 
seiner Arbeit über die Wasserverhältnisse des Nils eine Isohyetenkarte bei; auch Jäger bringt 
eine solche; die neueste englische iinden wir im Geographical Journal, 1930, in einer Arbeit von 
Dr. Chipp über die Pflanzen des Ostsudan. 
Die Karten, mit Ausnahme der von Ekhart, stimmen darin überein, daß westlich von 
Abessinien die Linien gleicher Regenmengen scharf nach NO bis N umbiegen und am Rande 
sehr dicht liegen. Im N und NO umkreisen sie den Hochlandsblock, der sich so als regenreiche 
Insel darstellt. Nach S nimmt die Niederschlagsmenge allgemein zu, aber die Zahlenangaben 
besonders für den SO lassen sich nicht in Einklang bringen. 
Fraunberger gibt für die Djesireh nördlich von 10° N 200 bis 400 mm an, für den Rand 
im O und das Sobatgebiet 400 bis 600 mm. Die 400-mm- und die 600-mm-Linie biegen aus 
ihrer ungefähren WO-Richtung, die sie westlich des Nils haben, vor Abessinien scharf nach 
NO und N um. Nach SW erfolgt eine Zunahme der Niederschläge; die Isohyeten von 800 mm 
an aufwärts liegen schalenförmig um das Kongogebiet, d. h. aus ihrer WO-Richtung biegen sie 
im Nilgebiet nach SO um; gerade dort zeigen sie eine Ausbuchtung nach NO. Für den Unter- 
sobat und den NO-Teil des Suddgebietes ergeben sich so 600 bis 800 mm; etwas weiter im SW 
schneidet die 1000-mm-Linie den Bahr-el-Ghazal und Bahr-el-Djebel; das innere Suddgebiet 
erscheint als regenreiche Insel mit 1000 bis 1300 mm. Latuka ist regenreich; in Zentral 
abessinien fallen bis 1300 mm Regen, in der Quellregion von Baro und Gelo und am Nord 
ende des Rudolf-Sees 600 bis 800 mm. 
Ekhart bringt die Mittelwerte der Jahre 1911 bis 1920. Von der Bajudasteppe bis Dueim 
reicht eine Zone mit 0 bis 250 mm Niederschlag, bis Djebelein folgt ein Streifen mit 250 bis 
500 mm, aber die Isohyeten laufen nach OSO! Das sind wesentlich höhere Angaben als 
Fraunberger macht. Die südliche und südwestliche Grenze des Gebietes mit 500 bis 1000 mm 
geht am Bahr-el-Arab entlang zum No-See, von da nach SO, so daß das südliche Abiadgebiet 
und ein großer Teil des Landes zwischen Nil und Abessinien dazu gehören. Südlich und süd
	        
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