Dr. Erich Holler: Feucht- und Trockensteppen im Abiadbecken
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werden, zerschnitten. Sic ist deshalb im O, S und SW gut ausgebildet und verfällt mit der
Annäherung an den Ort des Zusammentrittes der Ströme und Wasserläufe immer mehr der
Auflösung; an der Ostseite des Bahr-el-Djebel reicht sie offenbar weit nach N. Das Zusammen
flußgebiet der Sobatquellströme im O und das Ghazal-Sudd-Gebiet im W scheinen viel Ähnlich
keit zu besitzen, nur wird das Sobatgebiet durch einen etwas längeren Unterlauf vom Bahr-el-
Djebel getrennt.
3. Geologische Betrachtung.
Die afrikanische Platte ist ein eingeebnetes Grundgebirge, das aus der afrikanischen
Primärformation besteht. Darauf liegen weithin im südlichen Teil des Erdteiles, bis Abessinien
reichend, die Tafeln des Afrikasandsteins, einer fossilarmen bis fossilleeren Festlandsbildung,
die wohl bis in die Jurazeit hinein aufgebaut wurde. Der nubische Sandstein im NO ist
kretazisch und jünger. Im Tertiär erfolgten riesige Deckenergüsse von Trapp, später, erst am
Ende des Altdiluviums, die großen Grabenbrüche im 0, denen ein neuer, aber geringerer
Vulkanismus sich anschloß.
Abessinien ist ein Sockel von kristallinem Grundgebirge und Afrikasandstein mit darauf
liegenden gewaltigen Schichten von Lava und Tuff. Die zwischen Sandstein und vulkanischem
Gestein liegenden Jura- und Kreideablagerungen sind am Westrand bisher nicht gefunden. Der
Trapp der abessinischen Tafel (Aschangi-, Magdala-, Adenserie) gehört zur großen ostafrikanischen
Magmenprovinz. Nördlich von 15° N besteht Abessinien nur aus dem afrizidischen Grund
gebirge, der Trapp fehlt. Der Westabfall von Abessinien ist zugleich der Abfall von Hoch
afrika gegen Niederafrika, der in geologischer und morphologischer Hinsicht fast nirgends so
scharf ist wie hier. Während Jäger den Rand nördlich des Baro für eine Abtragungsstufe und
den südlich des Baro für eine Stufe von zweifelhafter Entstehung hält, meint Krenkel, man dürfe
den ganzen Westhang als einen Bruchrand auffassen. Das ist aus geologischen Gründen
möglich: Eine Zone Urgestein tritt heraus, oben und unten gibt cs denselben Sandstein; Erd
beben sind schon häufiger beobachtet worden. Rathjens gibt folgendes Profil: Figur 2.
(Rathjens nimmt den Bruch als Tatsache an; er soll ebenso alt wie der Graben im O und
jünger als die Trappdecke sein. Dann müßte Trapp sich auch in der Ebene finden; er ist aber
bis heute noch nicht nachgewiesen worden.)
Auch morphologisch ist der Bruchrand annehmbar, denn es handelt sich um einen Steilrand,
wenn auch nicht um einen so geschlossenen wie im trockenen Osten Abessiniens. Oft ist er
auch im W mauergleich, dann wieder zerrissen, und manchmal macht er den Eindruck einer
Bergkette, wie z. B. im 0 von Fasogl. Er kann bis 200 km breit werden und ganz im Land
schaftsbild verschwinden.
Von Suakin an, das im Gebiete des Grundgebirges am Roten Meer liegt, ist der Westrand
deutlich bis zum Knie des Barka; er verläuft nordsüdlich. Zwischen Barka und Takazzé springt
er nach W auf etwa 37° O vor, behält aber meridionale Richtung. Vom Takazzé zum Bahr-el-
Asrak läuft er südwestlich. Zwischen Semién und dem gegen den Ostsudan vorgeschobenen
Bergstock von Eto setzt eine tiefe Furche hindurch, die weniger als 1000 m Meereshöhe hat;
vielleicht ist es ein Graben in derselben Richtung wie die Bruchstufe. Jenseits des Bahr-el-
Asrak springt der Rand wieder nach W vor; nach Schuvers Beschreibungen handelt es sich
hier wohl um eine Doppclstufe, die nach Steudners Berichten auch schon weiter im N vor
handen zu sein scheint. Der Bruchrand geht nun nach S etwa auf 34 bis 3414° O entlang, dann
in einem flachen Bogen nach SO und wieder nach S. Im Sobatlande ist er morphologisch sehr
deutlich und als Doppelstufe entwickelt. Weiter im S, am Borna- (6° N) und Muschaplateau
(5 l A° N) bleibt der Rand sehr eindrucksvoll; Hodson erzählt von einem mauergleichen Abfall