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Volltext : 55, 1936

Dr.  Joachim  B  1  ü  t  h  g  e  n  :  Die  Eisverhältnisse  des  Bottnischen  Meerbusens

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die  erhebliche  Größe  der  Eiswälle  und  Packeispressungen  berücksichtigt,  wie  sie  ja  wiederholt  beobachtet  sind,
dann  ist  diese  Tatsache  nicht  weiter  verwunderlich.
Die  Ausbildung  der  Eisbrücken  über  den  Nordkvark  und  den  Südkvark  bedingen  stets  eine  Verlängerung
der  Vereisung  des  nördlich  davon  gelegenen  Meeresteiles,  da  die  Abdrift  des  Eises  während  des  Winters  unterbunden ­
  ist  und  auch  erst  im  Frühjahr  relativ  spät  einsetzen  kann,  dann  jedoch  schweres  Eistreiben  verursachend.

Der  Einfluss  des  Eises  auf  das  Klima
Es  wurde  während  der  vorangegangenen  Untersuchungen  wiederholt  auf  die  Ursachen  der  Vereisung  hingewiesen, ­
  und  dabei  konnte  das  Klima  als  der  Hauptfaktor  festgestellt  werden,  wie  das  ja  auch  nicht  anders  zu
erwarten  ist.  Die  Untersuchungen  wären  jedoch  unvollständig,  wollte  man  nicht  auch  die  Wirkung  des  Eises
auf  das  Klima  festzustellen  versuchen.
Die  Wirkung  der  Vereisung  auf  das  Klima  äußert  sich  in  zwei  Formen:  einmal  wird  durch  das  Eis  die
Luft,  sofern  sie  wärmer  als  das  Eis  ist,  abgekühlt.  Dies  ist  also  eine  direkte  Einwirkung.  Zum  andern  aber
wird  die  Wassertemperatur  durch  das  Eis  solange  sehr  niedrig  gehalten,  bis  das  meiste  Eis  geschmolzen  ist;  eine
niedrige  Wassertemperatur  bedingt  aber  eine  Erniedrigung  der  Temperatur  der  darüber  hinstreichenden  Luft;  es
handelt  sich  hier  um  eine  indirekte  Einwirkung  der  Vereisung.  In  beiden  Fällen  hätten  wir  als  Resultat  eine  Herabsetzung ­
  der  Lufttemperatur.
Diese  theoretischen  Erwägungen  müssen  nun  durch  praktische  Belege  bekräftigt  werden,  zunächst  die  über
die  Einwirkung  des  Eises  direkt  auf  die  Luft.  In  Frage  kommt  die  Zeit  des  Frühjahrs,  wo  einesteils  die  beträchtlichsten ­
  Eismengen  vorhanden  zu  sein  pflegen  und  andererseits  die  Luftströmungen  zum  ersten  Mal  beginnen,
nennenswert  über  den  Nullpunkt  anzusteigen.  Um  möglichst  klare  Fälle  vor  sich  zu  haben,  eignen  sich  am  besten
die  Wetterlagen,  wo  Luftströmungen  zyklonaler  Art  mit  einer  westlichen  oder  östlichen  Komponente  den  Bottnischen ­
  Meerbusen,  namentlich  dessen  nördlichen  Teil,  queren.
Die  aus  den  Wetterkarten  entnommenen  Beispiele  ergeben  nun,  daß  eine  merkbare  Herabsetzung  der  Lufttemperatur ­
  bei  solchen  Verhältnissen  an  der  Luvküste  nicht  stattfindet.  Es  gibt  Fälle,  wo  sie
scheinbar  stattfindet,  andererseits  folgen  auch  Fälle,  wo  sie  nicht  mehr  ersichtlich  ist.  Das  Merkwürdige  ist
dabei,  daß  sie  zeitlich  ganz  regellos  auftreten,  während  man  doch  zumindest  im  März  eine  Herabsetzung  der
Temperatur  für  wahrscheinlich  halten  müßte.  Zum  Beispiel  herrschte  am  8.  März  1927  im  Bereich  des  nördlichen ­
  Bottenbusens  föhnartiger  Südost  am  Westrande  eines  russisch-finnischen  Hochdruckgebietes.  Die  Temperaturen ­
  waren  in  Haparanda  +1°,  in  Bjuröklubb  (schwed.  Seite)  +1°  und  im  gegenüber  liegenden  Vasa  0°.  Hier
wäre  also  eher  eine  geringe  Erwärmung  festzustellen.  Einen  Monat  später,  am  7.  April  1927,  als  nennenswerte
Eismassen  nur  noch  im  höchsten  Norden  existierten,  bildete  sich  eine  gleiche  Wetterlage  aus  mit  allgemeinen
Südostwinden;  die  Temperaturen  waren  hier  in  Haparanda  +1°,  in  Bjuröklubb  0°  und  in  Vasa  +1°.  Hier  ist
also  die  schwedische  Seite  um  1°  kälter.
Anders  ist  es  im  späteren  Frühjahr,  wenn  die  Landwinde  aus  Osten  bereits  stark  erwärmt  sind,  dann  findet
fast  ausschließlich  eine  Herabsetzung  der  Temperatur  durch  die  Überschreitung  des  Meerbusens  statt.  Folgende
Tabelle  mag  darüber  Aufschluß  geben:

Ort:  Küste:  Windrichtung:  Temperatur:  Datum:

Haparanda

nördl.

Nord

+  5°

25.4.1922

Härnösand

westl.

Nord  ost

+3°

99

Haparanda

nördl.

Südost

+5°

26.4.1922

Härnösand

westl.

Südost

+2°

95

Haparanda

nördl.

Windstille

+6°

28.4.1922

Härnösand

westl.

Nordost

+2°

Haparanda

nördl.

Südost

+  7°

29.  4.  1922

Härnösand

westl.

Südost

+  1°

59

Haparanda

nördl.

Südwest

+7°

8.6.1924

Bjuröklubb

westl.

West

+  10°

99

Haparanda

nördl.

Südost

+  16°

23.6.1924

Bjuröklubb

westl.

Ost

+8°

99

Haparanda

nördl.

Südost

+4°

16.4.1925

Bjuröklubb

westl.

Südost

+4°

99

Härnösand

westl.

Ost

+2°

Vasa

östl.

Südost

+  10°

99
            
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