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Volltext : 55, 1936

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  55.  Band,  Nr.  3

g)  Rückblick.
Die  Betrachtung  der  Eisverhältnisse  des  Bottnischen  Meerbusens  hat  folgende  Ergebnisse  gezeitigt:  Die
Küste  wird  umsäumt  von  einem  mehr  oder  weniger  breiten  Festeisgürtel,  der  am  ausgedehntesten  in  der  nördlichen ­
  Bottenwiek,  auf  der  finnischen  Seite  des  Nordkvark  und  im  Schärenmeer  ist.  Geringere  Ausbuchtungen
finden  sich  noch  auf  der  schwedischen  Seite  des  Nordkvark.  Die  Vereisung  der  nördlichen  Bottenwiek  weicht  in
vielen  Punkten  von  den  übrigen  Gebieten  ab  und  schließt  sich  eng  an  den  polaren  Typ  der  Vereisung  an;  gleichzeitig ­
  linden  sich  hier  die  absoluten  Extreme  des  Vorkommens  von  Eis,  hinsichtlich  des  Eisganges  jedoch  nicht  an
der  Küste,  sondern  bereits  in  der  freien  See.
An  den  Eesteisgürtel  schließt  sich  meerwärts  Treibeis  an,  das  von  Windrichtung  und  -stärke  abhängig  ist.
An  der  Grenze  zum  Festeis  tritt  bei  geeigneten  Windverhältnissen  Packeis  auf  iAbb.  38).
Diese  Eisverteilung  von  der  Küste  aus:  Festeis  —  Treibeis  bzw.  Packeis  entspricht  der  Gliederung,  die
Arnold-Alabie  ff  (Ann.  1925  S.  312)  als  allgemein  geltend  für  die  Ostsee  aufgestellt  hat.  Nach  ihm  sind  folgende
Eistypen  charakteristisch  für  die  Ostsee:  1.  die  starke,  fest  mit  dem  Land  verbundene,  vollständig  unbewegliche
Eisdecke,  in  welcher  die  Spur  des  Eisbrechers  unverändert  bleibt;  2.  eine  kompakte  (dichte)  Eisdecke  mit  Verschiebungen ­
  oder  Verschraubungen;  zwischen  den  einzelnen  Eisfeldern  befinden  sich  Rinnen  und  Wunen,  die
Spur  des  Eisbrechers  wird  entweder  sofort  nach  seinem  Durchgang  oder  kurze  Zeit  später  verwischt;  der  Eisbelag ­
  herrscht  noch  durchaus  vor  gegenüber  den  offenen  Stellen;  3.  Treibeis  wechselnder  Dichtigkeit,  bestehend
aus  verschiedenartigen  Eismassen  (von  kleinen  Schollen  bis  zu  Eisfeldern);  die  Eis-  und  Freiwasserflächen  sind
gleich  oder  überwiegend  abwechselnd;  das  Eis  schwimmt  stets  frei;  eine  zusammenhängende  Eisdecke  ist  nicht
vorhanden;  4.  freies  Wasser;  entweder  ist  die  Oberfläche  völlig  eisfrei,  oder  die  Eismassen  sind  so  gering,  daß
die  Schiffahrt  unbehindert  ist.  —  In  normalen  Hochwintern  tritt  allerdings  Gruppe  4  in  der  Bottenwiek  nicht
mehr  auf.
Im  Bereich  der  Meerengen  entstehen  Eisbrücken,  die  vielfach  durch  Eisstauung  bedingt  sind,  so  daß  die
Stärke  des  dortigen  Eises  in  keinem  Verhältnis  zu  dem  Frost  oder  den  hydrographischen  Bedingungen  steht.
Arnold-Alabie  ff  (I.  c.)  konnte  ähnliche  Beobachtungen  machen,  die  ihn  zu  folgender  allgemeinen  Schlußfolgerung ­
  veranlaßten:  „Wie  die  Beobachtungen  von  Eisbrechern  aus  bewiesen  haben,  hängt  die  Eisdecke  weniger
von  der  Stärke  des  Frostes,  als  von  ihrer  Verdoppelung,  Verdreifachung  usw.  ab,  die  unter  dem  Einfluß  der
Winde  durch  Unterschieben  der  einzelnen  Eisschollen  hervorgerufen  werden.  Die  Anzahl  der  einzelnen  Schichten
beträgt  oftmals  8  bis  10  und  erreicht  sogar  die  Werte  von  15  bis  20.“
Als  typische  Hochwinterläge  in  einem  normal  strengen  Winter  kann  folgende  Verteilung  gelten:  Festeissaum ­
  bis  zum  Rande  des  Schärenhofes,  zusammengefrorenes  Treibeis  in  der  Bottenwiek  ohne  bewegliche  Stellen;
Eisbrücke  im  Nordkvark,  bestehend  aus  zwei  Festeissäumen  und  einem  Mittelstück  aus  zusammengefrorenem
Treib-  oder  Packeis;  schmaler  Eissaum  längs  der  finnischen,  noch  schmalerer  längs  der  schwedischen  Küste;  die
Bottensee  teilweise  mit  Treibeis  bedeckt,  dessen  Lage  von  der  Windrichtung  abhängt;  über  dem  Schärenmeer  bis
Aland  eine  Eisbrücke  von  mehrmonatiger  Dauer;  das  Älandsmeer  und  der  Südkvark  bleiben  offen.
Die  Abhängigkeit  von  den  Frostperioden  ist  der  Grundzug  der  Vereisung  der  küstennahen  Stationen;  je
nach  der  Menge  des  gebildeten  Eises,  am  stärksten  im  Norden,  überdauert  die  Eisbedeckung  wärmere  Zeiten  und
zieht  sich  weit  in  das  Frühjahr  hinein.  Bei  den  meerwärts  gelegenen  Stationen  tritt  die  Abhängigkeit  von  den
hydrographischen  Verhältnissen  oft  in  den  Vordergrund.  Im  Süden  des  Bottenbusens  setzt  die  Vereisung  später
ein  (auch  relativ  zur  ersten  Frostperiode),  im  Norden  bedingt  die  erste  Frostperiode  schon  Eisbildung.  Der
Eisgang  fällt  nur  im  Süden  in  Küstennähe  mit  dem  Ansteigen  der  Festlandstemperaturen  zusammen  (Stockholm!).
Was  den  Einfluß  der  Winde  auf  die  Vereisung  betrifft,  so  muß  zwischen  einem  thermischen  und  mechanischen ­
  Einfluß  geschieden  werden.  An  der  finnischen  Seite  wirken  beide  Eigenschaften  des  Windes  gegeneinander, ­
  sofern  nicht  die  thermische  Wirkung  das  Übergewicht  erhält;  an  der  schwedischen  Seite  wirken  beide
Eigenschaften  gleichsinnig.  Namentlich  im  Frühjahr  macht  sich  die  mechanische  Wirkung  der  Winde  bemerkbar,
indem  sie  allein  die  längere  Vereisung  auf  der  schwedischen  Seite  bedingt,  da  Ostwinde  vorherrschend  sind
(Abb.  34).
Zu  einer  Eisvorhersage  fehlen  jetzt  noch  die  Grundlagen,  da  die  Vorhersage  der  meteorologischen  und
hydrographischen  Grundbedingungen  der  Vereisung  noch  nicht  möglich  ist.  Bekannt  ist  lediglich  der  Wärmevorrat ­
  im  Wasser,  der  in  enger  Beziehung  zu  der  Wärmebilanz  des  voraufgegangenen  Sommers  steht.  Schließlich ­
  kennen  wir  als  allgemein  disponierenden  Faktor  die  topographische  Lage  und  die  Meerestiefen,  die  für  die
Eisentwicklung  wichtig  sind.
Für  die  Schiffahrt  kommen  als  günstigste  Küstengebiete  im  Bereich  des  Bottnischen  Busens  in  Betracht:
die  Reede  von  Räfsö  und  die  Gewässer  vor  Härnösand  (  Abb.  33  und  34).  Hierbei  muß  jedoch  eine  Einschränkung ­
  gemacht  werden:  das  offene  Meer  ist  nicht  immer  so  günstig  hinsichtlich  der  Vereisung,  und  namentlich  im
Frühjahr  sind  Eisbarrieren  auf  dem  Hinweg  zu  jenen  Küstenplätzen  häufig,  die  dann  den  Nutzen  der  erwähnten
Orte  illusorisch  machen.  Heutzutage  und  auch  in  Kriegszeiten  wird  durch  die  Inbetriebnahme  starker  Eisbrecher
die  Behinderung  durch  das  Eis  weitgehend  reduziert;  sogar  die  Packeiswälle  im  Meere  bieten  für  Eisbrecher  nur
mehr  in  seltenen  Fällen  ernste  Hindernisse.  —  Im  Weltkriege  hat  sich  noch  ein  anderer  hinderlicher  Einfluß  des
Eises  gezeigt.  An  der  finnischen  Seite  wurden  nämlich  Minen  durch  Eis  zum  Sprengen  gebracht.  Wenn  man
            
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