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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
der offenen Boltenwiek für den Dezember angenommen werden kann, dann dürfte sie bei der viel tieferen Bottensee
noch später liegen. Die erste umfassendere Meereisbildung kann nicht früher als Mitte Januar angenommen
werden, dagegen hält sich das Eis auf See im Frühjahr wesentlich länger als im Schärengebiet. Es herrscht also
hier ebenfalls eine Verschiebung der Vereisungszeit wie in der Bottenwiek außerhalb der Küste. Das letzte Treibeis
tritt etwa einen Monat früher auf als gleichzeitig in der Bottenwiek, von wenigen Ausnahmen abgesehen (vgl.
oben). Für die tiefere Bottensee kann mit Ausnahme vielleicht des Beckens von Härnösand ein noch früherer Eisgang
angenommen werden. Das Becken von Härnösand wird davon abweichen, weil es, in der Nähe der schwedischen
Küste und südlich des Nordkvark, im Frühjahr bei der herrschenden Windlage reichlich Treib- und Packeis
aufzuweisen hat.
Die größte Ausbreitung des Eises in der Bottensee findet nach Hellström um den 10. März statt, wo nur
ein kleinerer Teil der Bottensee frei bleibt. Nach diesem Termin nimmt das Eis ab, da dann die Lufttemperatur
über die des Wassers steigt.
Im ganzen ergibt sich eine Verkürzung der Vereisung der östlichen (tieferen) Hälfte der Bottensee, denn
die westliche Hälfte kühlt eher ab, da sie flacher ist. Infolge herrschender östlicher Winde zur Zeit der größten
Kälte wie auch im Frühjahr wird das Eis dort angehäuft. Die östlichen Winde haben ferner zur Folge, daß sich
an der finnischen Seite wärmeres und salzreicheres Auftriebswasser einstellt. Der ausgehende Strom im Frühjahr,
der gewissermaßen das gesamte noch nicht geschmolzene Eis des Bottnischen Meerbusens sammelt, beschränkt
sich in der Hauptsache auf den westlichen Teil der Bottensee.
12. Südkvarken, Älandsmeer.
Die Eisverhältnisse im Älandsmeer und dem Südkvark gestalten sich im ersten Teil des Winters sehr
günstig, da die große Tiefe und die lebhafte Strömung eishinderlich sind. Gegen Ende des Winters tritt dann Eis
auf, das zwei Ursachen hat: in der Hauptsache Treibeis, das aus der Bottensee südwärts treibt, ferner in einigen
Wintern Festeis, das vom schwedischen Festlande und der Küste von Äland in das Meer vorwächst und hier
ähnlich wie im Nordkvark die Meerenge so einengt, daß bewegliches Eis zwischen den beiden Festeissäumen
festgerät und zusammenfriert.
Es muß bei der Vereisung des Älandsmeeres also zwischen zwei Typen unterschieden werden: 1. dem
Vorkommen von Treibeis gegen Ende des Winters und namentlich beim Eisgang, 2. dem Auftreten einer Eisbrücke
zwischen Schweden und Äland, die sich beiderseits aus einem Festeisdamm und in der Mitte aus zusammengefrorenem
Treib- und Packeis zusammensetzt.
Charakteristisch für diese Verhältnisse ist das Eisdiagramm von Feuerschiff Grundkallen (Abb. 9) im Südkvark.
Einige Eiswinter mit starker Festeisbildung und längerer Dauer heben sich von den übrigen sehr eisarmen
Wintern ab, in denen nur sporadisch Eisbildung vorkommt. Es ergibt sich eine Ähnlichkeit mit den Eisverhältnissen
von Utö, der Hauptunterschied besteht darin, daß die eisreichen Winter noch stärker hervortreten, da der
Eisstau bei Bestehen einer Eisbrücke diese durch Zufuhr von Eis noch verstärkt, während es sich bei Utö nur
um das Vorschieben des Schärenmeerfesteises handelt, das sich bei geeigneten Temperaturverhältnissen und Windrichtungen
im Frühjahr ohne Verzögerung zurückzieht.
Das Vorhandensein einer Eisbrücke über das Älandsmeer kennzeichnet stets eine besonders schwere Hochwinterlage.
Leider fehlen die finnischen Berichte der schweren Eiswinter 1923/24 und 1925/26, so daß eine Statistik
nicht lückenlos ist. Die Winter 1915/16, 1916/17, 1922/23, 1927/28 und 1928/29 wiesen eine solche Eisbrücke.
auf; rechnet man mit der Möglichkeit, daß 1923/24 und 1925/26 ebenfalls eine Eisbrücke zwischen Schweden
und Äland bestanden hat, dann ergäbe sich eine Zahl von 7 Wintern mit solcher Eisverbindung auf im
ganzen 19 Berichtswinter. In Anbetracht der eisungünstigen hydrographischen Umstände ist diese Zahl relativ
hoch, da der Nordkvark, eigentlich wider Erwarten, eine nur wenig höhere Prozentzahl erreicht, trotzdem er
günstigere hydrographische und topographische Voraussetzungen bietet.
Gelegentlich zeigt sich, daß die Eisbrücke, wenn sie überhaupt zur Ausbildung kommt, sich mehr nach
Norden verschiebt, gewissermaßen dem Ostseestrom und dem Älandtief ausweichend, es scheint, daß der Südkvark
günstigere Bedingungen für das Zustandekommen einer Eisverbindung zwischen beiden Küsten bietet als das
Älandsmeer, obwohl er breiter ist.
Besonders bemerkenswerte extreme Fälle zeigen, daß die Eisbrücke durchaus längere Zeit bestehen bleiben
kann. 1915/16 bestand sie vom 21. II., wo sie sich bei stillem Frostwetter bildete, bis zum 7. IV. Auch 1922/23
bestand sie über einen Monat. Die günstigste Zeit ist Ende Februar. 1928/29 war sie vom 15. II. bis 3. III. für
Autos passierbar.
Die Wirkung einer solchen Eisbrücke auf die Eisverhältnisse der Bottensee ähnelt der Wirkung der Nordkvark-Eisbrücke
für die Bottenw'iek sehr. In beiden Fällen ist der Eisabtransport verhindert, der Wasseraustausch
jedoch nicht, in letzterem Punkte ist die Älandsrinne sogar im Vorzug, da infolge der bedeutenden Tiefe und
des starken Stromes unabhängig von der Oberfläche der Wasseraustausch reibungslos vor sich gehen kann.
Im übrigen wirkt das Älandsmeer als Enteisungspforte für die nördlichen Meere; das Treibeis, gleich
welcher Herkunft, das noch nicht geschmolzen ist, passiert die Enge und gerät dann in die freie Ostsee, wo es
sehr rasch schmilzt. Da der Strom im Frühjahr südwärts gerichtet ist, k^nn es oft zu schwerem Eistreiben
kommen, namentlich bei Vorhandensein einer Eisbrücke, die das Eis der Oberfläche aufhält, während die Wassermassen
ungehindert darunter weg nach der Ostsee strömen können.