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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
Wie schon erwähnt, frieren die Sunde Delet und Skiftet (4b) am spätesten zu. Auf den Eiskarten der
finnischen Berichte erscheinen sie während der Vereisung deutlich als Hinnen offenen Wassers, die noch lange
die Eisbrücke sehr einengen, bis auch sie, etwa 14 Tage nach dem ersten Zusammenfrieren weiter nördlich, ganz
vom Eise bedeckt sind. Beim beginnenden Zerfall im Frühjahr erscheinen sie wieder zuerst als schmale Rinnen,
die sich vom SE her in die Eisbrücke hineinschieben, bis diese dadurch völlig getrennt wird. Es ist auffällig,
daß regelmäßig zwischen den beiden Sunden zu Beginn der Vereisung ein selbständiges Eiszentrum besteht, das
gewissermaßen einen „Pfeiler “der zu bildenden Eisbrücke über die umgebenden Sunde darstellt. Die Ursache
der geringeren Vereisung von Delet und Skiftet liegt in der größeren Tiefe, so daß noch länger Konvektions
strömungen bestehen können als in dem flachen Schärenmeer beiderseits.
Das äußere Schärenmeer (4c) wird erst im Hochwinter, also im Februar und März, von der Festeisdecke
des Schärenmeeres erreicht, manchmal unterbleibt auch eine Festeisbildung, wie zum Beispiel aus den Eisdia
grammen der Insel Utö (Abb. 32), die ganz am Südrande des äußeren Schärenmeeres gegen die Ostsee liegt, her
vorgeht. In diesem Teile des Schärenmeeres sind die Einflüsse der freien Ostsee schon stark zu spüren. Nament
lich im Charakter der Vereisung kommt dies zum Ausdruck. Treibeis und Packeis kommt sehr häufig vor, sowohl
bei Utö wie an der Südseite der Älandsinseln, die wir ebenfalls zu dem äußeren Schärenmeer rechnen müssen
(Mariehamn Abb. 30 und Ledsund Abb. 31).
Schon Ackermann (1. c.) betonte den Unterschied in der Lage innerhalb des Schärenmeeres, die sehr wich
tig für die Dauer der Vereisung ist. Er erwähnt z. B., daß bei den Kökar-Inseln außerhalb 55 Tage mit Eis
und innerhalb 122 Tage mit Eis zu erwarten seien. Außerdem macht sich, wie bereits erwähnt, die Lage auch in
dem andern Charakter der Vereisung geltend. Das innere Schärenmeer einschließlich der Sunde Delet und Skiftet
weist meistens nur folgende Entwicklung auf: Eisbrei — Blaueis — starkes Festeis; im äußeren Schärenmeer
haben wir jedoch vorwiegend bewegliche Eisarten, die nur im Hochwinter gelegentlich zusammenfrieren, gewisser
maßen in festen Zusammenhang mit der nördlichen Festeisdecke geraten. Namentlich das Diagramm von Utö
zeigt sehr deutlich, wie das Festeis in einzelnen Wintern die Insel erreichte, in andern dagegen fehlte, so daß
dann nur ganz sporadisch Eisbildung vorkam.
An der Eisbildung im inneren Schärenmeer hat der Schneefall einen großen Anteil, es wird wiederholt
berichtet, daß Schneebrei im Wasser die Eisbildung beschleunigte. Andererseits wird auch berichtet, daß Mangel
an Schnee die Eisbildung verzögerte, während gleichzeitig in den nördlich anschließenden Gebieten mit reichem
Schneefall die Eisbildung mit großer Geschwindigkeit einsetzte. Verstärkt wird die Eisdecke auch noch indirekt
durch Schneefall in diesen Breiten, da dieser dann meist eine Verschärfung der Kälte zur Folge hat. Diese Wir
kung der Schneedecke macht sich in dem schon stark polar beeinflußten nördlichen Teil des Bottenbusens nicht
mehr so geltend, da dort die Temperatur durchschnittlich schon an sich sehr tief ist. Bei dem relativ häufigeren
Vorkommen südwestlicher Winde im südlichen Teile des Bottnischen Meerbusens fällt eine Verstärkung des
Frostes durch die Schneedecke in der „Kältebilanz“ schon erheblich ins Gewicht.
Die typische Eislage zu Beginn und zur Zeit des Höhepunktes der Vereisung im Bereich des Schärenmeeres
geht aus der Karte hervor (vgl. Abb. 37).
5. Mittelschwedischer Schärenhof.
Das Gebiet des mittelschwedischen Schärenhofes, das die Meerenge von Äland westlich begleitet, gehört
nur noch teilweise zum Vereisungsbereich des Bottnischen Meerbusens. Sein südlicher Teil wird schon sehr stark
von der Ostsee beeinflußt; namentlich die Außengewässer von Stockholm (Eisdiagramm für Sandhamn, Abb. 7)
zeigen, daß die Eisbildung hier auffallend gering ist, sehr oft unterbrochen wird und sich durch eine Häufigkeit
von Treibeis auszeichnet. Der Festeissaum längs der Küste ist nur schmal, da der starke und warme Strom aus
der Ostsee durch das Älandsmeer, auch wenn er wie im Frühjahr nur in der Tiefe vorhanden ist, nachteilig auf die
Eisbildung ein wirkt. Deshalb weisen nur einige Winter einen Festeissaum auf, der auch die Außenschären (Söder
arm Abb. 8) erreicht. Die Eiswahrscheinlichkeit ist dementsprechend sehr gering (Sandhamn im März nur 6 von
10 Wintern!). Landeinwärts mit der Entfernung von den marinen Einflüssen macht sich der Einfluß der konti
nentalen Klimawirkungen sehr geltend. Stockholm (Abb. 6) erreicht bereits im Februar und im März eine Eis
wahrscheinlichkeit von 10. Der „kontinentale“ Gang der Vereisung in Stockholm kommt in dem zeitigen Eisgang
zum Ausdruck.
Vergleicht man beispielsweise die Eiswahrscheinlichkeit von Stockholm und von Öregrundsgrepen, das nur
wenig nördlicher, aber schon im Bottenbusen liegt, zeigt sich deutlich, daß bei gleicher Eiswahrscheinlichkeit im
Februar und März im Frühjahr die Vereisung sich im Boltenbusen viel länger hinauszieht, mitunter bis in den
Mai, während Stockholm nach ziemlich raschem Abfall im Mai überhaupt keine Eiswahrscheinlichkeit mehr be
sitzt. Diese Tatsache hängt sicher mit dem kontinentalen Temperaturgang zusammen, der im Frühjahr einen
raschen Temperaturanstieg zeigt, der sich auch auf die weit landeinwärts reichenden Gewässer erstreckt. Dagegen
macht sich die Lage von Öregrundsgrepen zur Bottensee deutlich geltend in dem länger möglichen Auftreten von
Eis im Frühjahr.
Näher sei auf dieses Gebiet nicht eingegangen, da es für die Betrachtung der Eisverhältnisse des Bott
nischen Meerbusens nicht mehr wesentlich ist.